Die Seele des "Stade du Thillenberg" in Differdingen

Nachdem einige Jünglinge, welche belgische Mittelschulen besuchten, die Begeisterung des Fußballsports nach Differdingen brachten, wurde auch schon 1907 der erste Fußballverein mit dem Namen „Sport-Klub Differdingen“ gegründet.

Trainiert wurde Sonntag-Nachmittags auf der Wiese hinter dem Hüttenkasino für einen jährlichen Mietpreis von 80 Mark. Das Spielfeld entsprach überhaupt nicht den Ansprüchen eines Fußballfeldes und mehrere Spiele mussten deswegen abgesagt werden.

1909 kam es dann zu einer 2en Gründung eines neuen Fußballvereins namens FC 09. Die beiden Vereine fusionierten aber wieder im darauf folgenden Jahr und einigten sich auf den Namen „Sport-Klub Differdingen“ mit den Vereinsfarben des FC09. Ihr neues Spielfeld, welches mit einer Einfriedigung umgeben wurde, wozu 500 Mark votiert werden mussten, befand sich bei Regenwetter noch immer in desolatem Zustande und musste mehrmals um Aussetzung der Spiele angefragt werden. Der „Sport-Klub“ wurde sogar 1912 von der Meisterschaft ausgeschlossen, weil das Spielfeld unspielbar war.

1916 spielte die Mannschaft dann auf einem neuen Spielfeld, auf dem später die A.S. spielte (hinter dem Café Courtois), das aufs beste eingefriedigt wurde und in Stand gesetzt wurde. Aber auch dort blieb man nicht verschont und oft musste das überschwemmte Fußballfeld mithilfe von Kohlenschlacken spielbar gemacht werden.

So kam es dann am 11. Juli 1919 zur Namensänderung des Sport-Klubs und die roten Jungen tauften sich um in „Red-Boys-Differdingen“. Gespielt wurde auf dem Spielfeld an der Escherstraße und der lang ersehnte Aufstieg in die erste Division folgte noch in der gleichen Saison. Doch der Vereinsleitung konnte das Spielfeld nicht zusagen, da es während der Fußballsaison größtenteils in durchnässtem und unspielbarem Zustande war. Da das Feld tiefer als der daneben fließende Kornbach lag, war es unmöglich diesen Missstand zu beheben.

Die Vereinsleitung und die Fußballanhänger machten sich auf die Suche nach, ein der Bodenbeschaffenheit und der Lage nach, günstigeres Terrain. Nach längerem Suchen fand man einen Ort: „In der Wäsche“ auf dem Thillenberg, in einem der Hüttengesellschaft HADIR gehörenden hügeligen Erzgelände. Nach der lobenswerten Einwilligung der Hütte machten sich die Sportler dann an die Arbeit.

3 Hügel von 4200 Kubikmeter Inhalt waren abzutragen und dienten zum Auffüllen der zwischen dem Terrain und der Erzbahn liegenden Senkung. Nach abgelaufener Arbeitszeit und sogar in der mittäglichen zweistündigen Ruhezeit machten sich einige unentwegte Sportler an die mühselige Arbeit. Die Anfangsarbeiten fielen in die heiße Sommerperiode des Jahres 1921 und es dauerte ganze 9 Monate, bis man das provisorisch fertig gestellte Feld am 24 Mai 1922 einweihen konnte.

Es war dann auch nicht verwunderlich dass, die gewünschte Form der Mannschaft ausblieb durch Mangel an Training, bedingt durch das unermüdliche Schaffen der meisten Spieler zur Herstellung ihres Spielplatzes. Der Lohn für die Bemühungen folgte dann aber 1923 und die Red-Boys wurden Meister. Im darauf folgenden Jahr gewannen sie sogar die „Coupe de Luxembourg“.

Das Spielfeld hatte zu dieser Zeit 93 Meter Länge und eine Breite von 58 Meter und es war mit einer provisorischen Bretterumzäunung umgeben und mit einer kleinen Naturtribüne ausgerüstet.

In den Jahren 1923 und 1924 folgten wieder schwere Arbeiten um das Spielfeld auf die Dimensionen von 108 auf 70 Meter zu erweitern. Wieder musste ein Hügel abgebaut werden und die Senkung aufgefüllt werden.

1925 waren dann endlich alle Arbeiten abgeschlossen und das Spielfeld, wie es auch heute noch glänzt, war fertig gestellt. Es entsprach allen Ansprüchen und war zu der Zeit eines der bequemsten und spielbarsten des Landes, in einer der schönsten und gesündesten Lage der Stadt Differdingen.

1926 fanden dann dort auch Länderspiele statt und lockten eine Zuschauermenge an, wie sie bei sportlichen Gelegenheiten in Luxemburg noch nie gesehen wurden. Wie z.B. bei dem Spiel Luxemburg gegen Frankreich (4:1) und als 1928 Luxemburg gegen Westdeutschland spielte (4:4), fanden sich auf dem Spielfeld 8000 Zuschauer zusammen.

Nie ruhte die Arbeit, denn ein Feld von solchen Ausmaßen und das eine solch ideale Einrichtung in sich schließt, bedarf, falls es dem Verfall nicht ausgesetzt werden soll, des täglichen Unterhalts. Und so zieht sich die Geschichte des Vereins mit seinem Spielfeld dem „Stade du Thillenberg“ durch eine schwere Zeit, die von Krieg und Krisis erschüttert wurde bis zu dem Jahre 2003, als die Red-Boys mit der „A.S. Differdingen“ zum „FCD03“ fusionierte. Weiterhin spielt der Fusionsverein erfolgreich bis heute auf dem „Red-Boys-Ground“.

Im Laufe der Zeit hat sich aber vieles verändert: Der damalige Aufschwung der Stahlindustrie, die heute ein weltverzweigtes Unternehmen ist, verwandelte unsere Gesellschaft in eine Dienstleistungsgesellschaft und die Bemühungen um den Erhalt des Spielfeldes nahmen drastisch ab.

Ein neues, teures Spielfeld wird in Oberkorn errichtet und wird durch einen „Private Public Partner“ während 30 Jahren unterhalten. So muss man nicht Hellseher sein, um zu erahnen dass der „Stade du Thillenberg“ aufgegeben wird und dort irgendwann eine Immobilie mit unbezahlbaren Kaufpreisen gedeihen wird.

Doch sind wir nicht Erbe dieses Spielfeldes und sind wir es unseren Vorgängern nicht schuldig für seinen Erhalt zu kämpfen? Sind wir nicht erkenntlich in unserer ganzen Vergangenheit, solange in unseren Adern ein letzter Tropfen Blut von unseren Vorfahren fließt? „Eist Minettsland, dat mär sou déif an eisen Häerzer dron!“(Guy Rewenig) Was für einen Bezug haben wir zu einer neuen uniformen und unpersönlichen Sportsanlage und wie lautet dann der zukünftige Name des Fusionsvereins? „PPP-Boys“ vielleicht.

Kein Sportsfeld erzählt mehr über die Fußballgeschichte und unsere kollektive industrielle Vergangenheit, als der „Stade du Thillenberg“.

Man muss sich mal fragen was es uns Wert ist, das Spielfeld zu erhalten und was uns davon übrig bleibt, wenn wir alles aufgeben. Die Fadenzieher und Verantwortlich sollen sich auch mal fragen ob sie es überhaupt selber wert sind, ein solches Kulturerbe einfach vergammeln zu lassen, um später irgendwelche Projekte zu erwirken, um Geld zu ernten und die Auslöschung unser Vergangenheit voranzutreiben.

Für die Verächter und Henker des Thillenbergs fällt mir ein passendes Zitat von Oscar Wilde ein: „Nowadays people know the price of everything and the value of nothing“ (Heute kennt man von allem den Preis und von nichts den Wert). 

Quellen: Heft 25 Joer Red-Boys

Differdingen, den 14.04.2011

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