Fondation CancerDer Einfluss von Pestiziden auf die Entstehung von Darmkrebs

Die Fondation Cancer unterstützt das Forschungsvorhaben

Im Rahmen der Forschungsförderung durch die Fondation Cancer haben Stiftungspräsident Dr. Carlo Bock und Direktorin Lucienne Thommes Herrn Professor Dr. Serge Haan von der Universität Luxemburg einen Scheck über 281.492 € überreicht. Ziel seines Forschungsvorhabens Effects of pesticides on the gut and their role in cancer development ist die Untersuchung der Bedeutung von Pestiziden für der Entstehung von Darmkrebs.

Pestizide sind Substanzen, die der Beseitigung als schädlich geltender Organismen dienen. Unter der Kategorie der Pestizide werden über 1000 unterschiedliche Substanzen subsumiert, die als Insektizide, Fungizide, Herbizide und Antiparasitika auf dem Markt sind. Bedingt durch den massiven Einsatz von Pestiziden in verschiedenen Bereichen ist der Mensch diesen toxischen Substanzen dauerhaft ausgesetzt, und es bedarf eines besseren Verständnisses ihrer Auswirkungen auf seine Gesundheit.

Es ist bereits bekannt, dass bestimmte Pestizide Auslöser bösartiger Zellveränderungen sein können. Seit einigen Jahren stehen unsere Ernährungsgewohnheiten sowie verschiedene Umweltfaktoren unter dem Verdacht, zur Entstehung von Krebs beizutragen. So könnten in Nahrungsmitteln enthaltene chemische Substanzen mit der Entstehung von Darmkrebs in Zusammenhang gebracht werden: Die in der Landwirtschaft eingesetzten Chlorpyrifos- und Aldicarb-Insektizide werden mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko assoziiert. Das unter dem Namen Roundup bekannte Glyphosat, ein in der Landwirtschaft massiv eingesetztes Herbizid, wurde von der Internationalen Agentur für Krebsforschung als „wahrscheinlich krebserregend" eingestuft. Ein weiteres Beispiel ist Dichlordiphenyltrichlorethan, bekannt als DDT, das bereits seit den 1970er-Jahren verboten ist, jedoch noch immer bei der Mehrzahl der getesteten Individuen nachgewiesen werden kann.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens soll insbesondere analysiert werden, welche Auswirkungen die Exposition des Menschen gegenüber den Insektiziden DDT, Fipronil, Chlorpyrifos, Permethrin und Endosulfan hat. Die Durchführung des Projekts erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Dr. Brice Appenzeller vom Luxembourg Institute of Health (LIH), der sich der Erforschung von Pestiziden und ihren Transformationsprodukten in biologischen Matrices (Flüssigkeiten, Gewebe, Haare) widmen wird. Dieser erste Abschnitt des Vorhabens wird unterstützt durch Fondatioun Kriibskrank Kanner.

Der zweite, von der Fondation Cancer geförderte Projektabschnitt gilt der Erforschung der Bedeutung von Pestiziden bei Darmkrebs. Dazu werden die Forscher die Exposition von an Darmkrebs erkrankten Patienten gegenüber Pestiziden untersuchen und dazu den Gehalt bestimmter Pestizide in Plasma, Gewebeproben und Haaren dieser Patient*innen bestimmten. Die von Dr. Appenzeller vorgenommenen Analysen liefern Informationen über eine vorangegangene Exposition sowie die aktuelle Konzentration von Pestiziden, denen die Patienten möglicherweise ausgesetzt waren. Die Konzentrationen der in den Tumoren festgestellten Pestizide können weiterhin mit den in Haaren und Blut ermittelten Pestizidwerten verglichen werden, um so das Verhältnis der in den verschiedenen Gewebearten festgestellten Konzentrationen zu ermitteln und den Transfer der Pestizide in die verschiedenen Gewebe und ihre fortschreitende Akkumulation nachzuvollziehen.

Gleichzeitig wird Professor Haan sich der Erforschung von durch Pestizide induzierten molekularen Mechanismen und Signalketten widmen. Die Forscher haben Kulturen von gesunden sowie Tumorzellen angelegt, aus denen sich in vitro „kleine Därme" züchten lassen, um daran die Wirkung von Pestiziden auf gesunde und entartete Epithelzellen zu untersuchen. Auf diesem Wege lässt sich der Einfluss von Pestiziden auf die Entstehung und das Fortschreiten von Darmkrebs erforschen. Ziel ist die Identifikation von Molekülen und Genen, die durch Pestizide verändert wurden. In der Folge können die Forscher versuchen, das Entstehen oder Fortschreiten von Krebs in diesen Molekülen zu verhindern oder zu verlangsamen.

Weiterhin soll ermittelt werden, inwieweit Pestizide für die Resistenz von Tumoren gegen bestimmte Therapien verantwortlich sind. Es ist zum Beispiel wahrscheinlich, dass Pestizide das Gleichgewicht verschiedener im Darm angesiedelter Bakterien (Mikrobiom) beeinflussen und damit die Wirksamkeit bestimmter Therapien wie etwa der Chemotherapie mindern.

Das Forschungsvorhaben soll zum besseren Verständnis der Bedeutung von Pestiziden für die Entstehung und das Fortschreiten von Darmkrebs beitragen.

Die Fondation Cancer, für Sie, mit Ihnen, dank Ihnen. 1994 in Luxemburg gegründet, setzt sich die Fondation Cancer seit über 20 Jahren im Kampf gegen den Krebs ein. Neben Informationen über Prävention, Früherkennung und Leben mit Krebs besteht eine ihrer Missionen darin, Patienten und ihre Angehörigen mit vielfältigen Angeboten zu unterstützen. Die Förderung von Forschungsprojekten rund um das Thema Krebs bildet eine weitere wichtige Säule der Arbeit der Fondation Cancer, die alljährlich das große Solidaritätsevent Relais pour la Vie veranstaltet. Die Missionen der Fondation Cancer können nur dank der Großzügigkeit ihrer Spender erfüllt werden. Wenn auch Sie die Forschung unterstützen möchten, können Sie Ihre Spende auf das Konto der Fondation Cancer überweisen: CCPL IBAN LU92 1111 0002 8288 0000 oder online unter www.cancer.lu.