Lieserbréif vum Patrick RiesDie Umwertung aller Werte

Dan Kersch ist zur Gouvernante geworden. Dieser Schluss liegt nahe, wenn man die Rede, die er kürzlich im Parlament über die Abschaffung der Kirchenfabriken gehalten hat, analysiert. Die Gouvernante, die hier gemeint ist, heißt Dante und ist eine Figur aus James Joyce' Roman Ein Porträt des Künstlers als junger Mann. Darin kommt der Erzähler Weihnachten nach Hause, nur um die erweiterte Verwandtschaft über Politik und Religion streiten zu hören (eine Situation, welche in Luxemburg derzeit geläufig sein dürfte). Dante nimmt dabei die Position der absoluten Verteidigerin der Kirche ein. Man müsse die „Kirchenfürsten“ um jeden Preis respektieren und es sei keine Kritik an ihnen möglich. Dante kennt nur eine einzige Verhaltensmöglichkeit gegenüber der Kirchenhierarchie: Kadavergehorsam.

So ähnlich klang jüngst nun also der Innenminister, als er mit Verve den Erzbischof von Luxemburg gegen jedwede Kritik in Schutz nahm. Dies ist umso erstaunlicher, als Dan Kersch als Sympathisant der umtriebigen AHA gilt und bis vor kurzem nicht durch Kirchentreue auffiel. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als seien alle Werte in ihr Gegenteil verkehrt, Atheisten verteidigen Bischöfe, Bischöfe respektieren nur noch Atheisten, beide sprechen ausschließlich mit den jeweils anderen.

Es scheint jedoch kaum wahrscheinlich, dass Minister Kersch seinen Gesinnungsgenossen von AHA die Kritik am Bistum verbieten will. Seine Herangehensweise ist deswegen aber nicht weniger perfide. Man muss wohl davon ausgehen, dass er lediglich den Katholiken dieses Landes die Kritik an ihrer Hierarchie untersagen will. Auch Dan Kerschs persönliche Werte hätten sich also geändert, wenn man von seinem Beitrag auf der Homepage von AHA ausgeht, der auf das Jahr 2012 datiert ist (nachzulesen unter: aha.lu/index.php/ueber-aha/vip-statements/14-ueber-aha/vip-statements/172-dan-kersch). In diesem Beitrag spricht Kersch von der Macht der Religionen, die es zu bekämpfen gelte, ohne dabei jedoch die einfachen Gläubigen zu bekriegen. Fakt ist jedoch: Minister Kersch hat dem Bischof von Luxemburg zu einer unverhofften Machtfülle verholfen und will neuerdings den einfachen Gläubigen den Mund verbieten.

Dan Kersch erinnert dabei noch an eine andere literarische Figur, eine weniger noble Version von Don Quijote. Wie der Ritter von der traurigen Gestalt kämpft er gegen seine persönlichen Windmühlen, die zu CSV-Partisanennestern hochstilisierten Kirchenfabriken. (Wer die Rolle des Sancho Panza einnimmt, das darf jeder für sich entscheiden.) Die Windmühlen sind zerstört, aber, siehe da, es waren nur Windmühlen, oder anders gesagt, die Kirchenfabriken waren tatsächlich nur Gruppierungen von engagierten Christen, die sich um ihre Kirchen kümmern wollten, sie waren nie der deep state der CSV, und auch keine Bremse für den gesellschaftlichen Fortschritt. Im Gegenteil, sie haben selbst nötige Reformen gefordert, unsinnige aber abgelehnt.

Fast jeder hat jetzt was er will, der Bischof nahezu unbegrenzte Macht, der Minister seinen Triumphzug, nur die Freiwilligen stehen im Regen und müssen sich fragen, ob sie nach solch einer Behandlung durch die Throne und Mächte dieser Welt noch weitermachen wollen. Aber wie heißt es im Magnificat: „Er stößt die Mächtigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.“

 

Patrick Ries


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