Lieserbréif vum Denise Bucciarelli Der alltägliche Wahnsinn im Luxemburger Krankensystem

An einem Sontag Anfang November:

Ich habe wahnsinnige Bauchschmerzen. Nachdem es einfach nicht besser wurde, fuhr mein Mann mich in die „Maison médicale“. Nach kurzer Wartezeit wurde ich in den Behandlungsraum gerufen, kurz untersucht und bekam eine Spritze gegen die Schmerzen. Mit einem Rezept für Säureblocker in der Hand dufte ich wieder nach Hause.

Mitte November am späten Abend wieder das gleiche Spiel. Zusätzlich bekam ich noch krampflösende Medikamente verschrieben.

Ich fand das Alles jedoch nicht normal, da ich mein ganzes Leben noch nie Probleme mit dem Magen oder Sodbrennen oder ähnliches hatte. Deshalb bemühte ich mich um einen Termin bei einem Gastroenterologen. Ich musste sogar „nur“ 4 Wochen auf die Untersuchung warten.

Mitte Dezember:

Der Arzt machte einen Ultraschall vom Bauch, fand jedoch nichts, woraufhin er mich noch zur Blutentnahme schickte und mir für Anfang Januar einen Termin für eine Magenspieglung gab.

Während den ganzen Wochen hatte ich jedoch dauernde Bauchschmerzen, mal mehr, mal weniger und die verschriebenen Medikamente halfen überhaupt nichts.

Anfang Januar:

Sehnsüchtig wartete ich auf den Termin zur Magenspieglung, mit der Hoffung auf Hilfe, da ich in der Zwischenzeit schon Angst hatte irgendetwas zu essen.

Resultat der Magenspieglung: chronische Gastritis.

Ich sollte weiterhin Säureblocker einnehmen, obwohl die überhaupt keine Wirkung zeigten. Ich habe nach einem weiteren Termin beim Spezialisten gefragt, woraufhin behauptet wurde, das sei nicht nötig, um alles weitere könnte sich auch der Hausarzt kümmern.

Am Dienstag, den 23. Januar wieder extreme Bauchschmerzen.

Nachdem ich mich zu Hause 4 Stunden lang vor Schmerzen gekrümmt habe, trotz aller zuvor verschriebener Medikamente, machten wir uns gegen 22:00 nochmals auf den Weg in die „Maison médicale“. Diesmal fand die junge Ärztin, dass solche Schmerzen für eine einfache Gastritis nun wirklich nicht normal seien und deshalb hat sie mich in die Notaufnahme geschickt. Da sie mir einen Brief mitgegeben hatte, musste ich auch nicht zu lange warten. Sogar da hatte ich an diesem Abend Glück und auch die Notärztin hat sich über meine starke Schmerzen gewundert. Nachdem ich Medikamente zur Schmerzbekämpfung bekommen habe, ging es dann ab zum Scanner. Bei der Untersuchung kam heraus, dass irgendetwas mit meiner Gallenblase nicht stimmt und ich sofort stationär aufgenommen werden müsste. Mittlerweile war es 3 Uhr nachts und noch niemand hatte meinen Mann informiert. Wenn ich mich nicht gewehrt hätte, hätten sie mich auch auf Station gebracht und meinen Mann weiterhin ohne irgendwelche Infos im Wartezimmer sitzen lassen.

Ich sollte am Mittwoch notoperiert werden, vorher müsste jedoch noch ein Ultraschall gemacht werden. Wie vor einer OP üblich, bekam ich alles weder was zu essen, noch zu trinken. Die Stunden vergingen und nichts geschah. Wenigstens bekam ich nach einigen Stunden eine Infusion gegen den Durst. Um 18:00 wurde dann endlich ein Ultraschall gemacht, bei dem festgestellt wurde, dass die ganze!!! Gallenblase voller Steine sei und auch schon massiv entzündet war.

Also kamen meine wochenlangen Bauchschmerzen nicht von einer Gastritis, sondern waren Gallenkolliken.

Da es nun jedoch zu spät für eine OP war, durfte ich wenigstens ein wenig trinken, jedoch noch immer nichts essen, da ich ja am nächsten Tag operiert werden sollte. Zwischenzeitlich kamen jedoch noch andere Probleme hinzu.

Ich bin seit Jahren chronische Schmerzpatientin und nehme seit 5 Jahren Morphium gegen die Schmerzen. Diese Medikamente hat man mir jedoch im Krankenhaus nicht gegeben, angeblich wegen der anstehenden OP. Natürlich habe ich nach so langer Zeit Entzugserscheinungen bekommen. Der Anästhesist teilte mir mit, dass ich das Morphium natürlich bekommen müsste und hat noch extra auf Station angerufen um dem Personal mitzuteilen, dass solche Medikamente auf keinen Fall absetzen werden dürfen. Leider hat niemand es für nötig befunden, das in den Computer eingegeben, so dass ich am Donnerstag Morgen noch immer sowohl mit meinen Entzugserscheinungen, wie mit meinen Bauchschmerzen, meinem Hunger und meinem Durst allein gelassen wurde. Es wird ja nur das gemacht, was im Computer steht.

Gegen 16:00 wurde ich dann endlich für die OP abgeholt.

Beruhigungsmedikamente vor der OP gibt es auch keine mehr. Der Patient bekommt alles mit, wird im OP auf die Liege geschnallt, dann bereitet der Arzt und das Personal sich vor und der Patient liegt da, ohne dass jemand sich für ihn interessiert.

Ach ja, ich habe vergessen, man ist ja nicht Mensch, sondern nur eine Krankheit.

Am schlimmsten fand ich, dass der Arzt als letztes vor der Narkose mir noch „erklärt“ hat, dass er während der OP mit einem kleinen Röntgengerät die Gallengänge kontrollieren müsste, da meine Leberwerte schlecht seien, was darauf hindeutet, dass mindestens ein Stein sich in der Leber festgesetzt hätte, was dort zu einer Entzündung geführt hätte. Das sei weiter nicht dramatisch, aber es könnte ja auch sein, dass noch ein anderer Stein zur Bauchspeicheldrüse gewandert sei und eine Entzündung dort, sei in den meisten Fällen tödlich. Das ist dann das Letzte, was man vor dem Einschlafen zu hören bekommt und dann wundern sie sich, wenn man beim Erwachen panikiert, um sich schlägt und versucht weg zu laufen.

Müssen Ärzte nicht wenigsten ein Minimum an psychologischen Kenntnissen haben?  

Gott sei Dank hatte ich Glück und die Steine in der Leber konnten entfernt werden. Leider musste ich jedoch länger im Krankenhaus bleiben, da ich warten musste bis die Leberwerte sich wieder normalisiert haben.

Ich war immer der Meinung, dass ein Patient sich im Krankenhaus von einer Erkrankung oder einer Operation erholen soll. Ich war in den letzten Jahren schon oft im Krankenhaus und Gott sei Dank nur 2 Mal in Luxemburg, denn in Deutschland und in der Schweiz stimmt das mit der Erholung auch. Hier im Land jedoch nicht. Von morgens 5:30 bis abends 22:00 ist permanent Chaos, Krach, Geschrei, Gelächter, Gepolter usw. auf der Station. Zwischendurch mal schlafen ist unmöglich. Respekt vor dem Patienten scheint hier ein Fremdwort zu sein. Und sogar nachts ist es unmöglich zu schlafen. Zu den unmöglichsten Zeiten kommt jemand ins Zimmer gepoltert, schaltet die Deckenlampen an, kontrolliert irgendwas oder fragt auch einfach  nur ob alles in Ordnung ist. UNMÖGLICH SO WAS! Auch im Ausland wurde nachts kontrolliert ob es dem Patienten gut geht, jedoch wurde dort die Türe leise geöffnet, das Personal hatte eine Taschenlampe und gab sich Mühe, damit niemand wach wurde. Erholung ist in unseren Krankenhäusern so auf jeden Fall nicht möglich.

Natürlich habe ich auch bei dem Gastroenterologen, der mich im Dezember untersucht hatte, nachgefragt, wie es möglich sei, dass er die Gallensteine nicht gesehen hatte, denn so viele bilden sich nicht innerhalb von 4 Wochen. Seine verschiedenen Erklärungsversuche:

  1. Versuch:

Es war bestimmt nur Sand, den sieht man schlecht.

Nein, war es nicht. Der Chirurg hat mir die Steine nach der OP in einem Behälter mitgegeben und sie waren doch schon ziemlich groß.

  1. Versuch:

Sie lagen bei der Untersuchung auf dem Rücken, manchmal muss man den Patienten auf den Bauch legen, damit man die Steine sieht.

Wieso hat er das denn nicht gemacht? Ausserdem hat der Röntgenarzt im Krankenhaus, sie sofort gesehen und da lag ich auch auf dem Rücken.

  1. Versuch:

Dann haben die Steine sich bei meiner Untersuchung hinter einer Darmschlinge versteckt. Hahaha, verarschen kann ich mich alleine.

 

Armes reiches Luxemburg, aber hauptsächlich die CNS macht Millionen Bonus. Man muss ja schon Angst haben krank zu werden und notfallmässig ins Krankenhaus zu kommen. Freiwillig werde ich in kein luxemburger Krankenhaus mehr gehen.

 

Denise Bucciarelli



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