Lieserbréif vum Tom ManderscheidOffener Brief an Herrn Pizzaferri...

..., Präsident der „Patientevertriedung“

Sehr geehrter Herr Pizzaferri,

Sie schreiben in Ihrer Stellungnahme zum Krankenhausgesetz, Sie seien gegen mehr Mitbestimmung der Ärzte im Krankenhaus. Die Krankenhäuser würden den Ärzten „gracieusement“ zur Verfügung gestellt, weshalb Sie sich gegen ein Mitspracherecht der Ärzte aussprechen. Es ist Ihr gutes Recht sich und Ihre Organisation als Vertreter der Patienten zu sehen. Sie sind aber nicht die einzigen die dies tun.

Ich habe Medizin studiert, eine Facharztausbildung und eine Zusatzbezeichnung absolviert. In dieser Zeit und in meinem Berufsleben habe ich mir nicht nur Fachwissen angeeignet, Techniken erlernt und Prozeduren. Ich habe vor allem gelernt mein Wissen im Sinne meiner Patienten anzuwenden. 

Jede einzelne Handlung und Entscheidung die ich beruflich tätige, tue ich im Hinblick auf das Wohl meiner Patienten. Ich habe gelernt jede einzelne meiner Interventionen am Bedarf der Patienten zu orientieren, abzuschätzen ob eine Aktion im Sinne des Patienten ist oder ob es bessere Alternativen gibt, gelernt mich mit Maßnahmen auch zurückzuhalten, wenn sie nicht sinnvoll erscheinen. Ich arbeite am Tag, in der Nacht, im Krankenhaus und auch, bei jedem Wetter, draußen.

Jeden einzelnen Augenblick entscheide ich welche Maßnahmen, Verfahren und Verordnungen wie durchzuführen sind, so dass der Patient Nutzen davon hat und ihm kein Schaden entsteht.

Ich überlege auch wie ich am schnellsten zu meinen Notfallpatienten komme, wie ich sie am schonendsten transportiere, wo sie am besten hingebracht werden. Regelmäßig muss ich schwierige Entscheidungen in ganz kurzer Zeit nehmen, ohne alle wichtigen Informationen bei Hand zu haben. Manchmal arbeite ich unter sehr schweren und gefährlichen Bedingungen. Aber niemals vergesse ich wieso ich meine Arbeit tätige: um Patienten zu helfen, ihnen eine Chance zu geben weiter zu leben, einen Eingriff schmerzfrei zu überstehen, eine Krankheit zu bezwingen oder in Würde zu sterben.

Ich achte bei jedem meiner Patienten auf Wahrung seiner medizinischen sowie auch seiner menschlichen Interessen wie Komfort, Datenschutz, Privatsphäre und vieles anderes mehr. 

Ich habe im Laufe der Zeit ungefähr 15000 Patienten durch medizinische Eingriffe begleitet, fast 2000 Notarzteinsätze geleitet. Jedes Jahr betreuen meine Kollegen und ich hunderte Intensivpatienten. Bisher hatte ich noch keine Rechtstreitigkeiten. Ihr Verein, die Patientenvertretung, betreut die Patienten die der Meinung sind Probleme mit ihrer medizinischen Versorgung zu haben. Ich denke, dass dies einen insgesamt sehr kleinen Teil aller in Luxemburg durchgeführten Behandlungen, Untersuchungen und Operationen betrifft. 

Da ich mit Sicherheit davon ausgehen kann, dass die allermeisten Kollegen genau so denken und handeln wie ich, d.h. im Sinne des Patienten, bin ich der festen Überzeugung, dass, nach dem Patienten selbst, sein Arzt der Hauptvertreter der Interessen des Patienten ist, weitaus öfters als Sie zu glauben scheinen, und deutlich besser als Sie es immer wieder ausdrücken.

Aus all diesen Gründen ist es mir ein großes Anliegen, dass die Ärzteschaft generell mehr Mitspracherecht bei der Verwaltung der luxemburgischen Krankenhäuser erhält.

Das geplante Krankenhausgesetz - Ihre Organisation hat sich ja auch mehrfach darüber geäußert - sieht aber genau dies nicht vor. Die Ärzteschaft soll keine einzige neue Möglichkeit der Mitsprache bekommen, ihr schärfstes Instrument soll der leicht zu übergehende „avis renforcé“ des Ärzterats des Spitals bleiben. 

Der Generaldirektor soll Ärzte einstellen können, obwohl ich nicht sehe wie ein Generaldirektor die nötige Kompetenz hierzu überhaupt besitzen kann. Bisher haben die Fachärzte eines Fachs gemeinsam einen passenden und kompetenten Kollegen gesucht, der dann vom Aufsichtsrat ernannt worden ist. Dieses Verfahren hat sich bewährt, da die Fachärzte am besten wissen was und wen sie brauchen. Es gibt keinen Grund daran etwas zu ändern.

Ärzte müssen ebenfalls ein richtiges Mitspracherecht bekommen in Bezug auf die zu benutzenden medizinischen Produkte (z.B. Prothesen) denn sie und nicht das Krankenhaus haften für diesbezügliche Probleme.

Sie und Ihre Organisation wollen mitreden dort wo eine Mitsprache der Patienten in verschiedenen Gremien vorgesehen ist. Wir Ärzte wollen nicht mehr und nicht weniger, weil es unser Anliegen ist, die bestmögliche Medizin unter den bestmöglichen Bedingungen im Sinne der Patienten zu betreiben.

Sie behaupten, den Ärzten werde „gracieusement“ die Einrichtung und das Personal der Krankenhäuser zu Verfügung gestellt. Aber die Patienten kommen ins Krankenhaus, weil sie dort medizinisch versorgt werden wollen, dazu braucht es nun mal auch Ärzte, Ärzte von denen einige das Krankenhaus nicht brauchen um ihren Beruf auszuüben. Eine Klinik kann einen 24-Stunden-Dienst für die Patienten nur anbieten, weil die Fachärzte unentgeltlich dienst- und abrufbereit sind. Sie können sich ausrechnen welche Kosten diese Bereitschaftsdienste verursachen könnten. 2016 habe ich 741 unentgeltliche Dienststunden geleistet, in einem selbstauferlegtem engen Radius um das Krankenhaus, damit zu jeder Zeit Notfälle zeitgerecht behandeln werden können. Für unsere gemeinsame Zielgruppe: den Patienten. 

Die Ärzte verursachen keine Kosten, es sind die Patienten die medizinische Leistungen in Anspruch nehmen. Die Kosten des Spitals werden von der Gesellschaft finanziert, also auch von den Ärzten und ihren vielen Angestellten und wenn es hier zu Engpässen kommen würde, muss sich das Krankenhaus bei seinem Geldgeber um eine Budgetneuverhandlung bemühen, ein Budget das nicht nur einige, sondern alle Partner betrifft.

Den Gründervätern Ihrer Organisation ging es darum alle Maßnahmen zu unterstützen, die der Information, Repräsentation und Verteidigung der Patienteninteressen dienen. Ich denke nicht, dass Ihre jetzige Haltung den Ärzten gegenüber in diesem Sinne ist...

Mit freundlichen Grüßen,

Tom Manderscheid

Facharzt

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