Lieserbréif vum Claude A. HemmerWeniger Reiche, ergo weniger Arme

So lautet, kurz gefasst, die Antwort von Minister Bausch auf die Journal Sommerinterviewfrage „Was würden Sie ändern, wenn Sie der reichste Mann der Welt wären.“ Mit dieser Antwort gewinnt er sicherlich viel Zustimmung und Sympathie ergo auch Wähler. In diesem Falle stimmt auch das Kausalzusammenhang ausdrückende „ergo“; im Falle von „weniger Reiche ergo weniger Arme“ absolut nicht. Hätte er sich lediglich, zwar weniger spektakulär, „weniger Arme“ gewünscht, hätte ich mich seinem Wunsche gerne angeschlossen. Gar nicht einverstanden bin ich mit der implizit vorgeschlagenen Methode der (erzwungenen) Umverteilung. Sie ergibt sich wahrscheinlich aus der irrigen Annahme, dass die Armen arm sind weil die Reichen reich sind oder weil es überhaupt Reiche gibt. Es gilt daher, so wollen Bausch und Etatisten aller Parteien glauben tun, den Reichtum besser zu verteilen, d.h. umzuverteilen.

Verteilen kann man nur was vorher geschaffen wurde. So gut die Politik im Verteilen zu sein vorgibt, so schlecht steht es um die Schaffung von Reichtum durch Politik und Bürokratie.

Immerhin war Armut über viele Jahrhunderte der natürliche Zustand der Menschheit und ist es zum Teil heute noch. Wie entstehen also der angeblich zu verteilende Reichtum und der Massenwohlstand? Ein Blick in die Geschichte zeigt: Der präzedenzlose  Massenwohlstand kam durch den Kapitalismus zustande, durch Arbeitsteilung, Marktwirtschaft, freies Unternehmertum, freier Handel, (staatlich garantierte) Rechtssicherheit und, vor allem, durch die Sicherung von Eigentumsrechten. Nur so können unternehmerisches Handeln und technischer Fortschritt sich entfalten, Reichtum und Wohlstand schaffen.  Je stärker diese Komponenten des Kapitalismus entwickelt sind, desto stärker die Wohlstandsmehrung. In einer freien Wirtschaft, in der Nachfrager am Markt – und nicht die Politik oder von ihr gestützte Monopole – das Sagen haben, kann nur reicher werden, wer auch andere bereichert. Der Unternehmer stiehlt den Arbeitnehmern nicht – wie Marx behauptete – den Mehrwert ihrer Arbeit, sondern er schafft einen Mehrwert an dem die Arbeitnehmer in Form der Löhne teilhaben. Es sind also nicht Regierungen oder die Politik, die auf dem freien Markt eine Kultur der Arbeit schaffen, sondern innovative Unternehmer und risikobereite Investoren, kurz: die vielfach geschmähten Kapitalisten.

Eine Gesellschaft, die die Armut als ein Verteilungsproblem sieht, produziert die Armut. Das Mittel, den Armen zu helfen, besteht also nicht darin, die Reichen arm zu machen, sondern den Armen zu erlauben, dass sie für sich selber produktiv werden können ohne durch staatliche Maßnahmen und Regulierungen daran ge- oder behindert zu werden. Leider trifft Letzteres allzu oft zu. Wir sind weit vom Idealbild von Kapitalismus, Marktwirtschaft und freiem Handel entfernt. Der Ökonom Roland Baader spricht mit Blick auf westliche Wohlfahrtstaaten treffend von halb- oder dreiviertel-sozialistischen Systemen. Ein zumindest halbsozialistisches Bildungs-,Gesundheits- und Rentenwesen, viertelsozialistische Arbeits-, Agrar-,Energie- und Wohnungsmärkte. Und nicht zu vergessen: Wir haben – wie alle anderen Länder der Neuzeit – staatliches Papiergeld also sozialistisches Geld.

Trotzdem hat der so gehandikapte und amputierte Kapitalismus einiges aufzuweisen in punkto Armutsbekämpfung: So zeigen die Statistiken der Weltbank z.B. dass die „worldwide extreme poverty rate“ von 35% im Jahre 1990 auf 10% im Jahre 2013 gefallen ist, dies trotz massivem Bevölkerungswachstum. Zwischen  2001 und 2011 entkamen 669 Millionen Menschen der absoluten Armut (2 $ pro Tag), davon drangen 386 Millionen in die Gruppe der mittleren Einkommen (10- 20$) vor. In dieser Gruppe beginnen die Betroffenen in die Zukunft ihrer  Kinder zu investieren, Ausbildung, Gesundheitsversorgung usw. und dies, damit sie weiterkommen und nicht zurückfallen.

Etwas mehr Kapitalismus und weniger Etatismus würden das Problem Armut einer Lösung wahrscheinlich noch entschieden näher bringen.

Treffen die Statistiken z.B. von Oxfam zu, so sind es weltweit 70 Millionen Personen (das vielzitierte reichste Prozent in puncto Vermögen) die dem Großteil der restlichen 99 Prozent Arbeit,  Einkommen und Konsum ermöglichen – kein Skandal „sozialer Ungerechtigkeit“ - sondern ein historisch beispielloses System der Wohlstandserzeugung, ein Prozess zudem, der, je mehr er fortschreitet, die Vermögensbildung breiterer Schichten ermöglicht.*

 Gérard Bökenkamp bringt es auf den Punkt: „Der Reichtum der einen ist der Wohlstand der anderen“ oder wem dies zu simpel oder zu radikal scheint, das Fazit von Mario Vargas Llosa: „ Die Armut, in der weltweit immer noch hunderte Millionen leben ist kein unabänderliches Schicksal, sondern ein Übel das mit Hilfe der Waffen bekämpft und besiegt werden kann, die in der folgenden aus vier Worten bestehenden Devise zusammengefasst sind: Arbeit, Privateigentum, Markt und Freiheit.“

                                                                                                                              claude a. hemmer

 

*vgl: Martin Rhonheimer in „Welche Wirtschaft tötet“ http://austrian-institute.org


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