Lieserbréif vum Jos ScheuerDie Springprozession und der Respekt vor dem Weltkulturerbe

Am 22. Dezember 2005 hat die Abgeordnetenkammer eine Konvention mit der UNESCO gutgeheißen, in der die Echternacher Springprozession auf die Liste der immateriellen Weltkulturgüter aufgenommen wurde.

Alle Abgeordneten waren sich einig über die Verpflichtungen, die sich das Land damit zur Pflege dieses Kulturerbes auferlegte. Sie lassen sich in dem einfachen Satz zusammenfassen: Es darf dem Weltkulturerbe nicht geschadet werden, dieses muss geschützt und gehegt werden.

Es herrschte Einigkeit bei den Abgeordneten;  kontroverse Debatten wurden keine geführt; das Votum von „Klerikalen“ und „Antiklerikalen“ war einstimmig: Das Land Luxemburg kann stolz sein, ein immaterielles Weltkulturgut zu besitzen, dessen Wurzeln übers Mittelalter hinaus bis tief in heidnische Zeiten reichen.

Kein Abgeordneter im Hohen Hause dachte auch damals daran, dass der freie Pfingstdienstag für die Schulen durch staatliches Dekret gestrichen würde. 2013/2014, hat Unterrichtsministerin Mady Delvaux den Pfingstdienstag als freien Tag in den Schulkalender eintragen lassen, was bedeutete, dass alle fünf Jahre 4 Schulstunden ausfallen würden. Kein Abgeordneter hat sich beim Votum daran gestört. Ein immaterielles Weltkulturerbe wurde von allen nämlich als Ehre für Luxemburg und als Würdigung des hohen Aufwandes beim Erstellen des sehr anspruchsvollen Dossiers empfunden.

Nun ist der freie Pfingstdienstag aus dem Schulferienkalender gestrichen worden durch einen Akt, der wie politische Kraftmeierei anmutet. Dies wird im Jahre 2019 zu einem einschneidenden Rückgang der Teilnehmerzahlen, der Springer, der Musikgruppen, der Zuschauer führen. Das Beschneiden einer Tradition, eines Rituals, läuft ganz sicher auf ein schleichendes Absterben hinaus. Förderung war versprochen, Behinderung wurde dekretiert.

Man mag nun die Springprozession als religiöse Manifestation sehen oder auch als in der Tradition verankerte Folklore, Fakt ist, dass sie durch ihr einmaliges Ritual, durch ihre Verankerung in der Kulturgeschichte unseres Landes und über dessen Grenzen hinaus, der Stadt Echternach und auch dem Lande eine immense, dauerhafte Notorietät sichert. Politisch tiefgreifende Krisen haben sie nicht ausradieren können. Die erste Springprozession nach der Befreiung wurde in den Trümmern der Stadt Echternach zu einer der markantesten Demonstration der luxemburgischen Identität. Auch dies ist tief im kollektiven Gedächtnis verankert. Es sieht nun so aus, als werde die Echternacher Springprozession geopfert auf dem ideologischen Altar der Trennung von Kirche und Staat. Diese ist doch vollzogen und es wäre ein Armutszeugnis für die Politik, wenn vor diesem Hintergrund der Fortbestand eines Weltkulturerbes kompromittiert würde. Was tun?

Erstens: Die Regierung soll einen „ Tag des Luxemburgischen Weltkulturerbes“ festlegen und an diesem Tag die „geadelten“ Kulturgüter des Luxemburger Landes ins Rampenlicht  rücken und zwar die historischen Teile der Stadt Luxemburg, die Ausstellung „Family of Man“ in Clerf, die Springprozession von Echternach und demnächst, mit großer Wahrscheinlichkeit, die Naturdenkmäler  Müllerthal und die Industriebrachen im Süden des Landes.

Zweitens:  Der Pfingstdienstag soll, unabhängig vom Zeitraum der Pfingstferien, zum generell schulfreien Tag erklärt werden. Der schulfreue Pfingstdienstag soll nicht nur einen wichtigen Beitrag zum langfristigen Überleben der Springprozession liefern, sondern auch einen von der Regierung gewünschten und getragenen Zeitrahmen abgeben für das Herausstellen des gesamten Weltkulturerbes in Luxemburg.

Jos Scheuer

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