Lieserbréif vum Frank BertemesZu Asche, zu Staub…

(…) „ Denn Staub bist du, und zum Staub kehrst du zurück.“ 1.Mose 3,19

 

Oder auch: Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zum Staube – um bei der christlichen Fachliteratur und Pflichtlektüre aller Christen zu  bleiben,  die allerdings im Sinne dieses Artikels durchaus absichtlich zweckentfremdet zu lesen ist, versteht sich. Es fährt alles an einen Ort; es ist alles von Staub gemacht und wird wieder zu Staub. Irgendwann. Unweigerlich…

Oder noch, um den gezielt gewählten metaphorischen Charakter dieser einleitenden Bibelzitate in den eigentlich beabsichtigten weltlichen , sprich  realpolitischen Kontext zu setzen,  vielleicht doch eher wie folgt:

Zu Asche, zu Staub, dem Licht geraubt. Doch noch nicht jetzt.“ Nein, bitte noch nicht, bloß (noch) nicht jetzt! Wie einige aufschreien werden…Es schien doch gerade aufwärts zu gehen. Es lag Flirren in der Luft und Glitzer, überall lugten Menschen aus ihren Schlupflöchern und fragten sich, ob es endlich wieder möglich wäre zu leben… Um was geht es? Nun, so mancher wird das an dieser Stelle benutzte Bild des Chansons der aktuellen Fernsehserie „Babylon Berlin“ und dessen Text längst schon erkannt haben, eine Textpassage, die der Schreiber dieser Zeilen sich in den aktuellen Zusammenhang der doch sehr überraschenden, für einige sogar schockierenden definitiven Resultate der kürzlich in unserem Marienlande stattgefundenen Wahlen zu setzen erlaubt. Und dieser Liedtext visiert sehr gezielt unsere doch längst nicht mehr so allesbeherrschende Partei mit dem „hoh(l)en C“, die offensichtlich absolut  nicht so unverzichtbar in der politischen Landschaft zu sein scheint, wie es sich ihre (arg gebeutelte) Führungselite in ihrer Überheblichkeit so vorzustellen beliebte. Eine Partei, in der man sich ob (wie so oft) so eben doch nicht zutreffender Umfragewerte bereits die Ministerien, respektive Posten und Pöstchen im Neuaufbau des kurz unterbrochenen CSV-Staates voreilig zuteilte  …und dann? Das böse Erwachen, der absolute Wahl-Super-Gau für die nationale C-Partei, meint das bittere, ernüchternde Endresultat der periodischen Veranstaltung mit höchstem Polit-Unterhaltungswert mit allerdings todernstem Inhalt, des Wahltages…CSV – der Anfang vom Ende? Die richtungsweisende (Ab-)Wahl der während gefühlt ewigen Zeiten politisch führenden christlichen „Staatspartei“ als „ewige“ Regierungspartei? Es ging allerdings die letzten fünf Jahre sehr wohl bestens ohne sie  – und vermisst hat sie eigentlich niemand. Anständige Oppositionsarbeit war nicht festzustellen und …ach  ja der große „Plan“ , den man so vorgab, gab es nur in der Einzahl: die schnelle, bedingungslose Rückkehr an die Macht!  Die christliche Volkspartei, die nach dem Debakel des Jahres 2013 ein politisches Inferno erlebte, das es heuer zu korrigieren galt, als die nun eigentlich vom Wahlvolk bestätigte rot-blau-grüne  Dreierregierung die Macht im bis damals durchorganisierten CSV-Staat übernahm – für die politisch Klerikalen ein Debakel in mehreren Akten.

Zu Asche, zu Staub, dem Licht geraubt, doch noch nicht jetzt.  Wunder warten bis zuletzt. Ozean der Zeit, ewiges Gesetz, zu Asche, zu Staub. Zu Asche - doch noch nicht jetzt. So weiter im Text des Chansons. Zurück ans Licht! Es schien (für die CSV) doch gerade erst aufwärts zu gehen, wie einleitend bemerkt. Aufwärts? Das wäre schon untertrieben, sah man sich ob mehr als deutlichen Politumfragen, die allerdings mitnichten richtig waren, doch (wieder) im Zenit der höchsten politischen Aufgabe, meint in Regierungsverantwortung! Oder hat die in diesen Zeilen visierte quasi staatstragende CSV ihren politischen Zenit etwa doch längst überschritten? Ist ihre Zeit abgelaufen? Ob ihrer in den letzten fünf Jahren von niemandem vermisste Regierungsabwesenheit? Ist das Ende dieser Volkspartei tatsächlich eingeleitet?

Das C in der Politik. Das christliche Menschenbild, das für die „C“- Parteien grundlegende Orientierung des politischen Handelns ist bzw. sein sollte. Das „richtige“ Verhältnis der Christen zur Welt und zur Politik muss gemäß dialektischem Prinzip, so gewisse Polittheoretiker dieser Richtung, zwischen den Extremen liegen. Oder auch, wie so einige ihrer Protagonisten vorgeben, soll das christliche Menschenbild als „Kompass“ dienen, auch die künftigen Herausforderungen zu meistern. Aus diesem Menschenbild leiten die christlichen Parteien ebenfalls ab, (Zitat) „was die Würde des Menschen ist, geboren und ungeboren, gesund, krank oder sterbend“. Als Wertefundament werden Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit genannt, die das Gesellschaftsmodell der sozialen Marktwirtschaft prägten. Im Sinne der sozialen Marktwirtschaft (die man auf einmal wiederentdeckt hat) müsse auch die Finanzwirtschaft (man lese und staune) „Dienerin der Menschlichkeit“ sein. Auch für die Wirtschaft müsse gelten: „Im Zweifel für den Menschen“. Alles schön und gut, darf man einräumen, nur: das realpolitische Handeln der C-Parteien europaweit sieht nun einmal anders aus. Es gilt die neoliberale Wirtschaftsweise, die eben auch die christlichen Werte in real zweckentfremdete, von „sozialer Marktwirtschaft“ blieb in der Tat immer  weniger übrig. Muss man sich deshalb wundern? Das vereinigte politisch mündige Wahlvolk sieht deutlich andere Wege, die zu beschreiten durchaus bestens ohne die CSV möglich sein wird, so wie es auch die letzten fünf Jahre bereits war – ohne allerdings zu vergessen, dass durchaus noch so einiges zu erledigen sein wird, Aufgaben, die diese progressive, zukunftsorientierte, sozial-ökologisch verantwortliche Regierung, die sich sicherlich auch die nächsten fünf Jahre aus DP, LSAP und „déi Gréng“ zusammensetzen wird , auch dezidiert erfüllen wird. Davon darf man absolut überzeugt ausgehen!

Zu Asche, zu Staub…In diese Richtung gibt es allerdings eine Entwicklung, die nicht nur in den Wahlresultaten hierzulande festzustellen ist, nämlich jene des Unterganges, des wahltechnischen Fiaskos, des Reinfalls der Volksparteien. Volkspartei? Alles passé? Und das gilt besonders für die prägenden Zeiten der Sozial – und Christdemokraten als die führenden Volksparteien, die heuer immer mehr der intelligent aufgebauten politischen Kraft der Grünen unterlegen sind: Grün frisst rot und schwarz! Die Grünen – nicht nur als Partei der Stunde, sondern auch der Zukunft? Wenn sie allerdings auch zur „Volkspartei“ werden wollen, die von jedem wählbar sein soll, dann wird der (heuer wirklich obsolete?) Begriff der „Volkspartei“  dann unweigerlich neu, anders zu definieren sein.

Nun, wir werden seh’n…
Du triffst nun deine Wahl
und wirfst uns zwischen Glück und Qual
doch kann ich dir verzeih'n

Du bist dem Tod so nah
und doch dein Blick so klar
erkenne mich
ich bin bereit
und such mir die Unsterblichkeit!

(Zitate aus dem Chanson: Zu Asche, zu Staub  ( Sängerin: Severija Janusauskaite)

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