Russland stark unter Druck: WADA im Besitz von Datenbank des Moskauer Labors

WADA erhält neues Beweismaterial in Russlands Dopingfall© SID

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hat möglicherweise das entscheidende Puzzleteil für den Nachweis eines staatlich gelenkten Dopingsystems in Russland erhalten. Wie die WADA am Freitag mitteilte, sei das hauseigene Ermittlerteam in Besitz des so genannten Laboratory Information Management Systems (LIMS) des Moskauer Dopinglabors gelangt. Die Datensammlung enthält nach WADA-Angaben alle Doping-Testdaten zwischen Januar 2012 und August 2015. Während dieses Zeitraums sollen in Russland tausendfach Dopingfälle vertuscht worden sein.

Die zuständige russische Ermittlungskommission hatte am Mittwoch alle Vorwürfe des Staatsdopings für widerlegt erklärt. Die WADA teilte dagegen am Freitag mit, dass das neue Datenmaterial und die Querverweise zu den Erkenntnissen des unabhängigen Sonderermittlers Richard McLaren "die Beweisbasis der WADA gestärkt" habe.

Woher die WADA die Daten erhalten hat, sagte sie nicht. Nach Informationen der New York Times stammen sie von einem Whistleblower, der aktiv wurde, nachdem die russische Seite die Herausgabe verweigert hatte.

McLaren hatte in zwei Berichten festgestellt, dass von einem staatlich gelenkten Dopingsystem in Russland zwischen 2011 und 2015 mehr als 1000 Athleten profitiert hätten. Auch auf dieser Basis verhängte das Internationale Olympische Komitee IOC in den vergangenen Tagen gegen erste russische Sportler lebenslange Olympia-Sperren. Verhandlungen gegen 21 weitere russische Athleten laufen noch.

Auf einer Sitzung zwischen dem 5. und 7. Dezember will die IOC-Exekutive eine übergreifende Strafe gegen Russland aussprechen. Die neuen Daten, die laut WADA die beiden Russland-Kommissionen des IOC bereits erhalten haben, könnten härtere Maßnahmen gegen die Russen rechtfertigen.

"Die WADA steht weiterhin fest hinter den Ergebnissen der unabhängigen McLaren-Untersuchung", sagte Craig Reedie, Präsident der WADA: "Diese neue Nachricht dient dazu, unsere Forderung an die russischen Behörden zu bekräftigen, dass auch sie die Ergebnisse öffentlich anerkennen. Damit können wir alle Fortschritte beim Wiederaufbau des öffentlichen Vertrauens in den russischen Sport machen."

Die WADA-Exekutive will in der kommenden Woche entscheiden, ob die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA wieder anerkannt wird. In ihrer Mitteilung am Freitag betonte die oberste Anti-Doping-Behörde, dass nun mehr denn je zwei Voraussetzungen dafür gelten würden: Die Anti-Doping-Verantwortlichen in Russland müssten McLarens Ergebnisse anerkennen und die Regierung müsse uneingeschränkten Zugang zu sämtlichen Dopingproben und Daten, die im Moskauer Labor lagern, ermöglichen.