Manche Brustkrebsarten (70 bis 80 %) werden als hormonsensibel beschrieben. Das bedeutet, dass die weiblichen Sexualhormone (Östrogen, Progesteron), die auf natürliche Weise vom Organismus gebildet werden, für das Wachstum der Krebszellen eine Rolle spielen.

Mithilfe der histopathologischen Analyse eines Tumorfragments kann abgeklärt werden, ob Östrogen- bzw. Progesteronrezeptoren vorhanden sind oder nicht. Die Hormontherapie wirkt nur bei Tumoren, die Östrogenrezeptoren (ER+) bzw. Progesteronrezeptoren (PR+) aufweisen.

Damit keine falschen Vorstellungen entstehen, weisen wir darauf hin, dass es sich bei der Hormontherapie in diesem Fall nicht um eine Behandlung auf Hormonbasis handelt, sondern um ein Verfahren, das die Wirkung der weiblichen Sexualhormone (Östrogen und Progesteron) unterdrücken soll.

Was versteht man unter Hormontherapie?

Die Hormontherapie ist eine Behandlung, die darin besteht, die stimulierende Wirkung der weiblichen Sexualhormone auf die Krebszellen zu hemmen.
Es gibt zwei Arten von Hormontherapien:

  • Die nachfolgend beschriebenen Behandlungen auf der Grundlage antihormoneller Arzneimittel
  • Die nicht-medikamentösen Behandlungen (die heutzutage sehr selten zum Einsatz kommen): Sie bestehen in der Beendigung der Östrogenproduktion durch die Eierstöcke, entweder durch einen operativen Eingriff (Ovarektomie: Entfernung der Eierstöcke) oder durch Bestrahlung der Eierstöcke (Radiotherapie). Solche Behandlungsverfahren bewirken eine dauerhafte und irreversible Menopause.

Zur Information: Bei nachgewiesener Mutation der BRCA-Gene kann Ihr Arzt Ihnen eine PRÄVENTIVE beidseitige Ovarektomie und Mastektomie empfehlen, um das Krebsrisiko zu senken.

Welche Vorteile bietet die Hormontherapie?

Diese Behandlung ist als effiziente Methode zur Senkung des Risikos eines Burstkrebsrezidivs anerkannt.

Die Hormontherapie beeinflusst sowohl den Tumor selbst als auch die Metastasen. Sie kann zusammen mit anderen Arzneimitteln verabreicht werden, insbesondere bei fortgeschrittenem oder rezidivierendem Brustkrebs (Hormontherapie + Immuntherapie). Gleichzeitig dient sie der Linderung bestimmter Symptome einer fortgeschrittenen Brustkrebserkrankung.

Welche Nachteile bringt die Hormontherapie mit sich?

  • Es kommt zu Nebenwirkungen, welche möglicherweise die Lebensqualität beeinträchtigen.
  • Manche Nebenwirkungen können dauerhaft sein.

 

Welche verschiedenen Arten der Hormontherapie gibt es?

Bei der Auswahl des Therapieverfahrens müssen bei jeder Patientin individuell folgende Faktoren berücksichtigt werden:

  • die medizinische Vorgeschichte
  • der menopausale Status (bereits eingetretene Menopause oder nicht)
  • das Krankheitsstadium
  • das potenzielle Rezidivrisiko

Um die Aktivität der Hormonrezeptoren zu unterbinden, können drei Methoden angewandt werden:

1. Ersetzung der natürlichen Östrogene durch „falsche Östrogene“

Dabei geht es darum, die Östrogenrezeptoren zu „täuschen“. Das eingesetzte Arzneimittel des Typs SERM (Selektiver Estrogenrezeptormodulator) übernimmt auf der Ebene der Rezeptoren die Rolle der Östrogene, indem es ihnen suggeriert, dass es sich um Östrogene handelt. Diese Behandlung blockiert die Hormonrezeptoren und hindert auf diese Weise die Krebszellen an der Vermehrung. Folglich kann es sowohl vor als auch nach der Menopause verwendet werden.

Verabreichung: Es handelt sich um Antiöstrogene in Tablettenform, die einmal täglich eingenommen werden.

2. Unterdrückung der Östrogene

Zwei Szenarien:

  • Bei Frauen vor der Menopause: Die Eierstöcke sind aktiv und produzieren Östrogene. In diesem Fall muss die Aktivität der Eierstöcke vorübergehend gehemmt werden. Die dafür verwendeten Arzneimittel werden als GnRH-Antagonisten bezeichnet.

Verabreichung: Einmal pro Monat oder pro Quartal in Form einer intramuskulären oder subkutanen Injektion

  • Bei Frauen nach der Menopause: Die Eierstöcke sind inaktiv, dennoch werden von den Nebennieren oder von den Fettzellen weiterhin Östrogene in geringer Menge ausgeschüttet, ausgehend von männlichen Sexualhormonen (Androgene). Dieser Vorgang wird durch ein Enzym ermöglicht: Die Aromatase. Das Ziel besteht in der Hemmung der auf Androgenen basierenden Östrogenproduktion mithilfe von Aromatasehemmern (AI).

Diese Behandlung ist meist die erste Wahl, wenn die Menopause bereits eingetreten ist.
Verabreichung: In Form von Tabletten zur täglichen Einnahme

3. Zerstörung der Rezeptoren

In diesem Fall werden mithilfe eines Arzneimittels des Typs SERD (Selective Estrogen Receptor Degrader) die Rezeptoren zerstört, was die Krebszellen funktionsunfähig macht. Diese Behandlungsmethode wird nicht zu Beginn der Erkrankung eingesetzt, sondern erst im weiteren Krankheitsverlauf, sofern es dazu kommt.
Verabreichung: In Form intramuskulärer Injektionen einmal pro Monat

Wie lange dauert die Behandlung?

Die Anwendungsdauer der Hormontherapie beträgt mindestens 5 Jahre und kann bis zu zehn Jahre umfassen.

Glossar

  • Histopathologische Analyse: Eine Untersuchung der Gewebeproben oder Zellen des dem Patienten, die der Ermittlung und Analyse krebsbedingter Auffälligkeiten dient, die Diagnose der Krebserkrankung sowie ihre Einstufung ermöglicht und die Grundlage für die Auswahl der Behandlungsmethoden bildet.