Der Östrogenentzug geht mit zahlreichen Nebenwirkungen einher, die Sie im Alltag beeinträchtigen können. Dennoch überwiegt der Nutzen dieser Behandlung ihre Nachteile.

Was hilft gegen die unangenehmsten Nebenwirkungen?

„Es gibt kein Wundermittel gegen die Nebenwirkungen, doch wenn es gelingt, hilfreiche Strategien aufzuzeigen, verbessert sich die Lebensqualität der Patientinnen um 60 bis 70 %.“

Auszug aus dem in RoseUp erschienen Artikel: Wenn die Hormontherapie sprechen könnte… (Februar 2021)

Hitzewallungen

Sie treten sehr rasch auf, unmittelbar nach der Einleitung der Behandlung. Stress und Alkohol gehören zu den auslösenden Faktoren.

Ein paar Strategien zur Verringerung der Häufigkeit dieser Hitzewallungen:

  • Regelmäßige Ausübung einer sportlichen Aktivität
  • Stressabbau:
    • Beschäftigungen nachgehen, die Ihnen Freude machen
    • Sich nicht scheuen, ergänzende Therapien anzuwenden (Sophrologie, Yoga, Hypnose, Naturheilverfahren…)
    • Sich bei Hilfsorganisationen Unterstützung holen (Europa Donna, Krebsstiftung usw.)
    • Bei Bedarf eine Psychologin / einen Psychologen aufsuchen

  • Ausgewogene Ernährung
  • Anwendung der Aurikulotherapie: Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten.
  • Bestimmte medikamentöse Behandlungen (Antihypertensiva, Antidepressiva) können verordnet werden, wenn die anderen Methoden nicht ausreichen.

Gewichtszunahme

Sehr häufig kommt es zu einer Gewichtszunahme bei gleichzeitigem Verlust an Muskelmasse, der oftmals mit einer Verringerung der körperlichen Betätigung zusammenhängt

  • Von einschränkenden Diäten wird abgeraten. Sie führen zu einem Jo-jo-Effekt, durch den sich Gewichtszunahme und Gewichtsverlust abwechseln, was einen Muskelabbau bewirkt.
  • Wichtig ist eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung. Lassen Sie sich bei Bedarf von einer Ernährungsberaterin oder von einem Ernährungsmediziner unterstützen.
  • Praktizieren Sie regelmäßig eine sportliche Aktivität.

Gelenkschmerzen

Dabei handelt es sich um eine sehr häufige Nebenwirkung, die durch die Gewichtszunahme begünstigt wird. Die Schmerzen setzen allmählich ein und können lokal begrenzt oder diffus sein.

Ein paar Strategien tragen zu ihrer Linderung bei:

  • Eine regelmäßige körperliche Betätigung stellt einen entscheidenden Vorteil dar, denn die Schmerzen können sich dadurch verringern, und deshalb sollte man sich zur Bewegung zwingen. Der Nutzen macht sich nach der Anstrengung bemerkbar.
  • Akupunktur oder Aurikulotherapie
  • Wenn die Schmerzen Sie zu sehr behindern, lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt an einen Rheumatologen überweisen. Mitunter kann ein Wechsel des Arzneimittelwirkstoffs oder die Änderung der Einnahmezeit bestimmte Schmerzen lindern. Lassen Sie sich von Ihrem Onkologen oder Gynäkologen beraten.

Müdigkeit

  • Ruhen Sie sich aus, wenn Sie das Bedürfnis danach verspüren.
  • Verändern Sie die Tätigkeiten, die Ihre Müdigkeit verstärken oder versuchen Sie, diese seltener auszuüben. Verlegen Sie deren Ausübung auf einen Zeitpunkt, zu dem Sie am wenigsten müde sind.
  • Eine regelmäßige körperliche Betätigung trägt entscheidend zum Ausgleich dieser Nebenwirkung bei.
  • Üben Sie möglichst weiterhin eine berufliche Tätigkeit aus.
  • Erlernen Sie die Bewältigung Ihrer Ängste durch Entspannung von Körper und Geist (Atem-, und Dehnungsübungen, Meditation).
  • Konzentrieren Sie sich auf die Tätigkeiten, die Sie ausüben können, anstatt auf die Tätigkeiten, zu denen Sie nicht in der Lage sind.
  • Holen Sie sich Unterstützung für die Aufgaben, die Sie am meisten ermüden.

Schlafstörungen

Diese Störungen müssen so schnell wie möglich beseitigt werden, da Schlafmangel nicht nur Müdigkeit verursacht, sondern sich auch negativ auf die Stimmung auswirkt.

  • Führen Sie ein Ritual des Schlafengehens ein.
  • Achten Sie auf ein gut belüftetes, ausreichend abgedunkeltes und komfortables Schlafzimmer.
  • Üben Sie regelmäßig eine sportliche Aktivität aus, vorzugsweise morgens oder nachmittags statt abends.
  • Verzichten Sie 6 bis 8 Stunden vor dem Schlafengehen auf koffeinhaltige Getränke.
  • Verzichten Sie auf alkoholische und gesüßte Getränke am Abend.
  • Vermeiden Sie mindestens 60 bis 90 Minuten vor dem Schlafengehen die Nutzung von Bildschirmen (Tablet, Mobiltelefon, Fernseher usw.).
  • Wenn Sie einen Mittagsschlaf machen, planen Sie diesen vor 15 Uhr ein und achten Sie darauf, dass er 30 Minuten nicht überschreitet.
  • Als Einschlafhilfe können Sie Meditations- oder Entspannungsmethoden ausprobieren, eine beruhigende Musik hören oder die Tiefenatmung praktizieren.

Vaginale Trockenheit

Östrogene tragen zur Aufrechterhaltung der Lubrikation und Dicke der Vaginalschleimhaut bei. Folgendes wird empfohlen:

  • Einmal täglich eine Intimtoilette mit einer fetthaltigen Seife durchführen. Keine Feuchttücher verwenden.
  • Auf zu enge synthetische Kleidungsstücke verzichten.
  • Das ständige Tragen von Slipeinlagen vermeiden. Wenn Sie dennoch welche verwenden möchten, bevorzugen Sie parfümfreie Produkte aus Baumwolle.
  • Vermeiden Sie möglichst das Tragen von Unterwäsche in der Nacht.
  • Verwenden Sie bei jedem Geschlechtsverkehr ein geeignetes Gleitmittel.
  • Falls erforderlich, wenden Sie eine Vulvacreme (einmal täglich) und eine nicht-hormonelle Vaginalcreme (zweimal täglich) an. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten.

Wenn bestimmte Nebenwirkungen anhalten oder sich verschlimmern, melden Sie dies unverzüglich Ihrem Arzt.

Glossar

  • Müdigkeit: Bei einer Krebserkrankung bedeutet Müdigkeit Energiemangel, Antriebsschwäche oder allgemeine Erschöpfung. Dieses Symptom unterscheidet sich von der Müdigkeit, die Menschen gewöhnlich am Abend verspüren.
  • Aurikulotherapie: Dabei handelt es sich um eine Therapieform, die Reflexzonen an der Ohrmuschel nutzt. Sie wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell als traditionelles Heilverfahren anerkannt.