In letzter Zeit mehren sich die Nachrichten dass internationale Radrennfahrer von Autofahrern auf dreiste Weise aggressiert wurden und sogar tödlich endeten. Siehe Michele Scarponi, Offredo und Chris Froome.

Luxemburger Radrennfahrer bleiben jedoch nicht verschont von derart aggressiwen Autofahrern.

Sicherlich sind die Radfahrer nicht immer unschuldig, denn sie halten sich auch nicht immer an die Verkehrsregeln. Jedoch dies rechtfertigt ein solches Verhalten, wie sie in dem folgenden,  von mir verfassten Bericht den ich bei der Polizei eingereicht hatte, lesen können.

Um die Anonymität des Täters zu bewahren, habe ich den Bericht etwas umgeändert.

Am Freitag, den 8. August 2014, gegen 13 Uhr 40, fuhr ich mit meinem Rennrad auf der CR 128, von Christnach nach Heffingen. In der Abfahrt kurz vor Heffingen überholte mich ein grösseres Familienauto, à la Renault Espace. Ich merkte dass ein weiteres Auto hinter mir war und auf einmal sah ich eine große Motorhaube zirka 20cm neben meinem Lenker und jemand brüllte „du Arschlach fuer nach méi an der Stross“ und der Fahrer, alleiniger Insasse, versuchte mich rechts in den Graben zu drücken. Ich war in der Abfahrt bestimmt mit Minimum 40kmh unterwegs. Es gelang mir in extremis, nicht in den Graben zu fallen. Dann machte der Fahrer eine Vollbremsung und um Haaresbreite gelang es mir links am Auto vorbei zu kommen. Der Fahrer brüllte noch mehrmals extrem aggressiv  „Du Arschlach“ und versuchte mich, auf der linken Straßenseite in den Graben zu fahren. Als ich auch aus dieser Lage heil raus kam, gab er Vollgas und fuhr weiter. Es war ein großer Wagen (Break). Ich konnte noch in seinem Heckfenster einen Reklametext lesen. Dies half mir dann später den Fahrer zu identifizieren.

Zu Hause angekommen, recherchierte ich im Internet und fand heraus dass der Wagen einem Geschäftsmann gehört. Ich rief dort an und erkundigte mich bei der Dame am Telefon ob jemand aus ihrem Laden einen solchen Wagen mit der Reklameaufschrift fahren würde.  Sie sagte mir dass der Eigentümer des Ladens einen solchen Wagen fahren würde. Sie verband mich dann weiter mit ihrem Chef.  Ich sagte zu ihm „ hei ass daat Arschlach mam Velo vun de Mëtten zu Hiefenech , ech machen eng Plaint géint iech bei der Police wéint Tentative de meurtre, da gesi mir eis viru Geriicht erem“  Er antwortete lediglich „eng Gudd Idee mach daat“. Er war überrascht und mit dieser inadäquaten Antwort hatte er mir den Beweis erbracht dass er sicher die Person ist die mich auf diese dreiste Art aggressierte.

Aus dieser äußerst gefährlichen Lage kam ich unverletzt heraus und bin noch am Leben, dank meiner überdurchschnittlich guten Fahrtechnik auf dem Rennrad. Ich fahre Rennrad seit meinem 10. Lebensjahr, bin etliche Jahre Radrennen gefahren und war langjähriger Radsporttrainer in verschiedenen Vereinen und 8 Jahre Nationaltrainer beim luxemburgischen Radsportverband.

In all den Jahren habe ich so manche Auseinandersetzungen zwischen Autofahrer und Radfahrer miterlebt. Aber eine solche Aggressivität habe ich noch nicht gesehen. Wie kann ein normaler Mensch, ohne sichtlichen Grund, denn ich fuhr +/- 40cm vom Straßenrand entfernt, sich in einen solchen Zustand versetzen? Ich stellte mir die Frage ob Alkohol oder Drogen im Spiel waren?

Ich habe dann eine Klage bei der Polizei eingereicht. Der Fahrer wurde verhört und die Klage an die zuständige Gerichtsinstanz weitergeleitet.

Nach einem Jahr hatte ich immer noch nichts vom Gericht gehört und liess durch eine Anwältin dort nachfragen.

Antwort: L’affaire a été classée sans suite.

Luxemburg, den 11. Mai 2017

Luss Rischard