Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert.
Carly Fiorina - CEO Hewlett-Packard

Womit schon mal klar wäre, um was es in diesem Beitrag geht: die Digitalisierung, speziell im Kontext der zukünftigen Arbeitswelt. Ein Digitalisierungsprozess, der so einiges an riesigen Umwälzungen zur Folge haben wird – unweigerlich, aber sicher!

Was haben Uhrmacher, Models und Immobilienmakler gemeinsam? Ihre Berufe könnte es in 20 Jahren nicht mehr geben. Hingegen können Sozialarbeiter, Zahnärzte und Förster (*innen) aufatmen – die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Berufe in absehbarer Zeit von Computern oder Maschinen übernommen werden, ist der Bundeszentrale für politische Bildung im Kontext Arbeit und Digitalisierung jedenfalls gering. Maschinen, die Menschen ersetzen: Diese Grundangst lässt sich bis zu den Anfängen der Industriellen Revolution zurückverfolgen und taucht bis heute in Automatisierungsdebatten auf. Ein historischer Dauerbrenner, den der Zeilenschreiber schon im Kontext der Ludditen an dieser Stelle thematisierte.

Es ist wie stets in der Menschheitsgeschichte:  Werte und gesellschaftliche Normen passen sich den ökonomischen Erfordernissen an. So funktionierte „Gesellschaft“ immer! „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“, wie es Karl Marx formulierte. In der neuen Ära der Digitalisierung ist es dann hoffentlich auch nicht anders: die Arbeit wird zur Fundamentaltugend, zur Grundvoraussetzung für jeden Lösungsansatz und deshalb zum moralischen Imperativ. Das wäre dann zumindest ein positiver Denkansatz, der allerdings längst noch nicht abgesichert ist… Denn es gibt durchaus kritische Stimmen, die sich eher mit den Risiken der Digitalisierung beschäftigen, wie es auch schon früher einmal war, als die Maschinen kamen, wie  beispielsweise die der „Neo-Ludditen“, wie sich so manche Fortschrittsgegner der Gegenwart bezeichnen. Sie ängstigen sich vor der rasanten technischen Entwicklung und der Integration der internationalen Märkte, jenen Faktoren, die die Welt heuer, sprich Anfang des 21. Jahrhunderts, wieder ebenso in Unordnung bringen, wie sie es schon im zitierten frühen 19. Jahrhundert getan haben. Damals wie heute steckt die Wirtschaft in einer Umbruchphase, damals wie heute geht die Angst um, Maschinen und Roboter, sowie ausländische Billigkräfte würden heimische Werktätige überflüssig machen. Auf den Punkt gebracht: blindwütiger Fortschritt zerstört die Existenz der Menschen! Die These, nach der die immer weiter steigende Produktivität die Menschen zunehmend aus dem Produktionsprozess verdrängen werde. Die Tätigkeiten, die Arbeit, die Arbeitsprozesse würden zunehmend von Maschinen, heuer von Robotern, übernommen, die Menschen folglich immer weniger benötigt. Das Ende der Arbeit? Oder doch und trotz allem: Arbeit ohne Ende?

Wo sich welche Technologien durchsetzen werden, wie menschliche Arbeit und digitale Technik dabei zusammenspielen und wie sich dies auf Berufsbilder und den Arbeitsmarkt auswirken wird, ist nur bedingt vorherzusagen. Da scheiden sich die Geister. Die Erwerbsgesellschaft der Zukunft bietet neue Chancen, aber auch Risiken. Auch wenn kein „Ende der Arbeit“ in Sicht ist, so deutet sich, wie bereits eingangs anhand einiger Beispiele illustriert, ein erheblicher Wandel von Produktionsfaktoren, Berufen und Erwerbsformen an. Die neuen digitalen Technologien werden mit absoluter Sicherheit Konsequenzen für industrielle Arbeitsprozesse haben. Welche dies sein werden, ist nicht eindeutig prognostizierbar, zumal die Diffusion der Technologien im industriellen Sektor erst am Anfang steht. Arbeit 4.0. Die digitale Arbeitswelt. Ob das uns nun gefällt oder nicht, entziehen können wir uns der Debatte egal wie nicht. Auch rückwärtsgewandte Sprüche und Einstellungen helfen uns eh nicht weiter, der normale Mensch in der heuer bereits längst angelaufenen digitalen Gesellschaft muss sich der neuen Zeit der digitalen Welt, die sehr vielfältig sein wird, anpassen. Die Digitalisierung wird unsere Lebens- und Arbeitswelten grundlegend verändern.

Wir befinden uns mitten im Zeitalter der Digitalen Revolution. Historisch betrachtet vergleichbar mit der Industriellen Revolution vor 200 Jahren. Wir verstehen die Digitalisierung als einen „neuen“ Blick auf die Welt – einen Blick, der viele Dinge erleichtern kann. Das gilt für die verschiedensten  Bereiche, ob sie nun Bildung, Umwelt oder Mobilität betreffen. Es stellt sich, wie bereits betont, nicht die Frage, ob das digitale Zeitalter kommt oder nicht – wir befinden uns bereits mitten drin. Die Aufgabenstellung an all jene, die diese Entwicklung direkt oder indirekt lenken, wird sehr intensiv sein und unweigerliche Kritiken und Widerstände nach sich ziehen. Die Verantwortung der politischen Klasse und der Gewerkschaften ist ganz klar engagiert! Es geht auch nicht anders, denn dass Risiken bestehen und durchaus Gefahren für uns alle drohen, dürfte wohl klar sein. Denn dass das eiskalte Profitdenken aus Sicht des Kapitals vor irgendeiner Menschlichkeit Vorrang haben wird, dürfte auch in ebendiesem Kontext klar sein, man braucht sich keinen naiven Illusionen hinzugeben. Positiv betrachtet, ist demzufolge die Ausgestaltung der Digitalisierung eine gesellschaftliche und ökonomische Aufgabe. Digitale (Grund-)Bildung ist eine Voraussetzung für Innovation, Fortschritt und gutes Leben und Arbeiten. Lern- und kreativitätsfördernde Arbeitsbedingungen, Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten für alle Beschäftigten, faire Entlohnung, eine alters- und alternsgerechte Arbeitsorganisation und die Vermeidung unnötiger Fehlbelastungen nehmen eine Schlüsselrolle in der Ausgestaltung der Arbeitswelt ein. Und das wird mitnichten einfach werden, auch wenn man uns allen diese diversen Facetten der Digitalisierung selbstverständlich in allen möglichen Formen schmackhaft machen wird. Und wir akzeptieren das mehrheitlich alles, allein schon aufgrund dessen, was wir schon in unserem (digitalen) Alltag ob der diversen digitalen Technologien in Massen praktizieren, egal wie kritisch wir auch darüber denken mögen. Denn die Digitalisierung ist wahrlich ein großes Schlagwort, das allerdings schon längst Realität ist. Die, die es gern in den Mund nehmen, meinen damit vor allem die großen Vorteile, die Geschäftschancen und die Möglichkeit, auch große Industrieunternehmen noch moderner, schneller, erfolgreicher zu machen. Über die Schattenseiten spricht da kaum jemand. Denn kaum jemand mag erzählen, dass es Angst macht, wenn Bankfilialen schließen, wenn Maschinen den eigenen Job ersetzen oder wenn das Smartphone dazu führt, dass man Tag und Nacht erreichbar ist. Digitalisierung hat eine zweite, schwierigere Seite, vor allem für ältere Menschen, für Kinder aus ärmeren Familien, aber auch für Arbeiter, Angestellte und Handwerker. Für sie kann sich alles auf den Kopf stellen. Diese Bedenken kann man einfach nicht ignorieren oder sich selbst und anderen schönreden!

Was natürlich auch empfänglich für Populisten macht, die eine schöne alte Welt versprechen. Egal wie, wir sollten sehr wachsam sein, besonders aber unsere Gewerkschaften, die sich sehr warm anziehen sollten und sich im Sinne der arbeitenden Menschen mit Engagement einsetzen, jedoch auch für die Pensions- oder Rentnergeneration, die gesellschaftlich abzuhängen ein fataler Irrtum sein würde!