Vor fast 13 Jahren haben meine Frau und ich uns entschlossen uns im Nachbarland in Osburg im Landkreis Trier-Saarburg, am Anfang des Naturschutzgebietes Saar-Hunsrück niederzulassen. Weite Wälder, Natur pur,  eine kleine 2500 Seelengemeinde mit sehr freundlichen Menschen, die uns ausnahmslos in die Dorfgemeinschaft aufgenommen haben.

Nun bin ich gestern zum ersten Mal mit Rechtsradikalismus konfrontiert worden. Beim Rausfahren von einer Autowerkstadt, wo es ziemlich eng war, fuhr ich zentimetergenau, mit den 360° Kameras von meinem Auto absolut im machbarem, leider stand da ein Auto mit laufendem Motor auf dem Platz, worauf hin dessen Parksensoren Alarm geschlagen haben. Der Fahrer, ein schon betagter Mann, sprang schreiend aus seinem Fahrzeug und behauptete ich hätte dien Plastikrahmen seines Nummernschildes beschädigt, obwohl ich erwiesenermaßen über 10 cm Abstand hatte. Da der Fahrer sich immer mehr aufregte, habe ich ihn gefragt ob er noch ganz dicht sei bei der Lappalie sich so aufzuregen, sagte zu ihm er soll sich in der Werkstadt einen neuen Rahmen auf meine Kosten genehmigen, wenn er denn halt meinte.

Was nun herauskam hat mich  sehr erschüttert, sowohl über die Person als auch mich selbst. Ich behaupte Luxemburger Europäer zu sein, bin eigentlich sehr tolerant und offen gegenüber meinen Mitmenschen.

Nun kam ein Satz der  mich völlig aus der Bahn geworfen hat, wortwörtlich:

“ Wir haben euch schon einmal versucht Recht und Ordnung beizubringen, scheint aber nicht erfolgreich gewesen zu sein, da ihr immer noch Verbrecher und Gesetzlose seid“.

Ich habe ihn entgeistert angestarrt und;

„Wie Bitte?“ gefragt. Die Antwort:

„Ihr kommt mit gelben Nummernschilder rüber und glaubt euch würde das Land gehören.

Ich; „Habe ich sie jetzt richtig verstanden?“

„Oh SIE haben mich schon richtig verstanden!“

Es war wie wenn man einen Schalter umgelegt hätte, Ich habe mich selbst nicht  mehr wiedererkannt, wie ich schreiend auf dem Hofe stand und den Mann als Nazi betitelte und er solle sich doch mit seinem braunem Gedankengut in seinen braunen Keller verziehen. Ich habe nur noch vereinzelte Wortfetzen mitbekommen welche mich noch mehr in Rage versetzten wie zb. „Das einzig Wahre, Mein Vaterland“ u.s.w.

Nach zweiminütiger Heimfahrt, nachdem ein Werkstadtarbeiter das Nummernschild richtig eingeklappt hatte, habe ich Zuhause noch während einer Stunde rumgetobt, Gott sei Dank war keiner anwesend, und habe mich über mich selbst aufgeregt dass ich mich so aus der Fassung hab bringen lassen. Für mich habe ich festgestellt dass ich gegenüber Rechtsradikalismus absolut keine Toleranz empfinde, dass ich in meinem Leben noch nie so weit war einem Menschen sehr viel Schmerzen zufügen zu wollen. Nur der Respekt gegenüber dem Alter des Herrn und die Anwesenheit eines Werkstadtmitarbeiters haben mich dazu bewegt, meinen Gefühlen nicht  freien Lauf lassen. Soviel zur meiner geglaubten Toleranz.

Was ich jedoch noch schlimmer empfinde, dass die so lapidar dahingeschrienen Worte mich so verletzen würden, dass ich binnen einer Sekunde in einen richtigen Wutrausch geraten bin wo ein klarer Gedanke nicht mehr möglich war. Dass es in der heutigen Gesellschaft wieder salonfähig ist solche Aussagen hemmungslos öffentlich und straflos hinauszuposaunen.

Das braune Gedankengut ist weit verbreitet und umgänglicher denn je, wie die Feuerglut die bei schüren neues Feuer entfacht, unterschwellig aber dennoch vorhanden, bereit jederzeit sich neu zu entfachen.

Das einzige was gegen diese Glut hilft, dass jeder sich umsieht und sich die Frage stellt ob er es gutheißt oder etwas dagegen unternimmt. Nicht wie Politiker ganz diplomatisch um das heiße Eisen herumdiskutieren um diese Leute zu überzeugen, Menschen die sich  dieser Auffassung hingeben liegen falsch. Personen die dem braunem Gedankengut frönen, lassen sich nicht durch  Gespräche von ihrer Meinung abbringen.

Meiner Meinung nach müsste  in ganz Europa eine Wahlpflicht eingeführt werden, damit jeder sich im Spiegel begutachten kann und seine Meinung schriftlich kundtun. So oder so muss jeder sich für das eine oder andere entscheiden. Nur so können den rechtspopulistischen Gruppierungen Einhalt geboten werden und Stimmen entzogen werden. Denn ich kann mir kaum vorstellen dass die Mehrheit der Menschen es sich wünschen, dass wieder zur einer Reichskrisstallnacht kommt.

Wacht auf und unternehmt etwas gegen den Braunen Mob, geht wählen.

Im Nachsatz ein Zitat von Albert Einstein.

Es gibt zwei Dinge die unendlich sind.

Das Universum und die Dummheit der Menschen,

Wobei ich mir beim Universum nicht sicher bin.

Poupart Henri