Es gibt in unserem Pensionssystem eine Ungerechtigkeitslücke in der Berechnung der Baby-years, die eine noch größere Ungerechtigkeit hervorruft. Wir nehmen ein einfaches Beispiel und stellen zwei Personen gegeneinander auf, die alle Beide für ihre Kinder die ersten Erziehungsjahre nicht pensionsversichert zuhause geblieben sind.

-       Hier kann schon eine Gesetzeslücke zutreffen:

Person a arbeitet trotz Haushaltsarbeit andersartig selbstständig, weil sie eine kreative und tüchtige Person ist und auch viele Dinge einfach kann. Leider reichen die Erwerbssummen nicht aus für eine Pensionsversicherung.

Person b verlässt sich ganz auf ihre(n)/seine(n) EhepartnerIn. Diese(r) verdient sehr gut.

Im weiteren Biographie-Verlauf arbeitet Person a am meisten, und kommt auf 10 Jahre Pensionsvollversicherung. Mit 65 bekommt Person a eine gesetzliche Pension, weil für ihre/seine Kindererziehungszeit 10 Jahre als Komplementär-Jahre hinzugerechnet werden, ebenso 2 Jahre Ausbildung, die wir zur Vereinfachung des Beispiels hier außer Acht lassen. Das Ergebnis 20:20 ist gerecht. Person a bekommt allerdings die sogenannten Baby-years nicht angerechnet. Warum nicht?: Person a ist in jungen Jahren Elternteil geworden und war bis zur Geburt der Kinder nur teilzeitversichert (z.B. im Niedriglohnsektor, ErntehelferIn, KellnerIn etc) und kann diese 12 Monate Ganzzeitversicherung in der erforderten Zeitspanne nicht aufweisen.

Im weiteren Biographie-Verlauf arbeitet Person b überhaupt nicht. Die/der EhepartnerIn ist stark und verdient gut. So um die 61 fragt Person b, in diesen Dingen nicht dumm, ihre/seine Baby-years an, denn gut-situierte(r), mittlerweile pensionierte(r) Ehepartner(in) würde auch noch was locker lassen, um für Person b Pensionsehejahre nachzukaufen. Person b ist in späten Jahren Elternteil geworden, und kommt irgendwie auf 6 Jahre Pensionsversicherung vor der Geburt der Kinder. Wie ein Wunder liegen im Fall von Person b vier fette Baby-Jahre vor. Die gesetzlichen 10 Arbeitsjahre hat Person b somit auf wundersame Weise vollbracht. Es fehlen Person b also 10 Jahre Komplementärzeit, - und auch hier ziehen wir 2 komplementäre Ausbildungsjahre nicht in Betracht – um auf 20 Jahre Stage-Zeit zu kommen und somit Anrecht auf Pension zu haben.

An diesem Punkt erfolgt der Gesetzesfehler:

Der Gesetzestext sieht vor, dass Person b vier Komplementärjahre für die „Kindererziehung“ hinzugerechnet bekommt. Nun ist Person b wie ein Wunder schon auf 14 Jahre Pension-Stage-Zeit! Es verblieben noch vier Jahre die fehlen, würden wir die 2 Ausbildungsjahre in Betracht ziehen!

An diesem Punkt erfolgt ein weiterer Gesetzesfehler: Die/der EhepartnerIn kauft Person b vier Ehejahre als Pensionsjahre rückwirkend nach; - weil sie/er es kann!

Die Ungerechtigkeit zwischen a und b besteht darin, dass Person a keine Baby-years ausbezahlt bekommt (nur weil a sehr jung Elternteil wurde) und im weiteren Biographie-Verlauf viel mehr für die Gesellschaft geleistet hat mit ihren/seinen kreativen Talenten, auch länger gearbeitet hat und mehr Kinder erzogen hat.

Wir sollten auch hier weitere systemische Denkweisen ermöglichen. Ich möchte den Moralitätsbefund dieses Beispiels nicht entwickeln, und bitte auch deshalb darum, keine Tatsachen anzufechten. Die Dinge sind korrekt, und ich schreibe dies hier nicht, um mich an irgendjemanden ranzumachen oder dergleichen.

Ich berufe mich zudem auf meine zu diesem Thema schon verfassten Arbeiten, veröffentlicht unter folgenden Titeln:

- „ Hausfrauen, auslaufende Modelle ? Mehr oder weniger 75 Euro pro Kind, ab wann, für wen und überhaupt! “, Tageblatt: 20. März 2002.

- « Où va la ruse du peupe? », Tageblatt: 3 avril 2002.

- « Qui est mon patron ? », Journal: 11 juillet 2002.

- „ Elengerzéiier, d’schwaarz Schof vun der Gesellschaft! “: Journal: 29/30 te Mee 2010 an am Tageblatt: 5/6 te Juni 2010 - souwéi an der Zeitung vum Letzebuerger Vollék.

Carmen Heyar

Carmen Heyar