Eine Analyse zum Betrieb der Recyclingcentren in Luxemburg und darüber hinaus.

Wohl die wenigsten von uns konnten sich der Frage zum Plastikmüll in den letzten Wochen entziehen. Das Problem ist nur, viele verstehen es zu undifferenziert. Denn beim Müll, und wir produzieren eine Menge davon, geht es auch, aber nicht nur, um Plastik. Es geht um den Weg hin zu einer Gesellschaft der Wiederverwertung mit sehr, sehr wenig Müll. Die Ziele dazu sind klar definiert: bis 2022 sollen 55% der Haushaltsabfälle einer Wiederverwertung zugeführt werden. Nach Eurostat (2017) produzieren wir 607kg Müll pro Einwohner und Jahr, viel zu viel!

Zu sehr handeln wir immer noch in alten Denkmustern: Anstatt zu vermeiden, zu reduzieren, zu recyceln und wieder zu verwerten, überspringen wir immer noch zu oft diese Schritte. Etwas hat ausgedient, also „ab in den Mülleimer“!

In der Zwischenzeit denken wir dafür eine Lösung gefunden zu haben: Wir verbrennen den Müll, mit gereinigtem Abgas und der Nutzung der Energie zum Heizen. Soweit so gut. Soll das wirklich unsere Zukunft sein? Anstatt die Verbrennung als letzte Lösung zu verstehen, also nur das zu verbrennen was übrigbleibt, handeln wir noch nicht genug danach. Dabei sollte uns doch klar sein, dass wir mit dieser Methode viele Ressourcen vernichten anstatt sie in der Circular Economy immer wieder neu und anders zu verwerten. Da muss die Reise hingehen!

Und genau deshalb sollten wir uns von einem Begriff verabschieden: dem Müll!

Müll bedeutet, dass man damit eigentlich nichts mehr anfangen kann. Aber es ist schlicht falsch. Denn dieser „Müll“ besteht aus vielen Rohstoffen, die es zu erhalten gilt. Für das Recycling bedeutet dies: je besser und mehr getrennt, desto besser wiederverwertbar. Reden wir deshalb nicht mehr von Müll, sondern von Ressourcen. Die Quantität und die Qualität der gesammelten Ressourcen bestimmen den Weg zur Circular Economy.

Ja, es gibt erfolgreiche Entwicklungen. Superdreckskëscht, Ecotrel, Valorlux, Bioabfall usw. und viele Recyclingzentren tragen in der Zwischenzeit dazu bei, die Rohstoffe getrennt zu sammeln und diese in die Circular Economy zurück zu führen. Wer sich die Mühe macht den Bericht PNGDR (Plan national pour la gestion des déchêts et des ressources) zu lesen, wir feststellen, dass nicht alle Ressourcen hierzulande weiterverarbeitet werden. Und damit sind wir auf der EU-Ebene angelangt.

Daraus ergibt sich ein fundamentales Bedürfnis: Das Sammeln von Ressourcen muss genormten international gültigen Qualitätsansprüchen gerecht werden. Nicht nur im Bereich der Rohstoffe und des Handlings, sondern auch als Service gegenüber dem Bürger. Denn Recyclingzentren müssen in Zukunft viel mehr sein als Sammelstellen: Informationen zur Müllreduzierung, Events zu vielen unterschiedlichen Umweltthemen, Begegnungstätte zum Austausch, mit Second-Hand Shop und Ausleihservice, Spiel-Ecken mit Anreizen für Kinder, Repair-Café und vieles mehr.

Insgesamt verfügt Luxemburg über 22 feste und einige mobile Recyclingstationen, an die 93% der Bevölkerung angeschlossen sind. Im Schnitt besucht jeder zweimal im Jahr eine solche Station. Viele Gemeinden haben in der Zwischenzeit einen guten Recyclingwert von mehr als 55% erreicht.

Das klingt alles sehr positiv. Die Unterschiede zwischen diesen Recyclingstellen sind aber enorm, sowohl was die gesammelten Ressourcen angeht als auch in Bezug zur eingerichteten Struktur. Das règlement Grand-Ducal, das für die Einrichtung eines Recyclingparks gilt, stammt aus dem Jahre 1993. Alle Recyclingstationen müssen über diese Genehmigung verfügen. Aber die Recyclingwelt hat sich weiterentwickelt und muss mit neuen Implsen in die Zukunft schauen.

Ich konnte mir beim Besuch von mehreren Recyclingzentren, sowohl in Luxemburg, als auch im Ausland, von den sehr unterschiedlichen Funktionsweisen einen Eindruck verschaffen. Und ehrlich gesagt, es ist alles dabei: Von sehr gut … bis geht gar nicht.

Voraussetzung für den Betrieb eines Recyclingcenters ist eine Überprüfung.  Diese ist auch vorgesehen, aber nur im gesetzlichen Rahmen. Diese Regeln entsprechen aber nicht mehr den heutigen Bedürfnissen.  Eine weitergehende Überprüfung von einem international anerkannten Standard, wie z.B. von RAL besteht und ist unabhängig. Dies ist aber nicht rechtsverbindlich. Anhand von einigen erlebten Beispielen möchte ich die Notwendigkeit aufzeigen, warum dies in Zukunft mehr Beachtung verdient.

Recyclingzenter sind keine Müllabgabestellen und sollten auch nicht so aussehen, sonst landen wir wieder schnell in den alten Denkweisen. Es ist ein Ressourcenzentrum! Sauberkeit ist oberstes Gebot. Der Eintritt und das Gebäude legen den Grundstein: ob einladend oder nicht. Ausgelaufene Farben oder andere Stoffe schrecken ab und sind nicht akzeptabel. Manchmal sieht es im Gebäude aus als befände man sich in einem schäbigen Abstellraum und beim verlassen muss man aufpassen nicht vom Laster erwischt zu werden, da die Struktur und die Besucherzeiten für den Abtransport der Container nicht aufeinander abgestimmt sind. Die Sicherheit des Besuchers muss Vorrang haben. Besucher mit Laster gleichzeitig auf einer Fläche, das geht nicht! Zuständiges Personal ist einigenorts so gering aufgestellt, da vergeht einem schnell die Lust mal eine Frage zu stellen. Anstatt zu recyceln, landet es dann trotzdem im Müll. Betreiberkriterien am Minimum sind zu kurzfristig gedacht. Ohne eine gute Balance zwischen Qualität und Kostenoptimiertem Betrieb der Investition kann eine Weiterentwicklung eines solchen Recyclingcenters nur schwer stattfinden.

Wetter ist nicht Ansichtssache. Eine Überdachung ist kein Luxus, aber auch nur ein Minimum. Nur ein von Regen und Wind geschützter Raum bietet die Möglichkeit dem Bürger Hilfestellung in einem angenehmen Umfeld zu geben. Das Gesetz schreibt nur vor, dass Bedienstete über einen Raum verfügen müssen. Und der Bürger etwa nicht? Ich habe Stellen erlebt in denen man zwar vor Regen geschützt war, es allerdings so stark und kalt blies, als stünde man auf einer Bergspitze. Noch schlimmer sieht es aus, wenn es überhaupt keine Überdachung gibt. Bei strömendem Regen nur etwas für Hartgesottene. Dann ist von Hilfestellung nicht zu reden: Nur schnell reinfahren, schnell in den Container abladen und weg. Hier war es zwar sauber, aber das war’s schon. Das Umfeld verhindert oder fördert die Beratung.

Das Warten in der Schlange. Ein Samstag vormittag und viele möchten im Recyclingcenter etwas abgeben. Aber die Struktur ist so ausgelegt, dass man mit dem Auto neben den Containern parken muss um abzuladen. Prinzipiell ist das kein Problem, aber es muss dann auch breit genug mit mehreren Spuren angelegt sein. Sonst ist die Kapazität der Besucher pro Stunde zu sehr beschränkt. Stundenlang laufen die Motoren der Autos und stauen bis auf die Strasse hinaus. Oder noch besser: Eine Doppelreihe von 250 Meter Warteschlangen zeigt auf: Der Betreiber verlagert lieber das Problem auf das Warten des Bürgers als sich die Mühe zu geben den Ablauf so zu organisieren, dass es besser, schneller und angenehmer laufen könnte. Aber es gibt auch Recyclingcentren in denen nur Parkplätze zur Verfügung stehen und keine Warteschlangen vorhanden sind, … weil diese mit dem Ablauf der maximalen Besucherzahl besser eingestellt sind. Das ist Bürgerservice!

Die Kombination vom Recyclingcenter mit angebundenen Shops habe ich in Schweden erlebt. Hier wird die angelieferte Ware vorsortiert und die Shops bedienen sich nach belieben um diese, nach eventuellen kleineren Reparaturen, wieder zu verkaufen. Oder es werden komplett neue Produkte hergestellt, wie z. B. eine Sitzbank aus Armlehnen, neue Kleider oder Lampen. Das Problem hier bestand in der Wieder-Anwendung der Mehrwertsteuer. (Hier besteht der Mehrwert aber nur in der Lebensverlängerung des Produktes.) Für mich unverständlich, da diese ja bereits bezahlt wurde. Das sollte man im Auge behalten.

Auf jeden Fall brauchen wir Recyclingshops in Luxemburg, gleich neben dem Recyclingcenter. In Verbindung mit sozialen Organisationen (welche in Schweden auch einen Recycling-Shop betreiben) wäre dies eine Win-Win Situation auf gleich meheren Ebenen. Wer hat den Mut und das Engagement dies bei uns in die Wege zu leiten? Am Können wird es wohl nicht liegen! Aber es braucht ein starkes Zugpferd. Liebes Umweltministerium, das wäre doch ein reizvolles und herausfornderndes Projekt!

Wie erfolgreich ein Recyclingcenter bei den Bürgern ankommt, erkennt man schnell indem man die Anzahl der Besuche durch die Anwohnerzahl dividiert. Der Durchschnitt liegt Landesweit bei etwa 2. Liegt dieser Faktor nur bei etwa 1 oder weniger, sollte man sich die Frage zur Akzeptanz schon sehr stellen. Ziel sollte ein Faktor höher als 5 sein. Das geht aber nur, wenn der Zutritt mit einer Zugangskarte organisiert ist. Das sollte so sein, ist aber nicht überall der Fall. Interessiert das denn die Betreiber nicht? Denn mit der Tonnage der Ressourcen ist es alleine nicht getan. Es geht auch um den Bürger!

Recycling fördern bedeutet auch dem Bürger anschaulich aufzuzeigen wie die gesammelten Ressourcen weiterverwendet werden. Dazu gibt es die Angabe des Produktpotentials: Ein Kuchendiagramm mit den %-Angaben in 3 Kategorien: der direkten Wiederverwertung (Grün), der Verbrennung mit Energierückgewinnung (Gelb) und des Teils der nicht weiterverwendet werden kann (Rot). So sollte es sein! Ein gut informierter Bürger bekommt eine positivere Einstellung zum Recycling.

Die Wege zu den Recyclingzentern sind sehr unterschiedlich. Ich kann verstehen, dass dies in ländlichen Gebieten kein einfaches, da auch ein kostenintensives, Unterfangen ist. Aber zumindest in Ballungsgebieten würde sich die Mühe lohnen mehrere Recyclingcentren zu betreiben und die Nähe zum Bürger zu suchen, anstatt von diesem immer nur zu verlangen besonders zeitintensive Wege in Kauf zu nehmen. Bei der Beurteilung aus dem PNGDR (siehe oben) geht man von einem Recylingcenter pro 10.000-15.000 Einwohner aus. Auch wenn ich diese Ansicht etwas flexibler sehe, besteht doch ein wesentlicher Unterschied darin, ob dies für 25.000 oder 100.000 Einwohner gilt. Das ist aber die heutige Realität. Zusätzlich sind die Weglängen zu den Recyclingzentren von belang. Bürgernähe verlangt auch eine proaktive Herangehensweise seitens der politischen Entscheidungsträger.

Recyclingzentren liegen in Gemeindeverantwortung, auch finanziell. Allerdings kommt es vor, ich denke da auch an den Weg zur Arbeit, dass der Weg zu dem nächst liegenden Recyclingpark in einer anderen Gemeinde liegt. Die Möglichkeit dies zu Nutzen, bleibt aber bisher verschlossen. Es ist an der Zeit ein national übergreifendes Konzept zu erarbeiten um dies zu ermöglichen, aber in Verbindung mit der kommunalen Verantwortung.  Das wäre ein positiver Schritt für viele Bürger. Dazu bräuchten wir auch ein einheitliches Karten- und Verrechnungssystem. Vielleicht könnte das Syvicol in dieser Hinsicht in einer proaktiven Rolle zur Umsetzung anregen und beitragen.

Einige Einkaufszentren betreiben bereits Recyclingstationen und Verbinden den Konsumenten nebem dem Einkauf direkt damit. Aber auch hier gilt: Mit dem Aufstellen von einigen kleineren Containern ist es nicht getan. Die Beratung muss auch hier ihren Platz haben. Damit reduzieren sich auch die Nutzerfahrten um die Hälfte. Ein Bonussystem mit Kartenzutritt, sei es mit der von der Gemeinde oder dem Einkaufszentrum wären mögliche Wege dies für den Bürger noch attraktiver zu gestalten. Besonders für ländliche Gebiete ist der Kostenvorteil dieses Systems nicht zu unterschätzen.

Seit 2012 haben wir ein Gesetz, in welchem die Sammlung von Recyclingmaterial in Wohngebäuden, sagen wir mal: stark anregt. Aber die Anzahl derer die es tun, ist Gelinde gesagt, niederschmetternd. Dies hätte aber nicht nur weniger Autofahrten zur Folge, sondern auch einen Effekt zur Müllreduzierung (aber bitte mit Müllschleuse: -50% Müll = weniger Kosten) und wäre sozial für ältere Mitbürger verträglicher. Man muss nur einige Müllcontainer durch ein Recyclinggestell ersetzen und ein System der Entsorgung auf die Beine stellen. Dass dies, wie im PNGDR angeregt, von den Hausbesitzern organisiert werden sollte, hat bis heute nicht gefruchtet. Ich sehe eher die Betreiber der Recyclingcenter als potentielle Akteure in diesem Umfeld, es passt einfach besser zusammen. Das gibt es bereits, aber nur hier und da. Worauf warten wir eigentlich noch dies systematischer im ganzen Land umzusetzen?

Wir brauchen deshalb weitergehende Regeln zum Betrieb von Recyclingzentren, welche den Betrieb, das Handling und den Bürgerservice bewerten und dabei helfen, mit gleichen Qualitätsstandards die Schwachpunkte auszumerzen und die Produkte besser abzusetzen. Denn auch die Industrie hätte davon einen Vorteil. Qualitätstandards sichern eine Produktqualität und der Bürgerservice fördert das Bewusstsein für Ressourcenverwertung. Ideal für die Circular Economy und viel weniger Haushaltsmüll.

Bei einem Vortrag beim Board des internationalen Klimabündnis konnte ich aufzeigen, dass Recycling auch zu einem nicht unerheblichen Beitrag zur CO2- Reduktion beiträgt. Dafür kann man belohnt werden. Liebe Gemeinden, das passt in den Klimapakt.

Das Problem der Recyclingzentren besticht doch durch die sehr unterschiedlichen Ansätze im Betrieb. Überall finden sich positive Ansätze verschiedener Natur. Es gibt einen mit sehr hohem Standard, einige mit gutem Standard. Das war’s! Die Probleme liegen immer in dem nicht ganzheitlich angedachten und umgesetzten Konzept und Betrieb des Recyclingcenters. Dies zu erkennen und eine Hilfestellung zur Behebung herbeizuführen, ist das Ziel. Nicht mit dem Zeigefinger, sondern mit Kompetenz und Einfühlungsvermögen. Klarere Standards helfen übrigens auch dabei die Kosten für die Gemeinde im Griff zu halten, weil teure und umständliche Nach- und Umbauarbeiten weitgehend vermieden werden können. Und deshalb ist gerade bei der Planung für ein neues Recyclingcenter eine besondere Aufmerksamkeit erforderlich.

Das EU-Ziel ist sehr klar: bis 2030 muss es uns gelingen 65% der Siedlungsabfälle und 75% der Verpackunsabfälle zu recyceln. Das wird aber nur mit Anstrengungen auf vielen Ebenen möglich sein und muss auch über 2030 hinaus weiterentwickelt werden.

Dies sind nur einige Ansätze wie wir in Verbindung zwischem dem Bürger, der Politik, den Verwaltungen und den Organisationen mehr bewirken können um die benötigten Strukturen besser einzusetzen, um die Produkte immer wieder neu zu nutzen. Die Natur wird’s freuen.

Wir müssen es nur tun: besser, zielstrebiger, konsequenter und überprüfbar!

Robert LEVEN
1. Vorsitzender
e.v. RAL- GZ950 Rückkonsum,
www.ral-gz950.com