Es ist einfacher, kritisch zu sein als korrekt.

Benjamin Disraeli

Kritisch und korrekt. Im Kontext dieser Zeilen: die "Political Correctnes“, die PC, wie die unterdessen gängige Abkürzung dafür heißt. Der Begriff kommt aus den USA, ist also ein aus dem englischen Sprachraum stammendes politisches Schlagwort, das insbesondere in der Theorie der öffentlichen Meinung eine bedeutende Rolle spielt. In der ursprünglichen Bedeutung bezeichnet „politically correct“ die Zustimmung zur Idee, dass Ausdrücke und Handlungen vermieden werden sollten, die Gruppen von Menschen kränken oder beleidigen können. Der Begriff bezieht sich in erster Linie auf die Verwendung einer nichtdiskriminierenden Sprache. So ist es politisch korrekt, von Inuit und nicht von Eskimos zu sprechen, von Roma und Sinti und nicht von Zigeunern und Zigeunerinnen. Der Begriff Eskimo wird nämlich von den Inuit als ebenso abwertend empfunden wie der Begriff Zigeuner von Roma und Sinti. Politisch korrekt ist auch die Verwendung einer geschlechtsneutralen Sprache bzw. von Formulierungen, die beide Geschlechter gleich behandeln; es wird nicht nur die männliche, sondern auch die weibliche Form verwendet.

Heuer gilt (auch hierzuländchen) die mehr als aktuelle „political correctness“ die stets wie mit einem vokabulartechnischen  Lotuseffekt ausgestattete „Digitalisierung“ mit allen Mitteln zu verherrlichen – Kritik also mehr als unerwünscht! Wer dagegen wettert, ist eben politisch unkorrekt, um die Chose noch freundlich auszudrücken. Ferner ist es fast schon politisch unkorrekt in ebendiesem von der digitalen Technik beeinflusste moderne Zeitalter des „Homo digitalis“, das leider verheerende Konsequenzen im Bereich der Allgemeinbildung und des Wissens provozieren wird, historische Fakten wie beispielsweise die beiden Weltkriege, besonders aber die Nazizeit und die brandgefährlichen, hochaktuellen Risiken des Rechtspopulismus zu eingehend zu thematisieren. Geschichtsbewusstsein gilt, wie „Wissen“ generell, eher als störend, weil die Kompetenzvermittlung (in dieser digitalen Welt geht es nämlich nicht mehr um Wissen, sondern nur mehr um Kompetenzen und diese im Interesse der Wirtschaft, versteht sich!)  des diversen „Digitalen“ sowohl unsere politische Korrektheit, besonders aber unser (wirtschaftsliberales)  „Bildungssystem“ gefälligst dominieren soll. Doch das nur als Randbemerkung …

Trotzdem, und damit – wen wundert‘s – sehr konkret zum Titel dieses Beitrages, der natürlich George Orwell’s heuer sehr aktuellen Kultroman „1984“ und seine Begriffe von „Neusprech und Gutdenk“ in ebendiesen Kontext der PC setzen will. Der Autor George Orwell (und damit zu seiner Kurzbiografie) wurde 1903 in Indien geboren, das zu dieser Zeit noch britische Kolonie war. Er ging in England zur Schule und arbeitete bei der Polizei in Burma und schrieb über seine Erfahrungen in seinem ersten Roman "Tage in Burma". Er verbrachte einige Zeit in Paris und später in London, wo er als Tellerwäscher arbeitete. 1933 veröffentlichte er das Buch "Erledigt in Paris und London". 1936 kam er nach Spanien, wo der Bürgerkrieg begann und wollte auf Seiten der Republikaner kämpfen. Bald aber verschwand er und kehrte nach England zurück. Er veröffentlichte das Buch "Mein Katalonien". Während des Zweiten Weltkrieges volontierte er, doch aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes wurde er nicht für die Armee zugelassen und arbeitete als Schreiber bei der BBC in der Zeit, als London bombardiert wurde. 1944 beendete er "Farm der Tiere", das im August 1945 erschien. Sein berühmtestes und bedeutendstes Buch "1984" erschien 1949, ein Jahr vor seinem Tod, ein politischer Roman mit einer überraschenden Genauigkeit hinsichtlich des Jahres, in dem Orwell es geschrieben hat. Orwell sah dies alles als Fiktion.  Er starb im Januar 1950. In weiser Voraussicht hat Orwell bereits vor heuer rund 70 Jahren alles zum Thema PC in ebendiesem „1984“ gesagt: „Neusprech“ wurde entwickelt, um die Vielfalt der Gedanken zu verringern und „Gutdenk“ war „orthodoxes Denken“, also „richtiges“ im Sinne der Deutungshoheit–Besitzer, meint dem alleinigen Definitionsrecht der Herrschenden. Oder auch: die Kontrolle des Denkens der Menschen durch die (im Roman) herrschende Einheitspartei und  die Kontrolle des Denkens ebenfalls durch die Kontrolle der Sprache. Wer das Denken der Menschen kontrollieren will, so die Botschaft des Romans, der muss die Kontrolle über die Sprache erlangen. Das Buch hat jedoch noch einen lesenswerten Anhang, mit "Kleine Grammatik" überschrieben. Hier nimmt Orwell die Art und Weise aufs Korn, in der ideologische Systeme die Sprache vereinnahmen und für politische Zwecke missbrauchen. Diese politisch angepasste und ideologisch aufgeladene Sprache heißt im Roman eben "Neusprech". In der "Kleinen Grammatik" heißt es beispielsweise: „Wenn Neusprech erst ein für allemal angenommen und die Altsprache vergessen worden war (etwa im Jahre 2050), sollte sich ein unorthodoxer – d. h. ein von den Grundsätzen des Engsoz [die herrschende Einheitspartei im Roman] abweichender Gedanke – buchstäblich nicht mehr denken lassen, wenigstens insoweit Denken eine Funktion der Sprache ist.“

Es gilt also das Diktat und der Wille der „Herrschenden“….mit (im politischen Zeitkontext heute gelesen) der immer noch neoliberaler Obedienz unterliegenden EU – Kommission als „Big Brother“?

PC, Neusprech und Gutdenk im Sinne des Kapitals?

Sind wir bald soweit?

Es sieht nicht sehr gut aus…

Frank Bertemes