Mit dem Wissen wächst der Zweifel.

Johann Wolfgang von Goethe

Die zukünftige EU-Kommission unter heuer mehr als umstrittener Führungspersönlichkeit,  will sich unter anderem auch dem „ Sozialen “ besonders widmen…und das wäre auch gut so! Nur - angesichts dessen, was die (neoliberale) Politik der EU-Kommission bekanntlich bisher so alles (an)zu bieten hat, ist der Zweifel wahrlich mehr als angebracht. In diesen Zusammenhang passt natürlich die Rentenpolitik. Und in ebendiesem Kontext wird noch so einiges veranstaltet werden, das dürfte klar sein – genauso wie allerdings auch in wessen wirklichem Interesse das passieren wird, nämlich dem der privaten Versicherer, die natürlich EU-weit zu „agieren“ gedenken. Genau davor warnen uns deutsche Universitätsprofessoren und Rentenexperten ausdrücklich, besonders jedoch die jungen Arbeitnehmer*innen, die sie zur engagierten Empörung aufrufen, sollten sehr wachsam sein, Zitat: „Man kann nach reiflicher Überprüfung nur zu einem Schluss kommen: Es gibt keine echte Alternative zu der gesetzlichen Rente. Was muss noch passieren, damit man in der Öffentlichkeit die private Vorsorge in Verbindung mit den Versicherungsgesellschaften als Betrug am Bürger entlarvt?“  Das dürfte wohl als sehr deutlich sein…

Pepp – als Titel dieser Zeilen. Um was geht es? Ganz einfach: Die EU plant EU-weite Vorsorgeprodukte für die Altersvorsorge einzuführen: Die „Pan-European Personal Pension Products“, kurz Pepp genannt. Vor zwei Jahren hat die EU-Kommission eine europaweite private Altersvorsorge vorgeschlagen. „Es wird den Wettbewerb beleben, da mehr Anbieter es auch außerhalb ihres Heimatmarkts vertreiben können“, sagte dazu Kommissions-Vizepräsident Valdis Dombrovskis  in Brüssel. Wohl als Sprachrohr der Versicherer dienend? Zur Sache dann: Das europäische Vorsorgeprodukt „Pepp“ (Pan European Pension Product), ein EU-Rechtsrahmen für Sparpläne, werde bestehende gesetzliche, betriebliche und nationale private Produkte ergänzen, aber nicht ersetzen. Immerhin dies – nur: Die Kommission verfolgt mit Pepp zwei Ziele. Zum einen will sie den unterentwickelten europäischen Kapitalmarkt ankurbeln, zum anderen die private Altersvorsorge attraktiver machen. Die gesetzliche Rente reiche wegen der ungünstigen demografischen Entwicklung „immer weniger“ aus, hieß es in Brüssel. Die immer größere gesetzliche Rentenlücke müsse daher mehr als bisher mit privater Altersvorsorge gefüllt werden – und dabei brauche der Sparer mehr Auswahl. Dieser dem neoliberalen Vokabular der Versicherungsgesellschaften entsprechende Quatsch müsste uns alle, besonders aber die erwähnte junge Generation aufhorchen lassen! Wenn unsere Jugend schon das „Klima“ für (sehr berechtigte!) Freitagsmärsche thematisiert hat, so gilt das gleichwohl für das „Soziale“, von dem man heuer so gerne vollmundig auf EU-Niveau tönt. Man kann die Jugend  nur im Sinne Stéphane Hessels auffordern: Empört Euch!

Denn eines sollte man im Kontext der Altersvorsorge und der sozialen Sicherungssysteme nämlich nie vergessen, nämlich dass private Versicherer mittels irrsinnigem Kapitaldeckungsverfahren* nur ein einziges für sie geltendes Prinzip kennen: Profit!

Und für uns Normalos ist der Pepp garantiert kein Pep, kein mitreißender Schwung laut Duden, auf den wir (bitte tunlichst nicht!) hereinfallen sollten….

Nur: Ursula wird’s schon richten…

Für wen?

Frank Bertemes

Das Kapitaldeckungsverfahren (auch:  Kapitaldeckungsprinzip) ist ein Kalkulations- und Finanzierungsverfahren von (privaten) Individualversicherungen sowie von Sozialversicherungen, die auf Pflichtmitgliedschaft beruhen. Dabei werden die Sparanteile aus den Beiträgen der Versicherten am Kapitalmarkt angelegt und für jeden einzelnen Versicherten ein Deckungskapital gebildet, das nach dem Ansparen die zu zahlenden Leistungen abdecken soll. Alle laufenden und zukünftigen Ansprüche werden aus diesem individuellen Deckungskapital in entsprechender Höhe bedient. Der Deckungsgrad gibt darüber Auskunft, zu wie viel Prozent die Verpflichtungen mit Vermögenswerten gedeckt sind.

(Wikipedia)