Een oppene Lieserbréif vun der Simone Heiderschreid un den Escher Buergermeeschter am Zesummenhank mat der Wicki Beach.

Sehr geehrter Herr Mischo, ich kontaktiere Sie auf diesem Weg bezüglich der Lärmbelästigung durch die Open-Air-Party-Location Wicki Beach.

Meines Wissens wurden Sie und andere Mitglieder des Schöffenrats bereits in dieser Angelegenheit um Abhilfe gebeten – nur hat dies offenbar kaum gefruchtet. Deshalb hier ein Versuch meinerseits:

Was als Lärm empfunden wird, ist in vielen Fällen subjektiv. Kaum einer liebt die Geräusche, die ein Presslufthammer erzeugt, aber beim Thema Musik (ein Symphonieorchester kann die Lautstärke eines Presslufthammers durchaus übertönen) gibt es bereits unzählige Empfindungen, die zum Teil sehr weit auseinandergehen.

Menschen unterscheiden sich auch deutlich in dem, was sie als anstrengend oder störend empfinden. Während der eine vor Rummel am liebsten flüchten möchte, kann der andere Stille nicht ertragen.

Nun müssen sich diese verschiedenen Menschen ihren Lebensraum teilen, und damit keiner unter den Vorlieben des anderen zu leiden hat, bzw. die Freiheit des einen beginnt, wo - wie wir alle wissen - die des anderen aufhört, gibt es Regeln, die das Zusammenleben überhaupt erst ermöglichen.

Die Gemeinde Esch hat ein «Règlement de police» - theoretisch könnten die dort festgehaltenen Regeln mich wenigstens an bestimmten Tagen und zu bestimmten Uhrzeiten vor Lärm schützen. Praktisch nützen mir diese Regeln in diesem Fall aber nichts, da Sie, Herr Bürgermeister, den Wicki-Beach-Veranstaltern die Genehmigung für die Art und Weise wie sie ihr Etablissement betreiben, erteilt haben.

Konkret: Kein Escher darf an einem Sonntag einen Rasenmäher benutzen, aber der stundenlange Wicki-Beach-Lärm ist erlaubt.

Wenn ich also an einem heißen Wochenende bei mir zu Hause im Quartier Hiehl nicht hinter verschlossenen Fenstern brüten will oder mich gar auf meinem Balkon aufhalten möchte, muss ich während Stunden plärrende Partymusik, oft gespickt mit dröhnenden Sirenenklängen und Animationsgekreische über mich ergehen lassen.

Mir gefällt das nicht (dass es anderen gefällt, will ich keineswegs werten). Dennoch muss ich das Ganze über vier Monate hinweg, an fünf Tagen pro Woche und 6 bis 7 Stunden pro Tag und an jedem Wochenende - an dem ich nach einer anstrengenden Arbeitswoche Erholung suche - ertragen. Die Wickringer, die sich der Belästigung durch Wicki Beach entledigen konnten, mussten «nur» an Sonntagen dran glauben.

Ich kann mir nicht einmal sagen, dass der Lärm, so nervig er auch ist, einfach sein muss, wie das z.B. bei einer Baustelle der Fall wäre. Nein, dieser Lärm ist völlig unnötig: Würde er in einem geschlossenen, schallisolierten Raum verursacht werden oder würde die Lautstärke an ein Open-Air-Setting angepasst werden, wäre alles kein Problem.

Gehörschädigend ist das Ganze von meiner Warte aus zwar noch nicht, aber immerhin so laut, dass man jedes einzelne herüberschallende Musikstück mit einer App identifizieren kann.

Schon weit geringere, als lästig wahrgenommene Lautstärken, denen man sich nicht entziehen kann, können körperliche Stressreaktionen auslösen und so auf die Dauer krankmachen (sollte das Thema Sie interessieren, finden Sie einiges an Forschungsliteratur dazu).

An dieser Stelle möchte ich Sie an eine Pressekonferenz erinnern, die Sie zusammen mit den Wicki-Beach-Betreibern Anfang April abgehalten haben. Hier wurde noch versichert, dass, um die Anwohner so wenig wie möglich zu stören, mit speziellen Anlagen dafür gesorgt werde, dass die Musik kaum nach außen dringe.

Ich fordere Sie auf, das damals gegebene Versprechen endlich einzuhalten, Ihrer politischen Verantwortung in dieser Sache nachzukommen und die betroffenen Escher vor der extremen Belästigung durch Wicki Beach zu schützen.

Ansonsten müssten Sie sich schon der Frage stellen, ob Sie in dieser Angelegenheit dem Wohl vieler Escher Bürger einen geringeren Stellenwert beimessen als Ihrem guten Einvernehmen mit einem kommerziellen Party-Veranstalter.

Hochachtungsvoll,

Simone Heiderscheid