Eise Lieserbréif-Auteur stellt d'Fro, firwat esou vill nach nei Wunnhaiser ofgerappt ginn.

Wer in unserer heutigen Zeit, ohne Scheuklappen durch unsere Dörfer fährt, dem fällt unweigerlich auf, dass sich der bisherige gewohnte Anblick  verändert hat, durch den Abriss vieler quasi noch neuer Wohnhäuser. Der meiste so zerstörte Wohnraum wurde in den 1950er, bis Mitte der 60er Jahren erstellt. Wobei in der Regel, das Ehepaar welches sich jenes Dach über dem Kopf erbaute, dies oft eigenhändig erarbeitete, oder wenigsten bei dessen Erbauung kräftig mit Hand anlegte. Jene Häuser umgab öfters noch ein Garten. Nun wird an Stelle des quasi neuwertigen Wohnhauses, nebst Gemüsegarten ein seelenloses, kastenförmiges, super isoliertes Mehrfamilienhaus erstellt. Sicherlich wird in wenigen Jahrzehnten, an Stelle einer heutigen Kirche, ein Wohnsilo stehen. Die nun dort einziehenden neuen Einwohner schmachten in aller Regel unter der Höhe der zu zahlenden Miete, und verlieren unweigerlich innerhalb von wenigen Jahren, jeglichen reellen Bezug zur Natur. Auch bei den noch vom Abriss verschonten Wohnhäusern, verschwinden fast überall die einst mit Stoltz unterhaltenen, mit Blumen übersäten Vorgärten. Eine dicke Plastikfolie überdeckt den Boden wo einst eine Blumenpracht erblühte, und Kries tritt an deren Stelle. Dass dort nach wenigen Jahren, dennoch Unkraut seine Existenz anmeldet, scheint keinen dieser Zeitgenossen bewusst zu sein. Diese werden dann zur chemischen Keule greifen müssen, um ihre Kieselsteinen wieder Geltung zu verschaffen.

Auch manche Areale, wo über mehrere Jahrhunderte Menschen mit Stoltz einen Garten bewirtschafteten, werden heute Mehrfamilienhäuser erbaut. Stellt sich nun die Frage: Lagen in dieser Zeit die vormaligen Generationen falsch, oder fährt unsere heutige Generation in die falsche Richtung?

Bei dem heute von der Politik angestrebten dauernden Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum, mögen wohl das Abreissen neuer Häuser, und das Verschwinden der Gärten berechtigt sein. Doch es scheint jenen Populisten nicht bewusst zu sein, dass es in der Natur   kein dauerndes Wachstum gibt. Die in solchen Wohnsilos untergebrachten Menschen sind gezwungen, zu einer Wegwerfgesellschaft zu werden, denn ihrem engen Wohnraum ist weder Platz für Essensreserven, Bücher, und nicht abgetragene Kleider. Nur noch durch verschwenderisches Wegwerfen kann eine solche Wirtschaft am Laufen gehalten werden. Das Bedenkliche am Abriss der vielen quasi jungen Häusern, ist die gezielt verschwiegene Tatsache, dass das Lebenswerk eines arbeitsamen Ehepaares, nun zu Bauschutt degradiert wurde. In der Denkweise des Zukunftsexperten RIFKIN, wären diese nun erbauten Häuser schon nach wenigen Jahren wieder überlebt, denn bei seiner „dritten Revolution“  müssten die Wohnsilos höher werden, mit Gärten auf den Flachdächern. Wie dieser Experte sich aber vorstellt, dass nun Menschen die seit Generationen keine Gärten mehr bebaut haben, ohne jegliches Vorwissen, mit teurer Bewässerung, nun einen Dachgarten bepflanzen könnten, übersteigt meine geistige Vorstellungskraft.

Gust Wester, Sprinkingen