Eise Lieserbréif-Auteur schreift iwwert "Fließbandmethoden" bei der Anäscherung.

Bin ein langjähriger Befürworter dieser Bestattungsart, und dies auch heute noch. Es ist nicht zu leugnen, dass in unserm Ländchen, immer mehr Menschen sich für die Feuerbestattung entscheiden. Doch leider hat die Mehrzahl jener Personen, nicht die geringste Ahnung vom technischen Ablauf des Einäscherungsvorganges, und darüber informiert sie auch leider keiner. Es ist deshalb zu befürchten, dass Anbetracht jener Unwissenheit und die Zunahme von deren Beliebtheit, diese Bestattungsart mit der Zeit zu einer gewissen Müllentsorgung degradiert, und leider unausweichlich in einem Skandal münden wird.

Hier war per großherzogliches Reglement genau  vorgeschrieben gewesen, dass jeweils nur ein Verstorbener in Einäscherungsoffen eingeäschert werden dürfte. Doch nun ist man mit dem Segen des politischen Vorstandes des SICEC, diesbezüglich zu Fließbandmethoden übergegangen. Im neulich installierten Einäscherungsoffen befinden sich gleich 3 Verstorbene, in 3 unterschiedlichen Einäscherungsstufen in gleichen Einäscherungsoffen. Das mag wohl in der Theorie technisch möglich sein, vorausgesetzt dass in Folge der Hitze, kein durchaus vorstellbares technisches Problem sich einstellt, und als Folge die Aschen der 3 Toten unweigerlich vermengt werden.

Von den politisch und administrativ Verantwortlichen wurde aber bewusst ignoriert, dass jeder Mensch, auch als Toter, gewisse körperliche Unterschiede aufweist, sei es durch Gewicht, oder kräftigeren Knochenbau. Beim Gewicht der Verstorbenen könnte noch gruppiert nach gewissen Gewichten vorgegangen werden. Doch wie in einem solchen Offen, dann die Einäscherung nach der Stärke des jeweiligen Knochenbaues, oder bei Osteoporose, individuell nach den erforderlichen Begebenheiten angepasst werden kann, übersteigt meine geistige Vorstellungskraft.

Ferner besteht seit vielen Jahren zu Hamm die Tendenz, die Anwesenheit der trauernden Familie möglichst zu vermeiden. So gab es bis um 1998 noch bei gezielt verschwiegener Möglichkeit, nach Anfrage, die vom Architekten vorgesehene Möglichkeit, dass die Hinterbliebenen von einem speziellen Raume aus, hinter einer Glasscheibe dem Einschieben des Sarges in den Einäscherungsoffen zusehen konnten. Auch hatte der humanistisch denkende Architekt die Möglichkeit eingeplant, dass der Sarg mit dem Verstorbenen, am Ende der Abschiedsfeier ins Untergeschoss zu den Einäscherungsöfens   abgesenkt werden könnte. Doch es hat beim hiesigen Krematorium immer mehr den Anschein, dass die Präsenz der Familie die schnelle Entsorgung von Verstorbenen nur stören wird. Die Leiter des Krematoriums verfahren nicht nach menschlichen Gesichtspunkten, bei welchen der Ablauf der Verabschiedung, je nach Gravität des Sterbefalles unterschiedlich ablaufen kann. Beim hiesigen Krematorium geht er vornehmlich um die Einhaltung des Zeitplanes. Als Ausrede spricht man von Personalmangel, und ungenügenden Räumlichkeiten zur Abhalten einer Abschiedsfeier. Doch all dies scheinen nur  vorgeschobene Ausreden zu sein.

Es muss doch auch die Frage erlaubt sein, ob nicht nur der Waldfriedhof die einzige würdige Möglichkeit bieten zum Ausstreuen der Aschen? Streuwiesen sind hierzu kaum geeignet, denn dort riskieren die Aschen der Verstorbenen über den Rasenmäher im Kompost zu landen. Heute ist es diesbezüglich aber so wie im dekadenten römischen Imperium vor ihrem Zusammenbruch, wer eine schlechte Nachricht überbringt, bekommt geistige Prügel.

Gust Wester