Eise Lieserbréif-Auteur schreift iwwert d'Behuele vu Leit nom Tornado.

Was die hier tätig gewesenen Hilfsdienste innerhalb weniger Tage geleistet haben, ist selbst für Leute mit praktischer Begabung, noch kaum vorstellbar gewesen, und verdient volle Achtung. Ihre selbstlose Tätigkeit bis an den Rand ihrer Erschöpfung, wäre später mit entsprechender Würdigung zu ehren. Besonders erwähnenswert ist das fachliche Können jener Helfer, die oft in schwieriger Position Abdichtarbeiten an Dächern vornahmen, und dies auf einem Gebiete, welches ihnen in der Regel nicht unbedingt beruflich vertraut gewesen ist. Dies verdeutlicht dass auch Menschen welche über kein Universitätsdiplom verfügen, jenen Akademikern im praktischen Leben weitaus überlegener sein müssen. Aber auch diesen selbstlosen Helfern wird kaum entgangen sein, wie unbekümmert und teilnahmslose die in jenen Strassen wohnenden Zeitgenossen, die kaum oder keine Schäden an ihren Wohnungen hatten, den Tätigkeiten jener freiwilligen Helfern zuschauten. Das wird sicherlich bei einigen jener Helfer innerlich die Frage aufgeworfen haben, ob ihr Einsatz überhaupt gewürdigt wird. Kaum war der Wirbelsturm vorbei, sah ich zu Petingen in einer Strasse, wo manche Häuser schwer beschädigt gewesen waren, eine Armada von Gaffern mit Handy bewaffnet, um am Ort der Verwüstungen Fotos von Trümmerteilen zu machen, oder diskret jene Betroffenen zu fotographieren, welche verstört vor den Trümmern ihres Lebenswerkes standen. Es war für diese Katastrophentouristen scheinbar unter ihrer sozialen Würde, auch nur ein Wort mit den Betroffenen zu reden. Sie beschritten das Trümmerfeld ähnlich wie ein Feldherr,  nach gewonnener Schlacht das Feld der Ehre, diesmal wohl nicht übersät mit Leichen, aber mit allerlei Trümmern.

In manchen weniger betroffenen Wohnsilos,  zogen sich die Bewohner kampflos und teilnahmslos vor den Fernseher zurück. Glaube kaum dass jene nun an der Verfeinerung einer akademischen Doktorarbeit feilten. Nur ein fast 77jähriger , nicht direkt betroffener Rentner, entwürdigte sich mit einer Bürste bewaffnet, um Bürgersteig und Garageneinfahrt vom Schutt zu entfernen. Als er dann noch auf der Strasse Nägel und Glasscherben und Bleche aufhob, bewegte dies keinen einzigen Gaffer,  dies diesem marginalen der Gesellschaft nachzuahmen.

Mir wurde berichtet, dass in unserm Dorfe eine Frau am gleichen Abend, in ihrer Strasse 2 Säcke mit Zeitungen, Plastik und Glaswolle einsammelte, welche von Niederkerschen herbei geflogen sein mussten, denn in der Gemeinde Dippach war kein einziges Haus beschädigt worden. Doch auch ihr gutes Beispiel scheint nicht ansteckend gewesen zu sein, sonst hätte ich am folgenden Tage nicht ihr Werk weiterführen müssen. Mein Archiv bereichert nun ein Stück Tageblatt vom 9. September 1970 und ein Lux Wort vom 31. August 1968, was ich bei dieser belächelten Aktion aufhob.

Ein Lob verdient auch der Aufruf des nicht betroffenen jungen Deputierten Max Hahn, der kein politischer Freund von mir ist, welcher gleich am folgenden Tage dazu aufgerufen hatte, den Bauern zu helfen in den Viehpferchen die von Bascharage herbei geflogenen Teile, insbesondere die Glaswolle einzusammeln. Grausam war es auch zu sehen, welche Armada von inländischen Touristen, sich am Sonntag den 11. August mit ihren teuren Autos, das Unglück der Betroffenen vor Ort ansahen, und die Hilfskräfte behinderten. Auch waren bereits Betrüger in Aktion, um mit List die Sinistrierten schamlos abzuzocken. Bestimmt schmiedeten auch bereits Baulandspekulanten an Plänen, wie man nun beschädigte Häuser billig erbeuten könnte, um dort dann seelenlose Wohnsilos zu erbauen.

Gust Wester