„Der Kultivierte bedauert nie einen Genuss. Der Unkultivierte weiß überhaupt nicht, was ein Genuss ist.“ So Oscar Wilde sehr richtig.

Und einer dieser Unkultivierten ist der rechtsradikale Jair Bolsonaro, der mit zweitem Vornamen pikanterweise Messias heißt. Dieser Unkultivierte sorgt  heuer „brandaktuell“ als Brasiliens Präsident jedenfalls für so manchen Wirbel ohne Aussicht auf Erlösung auf diesem Planeten und sein heuer auf der ganzen Welt völlig berechtigt negativ kommentierter Name, ähnlich wie übrigens der seines amerikanischen Pendants Donald Trump,  gibt für unsere Mutter Erde wohl eher – „intellektuell“  betrachtet –   Anlass für  messianische Hoffnungslosigkeit als für eigentliche Hoffnung. Ein Planet, der immer mehr in einen besorgniserregenden Zustand gerät. Droht uns nicht doch tatsächlich die Apokalypse, sprich der Untergang, das  Unheil, das  Grauen – wozu der zitierte „Messias“ aus Brasilien jedenfalls sehr engagiert so manche Beiträge leistet, statt zu einer  messianischen Haltung der Hoffnung auf eine neue, bessere Zeit überzugehen – mitnichten, wie man leider feststellen muss. Apokalypsen sind ebenfalls aufregende, bildgewaltige Texte über das bevorstehende Ende der Welt, die in aller Regel zum Kampf in dieser Welt aufrütteln…wie das in diesem Falle auch sein müsste –  Stichworte: Regenwald, Mercosur…(siehe weiter im Text). Doch im Sinne dieses Beitrages erst mal der Reihe nach:  Der Genuss von gesundem Essen und Trinken ist ein menschliches Grundbedürfnis, der allerdings (bildlich betrachtet) mit der aktuellen EU-Küche höchst unzulänglich befriedigt wird. Zu viele Köche, die nur Geld verdienen wollen, verderben den Brei – und spucken auch noch in die gemeinsame Suppe. Um eine bäuerliche Landwirtschaft zu fördern, die dieser Bezeichnung auch würdig ist, und um natürliche Ressourcen zu schonen, braucht die EU im Sinne einer nachhaltigen,  gemeinsamen Agrarpolitik neue, strikt zu respektierende Regeln, die auf den Grundwerten Umweltschutz und Solidarität beruhen müssen. Ein Leitbild dafür kann eine Form der Ernährungssouveränität sein: gutes Essen und gutes Leben für alle! Die Stimmen, die jedes Land und jeden Kontinent dazu auffordern, sich vorwiegend selbst zu versorgen, statt wie die EU es tut,  fremde Böden zu plündern (ja darüber  sprechen wir nicht so gern!)  indem man Lateinamerikas Regenwälder für den Anbau von Gensoja als europäischem Tierfutter opfert, werden immer lauter! Der ehemalige UN-Umweltchef Klaus Töpfer drückte dies so aus: „Europas Rinder weiden am Rio (de la) Plata “, dem „Silberfluss“, der die Grenze zwischen Argentinien und Brasilien sowie zwischen Argentinien und Uruguay kennzeichnet. Und da kommt unser erwähnter brasilianischer „Messias“ Bolsonaro wieder ins Spiel, unter dem die Abholzung der Regenwälder sich nur noch verstärkt hat und dessen Topberater (cf.  Spiegel Online : „Der Präsident, dem Klima und Umwelt egal sind“) bereits ankündigte, sich mit dem UN-Klimavertrag (Zitat) „den Hintern abzuwischen“.

Das ist in der Tat das Niveau, auf dem sich leider nicht nur dieser wahrlich armselige Präsident Brasiliens bewegt und wegen dessen mehr als dramatischer Umweltpolitik von einigen Ländern der EU eine Blockade des Freihandelsabkommens Mercosur, der abgekürzten Bezeichnung für den „Gemeinsamen Markt Südamerikas“ angekündigt wird. Doch wir Europäer, und damit zurück zum Titel, sollten uns endlich von unseren Böden weitgehend selbst ernähren. Was wir an Kaffee, Kakao und Bananen einkaufen, sollten wir fair bezahlen! Direktzahlungen öffentlicher Gelder, sprich Leistungen aus Steuergeldern an Agrarbetriebe nach Flächengröße gehören abgeschafft und wer diese Steuergelder erhält, sollte dazu verpflichtet werden, ihm anvertraute Gemeingüter wie Böden, Luft, Flüsse, Grundwasser, Wiesen und Wälder ökologisch zu schützen und Tiere artgerecht zu halten. Nicht diejenigen, die Masse produzieren, sollen belohnt werden, sondern jene, die Klasse produzieren, Natur und Klima schonen und gesunde Lebensmittel herstellen –  Stichwort: Biolandwirtschaft! Pestizidfreie Gemeinden, die ohne Gift wirtschaften und so die stark bedrohte Artenvielfalt schützen, sollten, so die Organisation „We move EU“, gefördert werden und das in partizipatorischen Prozessen, die von lokalen Behörden, Bauern und Konsumenten zusammen erarbeitet werden können. Landwirte und Gärtner, die im „EU-Haus mit Garten“ Humus aufbauen, und das mittels Pflanzenkohle, so die Organisation weiter, sollten ebenfalls belohnt werden. Humus, der Anteil abgestorbener Organismen im Boden, ist ein Schlüsselelement, das die Bodenfruchtbarkeit sowie die Ernten steigert, den Wasserhaushalt reguliert, das Treibhausgas CO2 aus der Atmosphäre holt und es in der Erde in Form von Kohlenstoff – der  zu den Grundlagen des Lebens auf der Erde gehört – lagert. Ein Prozent mehr Humus auf den globalen Böden kann den CO2 – Anteil in der Luft auf ein weitgehend ungefährliches Maß bringen  (cf. Ute Scheub, Stefan Schwarzer – „Die Humusrevolution“ -  München 2017).

Ein anderes Leitbild in diesem Gesamtkontext könnte wahrlich  dem „Haus mit Garten EU“ , und somit unserer Mutter Erde allgemein,  so viel bringen…

Man darf jedenfalls auf die entsprechende EU–Politik der nächsten Jahre gespannt sein!

Frank Bertemes