"Alle möglichen Jesuiten kann man finden, sogar ungläubige; nur einen demütigen wird man nie treffen." (Diderot)

Und noch: Nicht an Mut, sondern an Demut fehlt es ihnen, den Jesuiten. So jedenfalls der französische Philosoph und Schriftsteller der Aufklärung Denis Diderot in persönlicher Einschätzung  dieses besonderen Männerordens der katholischen Kirche, der Elitegruppe des Vatikans, der von Ignatius von Loyola gegründet wurde. Keine klösterliche Abgeschiedenheit, keine Ordenskleidung, kein Chorgebet. In der Seelsorge gelten für die Jesuiten keine Abgrenzungen – und demzufolge keine (Macht-) Grenzen! Alles, was dem Einfluss der Kirche von Nutzen ist, gehört zu ihrem Arbeitsgebiet, die Kanzel des Jesuiten kann das Dach eines Camping-Busses, der Kran auf einer Baustelle oder das Plenum der UNO sein. Für die Jesuiten gilt das besondere Gelübde des Gehorsams dem jeweiligen Papst gegenüber. Sehr einfach: sie sind in der Person eines nicht unumstrittenen Argentiniers jetzt selbst Papst und heuer brandaktuell ist dann auch ein höchst einflussreicher Erzbischof aus „unserem“ Marienland nun ebenfalls als wichtigster Geistlicher einer von jenen im Range der höchsten Würdenträger nach dem Papst: Wir sind nun Kardinal! Eben! Was eigentlich – und das ist unbestritten –  ob der eindeutigen  Kompetenzen und der hohen Bildung der Person des nun designierten Kardinals, der in letzter Zeit (wohl nicht umsonst!) mehr im Ausland unterwegs, als hierzuländchen anzutreffen war, eigentlich doch wenig verwundert. Der Weg ist bekanntlich das Ziel – und dieser sehr zielorientierte Weg war durchaus kein Zufall, wenn man sich die kircheninterne Karriere dieses hochintelligenten, taktisch phantastisch „jesuitisch“ agierenden Erzbischofs innerhalb der Machtkirche der Una Sancta Catholica einmal völlig neidlos näher ansieht. Er brachte es jedenfalls genial fertig, dies auch mittels intelligenter personeller Delegation und guter Einteilung der entsprechenden Aufgabenbereiche die sehr delikate Reform – Mission „Trennung von Kirche und Staat“ und  den Einfluss der katholischen Kirche im Kontext Laizismus (siehe Abschaffung des Religionsunterrichtes) neu auszurichten, sowie die (freundlich ausgedrückt) historisch gewachsenen Geheimaktionen in Sachen Geld-  und Güterverwaltung  der diversen lokalen Kirchenfabriken in einem recht kurzen Zeitraum zu sprengen und somit die Finanzen und Güter (zum Leidwesen der Lokalmatadoren der mehr als fragwürdigen Kirchenfabriken) in einem nun seit rund einem Jahr existierenden Kirchenfonds zu zentralisieren. Doch man vergesse nie: für die Jesuiten ist das Gold verschwiegen… oder auch noch, so jedenfalls ein aussagekräftiges spanisches Sprichwort: „Schütze Deine Frau vor den Mönchen und Dein Geld vor den Jesuiten.“ Man lasse sich eben nicht blenden: Es dürfte dem kritischen Beobachter klar sein, dass die katholische Kirche, Filiale Marienland, bestimmt nicht ärmer geworden ist und der Terminus „Laizismus“ mit höchster Vorsicht zu genießen ist…

Irdische Macht – ein himmlisches Vergnügen! Die Patres der Gesellschaft Jesu (SJ)  beherrschten, historisch gesehen, immer die Kunst ihre hochgebildeten Vertreter in Schlüsselstellungen unterzubringen. Wer im Ruf steht, mit angeklebten Bärten, in abenteuerlichen Verkleidungen, mit falschen Pässen, als Bombenleger, Untergrund-Kämpfer, Fallschirmspringer  und Drahtzieher hinter den Kulissen quer durch die Jahrhunderte, historisch beweisbar (cf.:  Die Jesuiten – Giftmischer oder Heilige? – ein packendes, kritisch engagiertes Buch des Autors Manfred Barthel zum hier visierten Topic, spannender als ein Krimi, so ein Presseurteil) braucht sich jedenfalls nicht zu wundern, immer wieder in der Kritik zu stehen – nur: das hat die Jesuiten in ihren diversen Aktionen oder ihren Methoden noch nie besonders gestört. Anpassung an die Gegebenheiten – eine der Jesuitenparolen quer durch die Jahrhunderte bis in unsere Tage.

Dass es allerdings trotz aller Begeisterungsstürme deutliche Kritik am heuer designierten Kardinal vonseiten engagierter gläubiger Menschen in unserem Lande (siehe einen woxx-Artikel dieser Woche) gibt – Zitat: „Ein Skandal für jeden Gläubigen!“–  geht natürlich in ebendieser allgemeinen Begeisterung unter. Dass dem Erzbischof in einem engagierten Statement eines gläubigen Luxemburger Philosophen Feigheit, Schwäche, absichtliche Entfernung, sprich Flucht vor den immensen internen Problemen innerhalb der luxemburgischen „Amtskirche“, sowie darüber hinaus das absichtliche Ignorieren manifester Intrigen, gar herrschendem Rassismus (sic!) („Do hu mir et jo, dee Schwaarzen ass ee Lidderegen.“ –  einem  nicht gerechtfertigten Vorwurf einem dunkelhäutigen Pfarrer gegenüber) innerhalb gewisser katholischer Kirchengemeinden vorgeworfen wird und er entsprechende schriftliche Anfragen völlig  ungeniert  ganz einfach unbeantwortet lässt, ist doch schon ein starkes Stück, das aufhorchen lassen müsste!

Nur: Da schweigt des Sängers Höflichkeit, darüber möchte man nicht reden...

Nicht nur deshalb ist für den Atheisten, der hier schreibt – und er erlaubt sich auch in diesem Kontext ein Zitat von Maître Gaston Vogel in Abwandlung zu bemühen  – dieser weitere Sprung des Erzbischofs dieses Landes auf der Karriereleiter der katholischen Kirche nichts weiter als ein „Non-Event“! Völlig irrelevant, ohne weiteres Interesse…

Übrigens wollte die woxx eine offizielle Stellungnahme der katholischen Kirche zu den sehr ernst zu nehmenden Vorwürfen mittels entsprechender Anfrage erhalten – Keine Reaktion!

Gott ist ein Komödiant, der vor einem Publikum spielt, das zu ängstlich zum Lachen ist.“

So Voltaire

Wie die Jesuiten? Im Jesuitentheater?

Frank Bertemes