"Wer vorsieht, ist Herr des Tags." Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

Wenn wir nichts zu verbergen haben, wieso werden wir dann überwacht? Wenn ich nichts falsch gemacht habe, wieso wird dann meine Privatsphäre verletzt?

Die Privatsphäre, die eigentlich  nicht dazu da ist, dass man etwas verstecken kann, denn dafür war diese nie gedacht. Sie ist dazu da, dass man sie schützt. Punkt. Das müsste man als weiteren Kommentar zu diesen einführenden Statements ob der gängigen Praxis der modernen Form der Massenüberwachung oder der permanenten Angriffe diverser Art mittels Daten oder Kameras auf unser aller Alltagsleben noch hinzufügen. Kontrolle, immer mehr, immer intensiver. Und das bestimmt nicht nur im Interesse unserer Sicherheit, was immerhin verständlich ist. Nur: darf ein moderner  Rechtsstaat es ohne weiteres zulassen, dass Privatkonzerne wie Google, Facebook oder Amazon, Datenklau – oder Missbrauch im Internet völlig hemmungslos und ungestraft, weil eben nicht illegal,  betreiben dürfen? Müssen vielleicht auch dafür riesige Datenzentren errichtet werden, um möglichst viele private Daten der Bevölkerung zu speichern, auf die man dann zu gegebenem Moment locker Zugriff haben kann und die praktischerweise vorher noch zwecks Profit von den genannten Netzgiganten gewinnbringend ge- und benutzt werden dürfen? So eine Behauptung kann natürlich nur eine bösartige Unterstellung darstellen… Nur: Mit der rasch fortschreitenden Digitalisierung der Gesellschaft wird der Datenschutz immer wichtiger. Die Zunahme von Diebstählen von schützenswerten Daten und das auch durch Cyberkriminelle hat den Sicherheitsbedarf nur noch erhöht. Nur: Wer ist denn hier kriminell?

Das alles betrifft den Otto Normalo als Bürger jedoch (scheinbar) wenig, denn im Sinne dieses Beitrages hat sie oder er doch….nichts zu verbergen!? Ein fataler Irrtum… Ich habe doch nichts zu verbergen, oder? Wer nichts zu verbergen hat, der hat auch nichts zu befürchten. So sagen so manche, die den heute allgegenwärtigen Alltagsspruch vieler moderner Netzbürger in ihren oft sehr unvorsichtigen Internetaktivitäten lapidar zu verteidigen versuchen. Netzbürger, die so ziemlich alles von sich im Internet und besonders in den diversen sozialen Medien preisgeben, was sie im realen Leben niemals tun würden – und allerdings damit oft nicht wissen, wie sie sich selbst damit schaden, schlimmer noch: einigen, viel zu vielen eigentlich, ist es ziemlich gleichgültig. Eine Gleichgültigkeit, die ihren Preis haben kann – spätestens nämlich dann, wenn man sich selbst damit geschadet hat – dann ist es jedoch leider zu spät!

Begründet  wird die angeführte Bemerkung, dass wer nichts zu verbergen hat, auch nichts zu befürchten habe, nämlich damit, dass es doch unerheblich sei, ob Regierungen oder Netzgiganten persönliche Daten, E-Mails, Telefongespräche, Webcam-Bilder, angezapfte Sprachassistenten oder banale Internetsuchen sammeln wollen – weil  man doch …nichts finden wird, was für sie von Interesse sein könnte. Klingt doch einleuchtend oder?

Normalerweise führen Regierungen gezielte Überwachungen durch, wenn sie eine Person oder eine Gruppe aus einem konkreten, legitimen Anlass beobachten und deshalb u.a. die Internetaktivitäten einer verdächtigen Person überwachen. Und dazu gibt es juristische, gesetzlich vorgesehene Prozeduren. Und das ist auch  gut so! Wenn allerdings (und das Thema dürfte heuer immer aktueller werden) willkürlich alle Personen beobachtet oder unsere Kommunikation diverser Art überwacht werden kann, ohne dass ein berechtigter, konkreter Verdacht auf kriminelle Aktivität besteht, dann darf man unterstellen, dass wir alle wie potentielle Verbrecher behandelt werden und dass jedes Detail unseres Privatlebens als verdächtig gelten kann. Unsere Haushalte werden immer mehr kontrolliert, teils freiwillige oder auch unfreiwillige Datenfreigabe (siehe beispielsweise die „harmlosen“ Smartmeter, die uns allen aufgrund einer EU-Direktive im Haus installiert werden) sind bereits Alltag. Was speichern die so alles und was geschieht mit den Daten?

Alles harmlos, nichts zu verbergen?

Wir alle tun täglich Dinge zu Hause, die wir in der Öffentlichkeit nie tun würden – und das ist durchaus legitim und liegt bestimmt nicht daran, dass wir etwas zu verstecken hätten, sondern daran, dass wir ein Recht auf Intim – und Privatsphäre haben! Ist eine Webcam im Bad oder im Schlafzimmer oder sind Drohnenkameras über dem Dach etwa kein Problem?

Dieses (nervige) Thema des (vermeintlichen) „Nichtszuverbergenhabens“ kann man durchaus noch weiter „spinnen“. An dieser Stelle sei in der vorliegenden Kurzform nur folgendes zusammenfassend bemerkt: Niemand hat irgendein Recht auf den Missbrauch privater Daten!

Es gilt allerdings ebenfalls das Prinzip der Eigenverantwortung: Wir geben den Netzgiganten nämlich dann, wenn  wir sagen, „nichts zu verbergen“ zu haben, ganz einfach unser Einverständnis !

Und deshalb gilt: Wer vorsieht….

Frank Bertemes