Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorauszusagen, sondern darauf, auf die Zukunft vorbereitet zu sein.

Perikles (um 500 - 429 v. Chr.), athenischer Politiker und Feldherr Nach dem Brexit-Referendum vor knapp drei Jahren hatte er sich als unbändiger Austrittshäuptling hervorgetan. Danach war er erst mal ein paar Tage verschwunden, sozusagen auf Tauchstation gegangen. Vielleicht hatte auch Boris Johnson nicht mit einem „Sieg“ gerechnet und war erschrocken; vielleicht begann es auch ihm langsam zu dämmern, was demnächst auf Land, Leute und Politik zukommen würde. Heuer ist er voll drin, im Brexit-Taumel mit drohenden Konsequenzen. Und scheint sich pudelwohl zu fühlen – die Reaktionen der anderen EU-Völker  scheinen  ihn kalt zu lassen.  Oder will er, das Paradebeispiel einer höchst umstrittenen, gar chaotischen Politfigur als Lakai des Kapitals, das mit allen geregelten und ungeregelten Mitteln erreichen, was dieses von ihm verlangt? Eine britische Freihandelszone, die für schmutziges Geld wieder interessant werden soll um mit einer laschen Finanzmarktregulierung möglichst viele Investoren anzulocken? Wahrlich eine Kriegserklärung an alle Finanzplätze – Luxemburg inklusive, versteht sich. Der Brexit soll der Wirtschaft der Insel einen gewaltigen Schub geben - in London bedeutet Wirtschaft vor allem: Finanzbranche und 'City' – nur: wird dem so sein? Geht Johnsons Rechnung auf oder scheitert er kläglich?

Man sollte eines nicht tun, nämlich diesen Mann, der bei uns in Resteuropa generell wenig bis gar kein Ansehen genießt, zu unterschätzen. Der hochgebildete Johnson gilt als intelligenter Fuchs und als Kenner der Antike. Johnson, geboren in New York, aufgewachsen in Brüssel, begeistert von London, bewegt sich kulturell im liberalen Milieu. In seiner Partei steht er nicht am rechten Rand, sondern in der Mitte, in gesellschaftspolitischen Fragen sogar eher links. Wenn ihn etwas behindert, dann nicht Beschränktheit, sondern eine fast kindliche Begeisterung für alles „Große“ und ein gewisser Narzissmus, eine Gier, gemocht zu werden. Als Kenner der Antike hat er stets postuliert, dass nach dem für ihn unumgänglichen Brexit („Zitat BoJo: „do or die“) wieder Frieden in seine konservative Partei einkehren werde und darüber hinaus in die politische Landschaft Großbritanniens. Seine Sicht, die außerordentlich emotional besetzt ist, und die wir anderen kaum verstehen können, basiert auf dem tiefsitzenden Glauben an die Einzigartigkeit der Briten.  In Downing Street erzählte BoJo  nach Presseberichten erst kürzlich einer Schülergruppe, der griechische Staatsmann und bedeutendste Redner seiner Zeit Perikles sei seine politische Inspiration.

Den persönlichen Ruhm suchend, seine Stadt vor den Feinden rettend, seine Ideale verteidigend…

Die Gefallenen sind durch die Taten schon geehrt. So Perikles.

Nur: wohin wird der Brexit die Briten wirklich führen?

In den freien Fall?

 

BoJo – der Fatalist?

 

Frank Bertemes