Bis zu diesem Zeitpunkt war ich im Glauben ein unbescholtener Bürger dieses Landes zu sein. Das war ein Irrtum.

In meinem Berufsleben, wie in meiner Freizeit setzte ich mich mit Engagement für meine Gewerkschaft (OGBL) und im sozialen Bereich ein.

Aus einer Laune heraus fragte ich beim „Parquet Général“ nach ob eine Akte über meine Person vorhanden wäre.

Am 21. Februar 2014 bekam ich folgende Antwort: „Votre nom ne figure pas dans le fichier des locaux des Archives“.

Nun, ich wurde eines Besseren belehrt.

Per Einschreibebrief vom „Service Renseignement“ wurde mir dieses Jahr mitgeteilt ich könnte eine Kopie meiner persönlichen Akte bei der Verwaltung abholen (Article 5.2 de la loi du 23 juillet 2016).

Zum Inhalt des Dossiers:

Eine Art Steckbrief mit Foto (datiert 11. Oktober 1987) und persönlichen Daten.

Unter Objet:

  • Mitglied der Kommunistischen Partei
  • Mitglied und später Präsident des Arbeiterausschusses (Arbed Esch Schifflange)

Minutiös, mit jeweiligem eingetragenem Datum unter anderem:

  • Zwei Reisen nach Moskau
  • 1986-87-88: Publikation verschiedener kritischen syndikalistischen Artikel über die Stahlindustrie in der „Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek“ und im „Tageblatt“
  • Candidat PCL aux élections communales de Schifflange
  • Candidat PCL aux élections législatives Sud
  • Beteiligung oder Redner bei Konferenzen der Kommunistischen Partei
  • 13.09.1991: Démission du Comité Central et du Parti Communiste

Nach meiner Demission wurde meine Akte eingestellt.

Fazit: Bespitzelung nicht nur in der DDR, sondern auch in einer Demokratie wie Luxemburg.

Empört bin ich schon. Wie viele ahnungslose, unbescholtene Bürger wurden oder werden vielleicht jetzt noch, aus welchen Ursachen auch immer ausspioniert?