Unser Suchen kann kein Ende finden. Unser Ziel ist in der anderen Welt.

Michel de Montaigne (1533 - 1592), französischer Philosoph und Essayist Quaero. Wohl nie gehört. Um das Rätsel sofort aufzulösen, das ein bekennender „Suchender“ im Kontext „Google“ -  jedoch in völlig anderer Richtung als der heuer uns allen bekannten Vorgaben -  in  die Debatte einbringen will: Was ist Quaero? Nun, Quaero (lateinisch: ich suche) war ein französisches Projekt mit deutscher Beteiligung zur Finanzierung der Erforschung von Suchmaschinen. Das 2005 initiierte und zuletzt 2008 mit EU-Fördergeldern neu aufgesetzte Projekt wurde im Dezember 2013 endgültig für beendet erklärt, Millionen von Euro also einmal mehr in den Sand gesetzt – leider, muss man sagen.  Quaero sollte nämlich die europäische Antwort auf Google sein, ein von Jacques Chirac initiiertes Projekt einer (eben) europäischen Suchmaschine werden,  die Google dann Konkurrenz machen …sollte. „Wir müssen der globalen Herausforderung der amerikanischen Giganten Google und Yahoo begegnen“, sagte der kürzlich verstorbene französische Staatspräsident bei der Vorstellung seiner damaligen politischen Ziele. Es sollte eine neue Geographie des Wissens und der Kulturen entstehen, denn (Zitat Chirac) „…was morgen nicht online verfügbar ist, läuft Gefahr, unsichtbar zu werden.“

Na denn mal los, hätte man sich in europäischer Naivität wünschen dürfen. Nur: Wer kann schon gegen Google? Die ganze Welt katzbuckelt vor dem Internetgiganten und was hierzuländchen heuer so abgeht, dürfte trotz massiver Widerstände gegen das irrsinnige Datenzentrum, ein Projekt, das ob politischer Vorgaben, der digitalen Welt zu „Ehren“,  alternativlos zu sein scheint, wohl bis ins letzte Stübchen unseres beschaulichen, ach so top-modernen Marienländchens bekannt sein. Egal wie, und damit zurück zum eigentlichen Topic, der französische Staat steckte noch einige hundert Milliönchen (insgesamt zusammen mit dem deutschen Staat) in „Quaero“ bis das Projekt (wie erwähnt) im Jahre 2013 endgültig scheiterte. „Gutt geschafft“ - Top!

Klar ist dem kritischen Suchenden jedenfalls etwas: unschön und gefährlich ist „unsere“ alltägliche (und sehr wohl gewollte!) Abhängigkeit von den US-Internetgiganten. Noch und nöcher gesagt: Sie saugen unfassliche Mengen privater Daten ab und schufen damit auch indirekt eine neue, vieldiskutierte  Hassindustrie. Niedere menschliche „Trollfabriken“  produzieren Hassparolen am laufenden Band, einsame und frustrierte Bildschirmhocker (deren es leider immer mehr geben wird) kompensieren über Facebook und Co ihre sozialen Abstiegsängste – ein „Genuss“ der übrigens Zukunft hat!-  die (a)sozialen Medien haben die Erosion der Demokratie und den Aufstieg rechtspopulistischer Bewegungen begünstigt, Beschimpfungen und Beleidigungen sind „normal“ geworden. Mit einem dem Gemeinwohl verpflichteten Internet, das die Kultur der gesellschaftlichen Debatten schützt, würde das nicht passieren. Dafür aber müsste die EU eben attraktive Alternativen zu Facebook und Google fördern. Warum das trotz unserer reichen technologischen Möglichkeiten, trotz unseres Wissens und unserer Kompetenzen in Europa nicht geschehen ist, erscheint mehr als rätselhaft.

Quaero war ein Versuch, eine europäische Suchmaschine aufzubauen, das Internet als Gemeingut mit europäischem Erfolg und Reichweite zu erobern - „Ich suche“ allerdings  ein im Endeffekt millionenteures, kläglich gescheitertes Projekt – weil Google WEN bitte sehr unter Druck setzte? Egal wie: ihre Profit - Spielchen gehen munter weiter….

Unser Suchen sollte trotzdem im Sinne Montaignes weitergehen, das Ziel (siehe eben Quaero) allerdings noch in dieser Welt zu erreichen sein….

Frank Bertemes