Dass verlernt wurde, in gröberen Zusammenhängen zu denken, hat die im November stattgefundene Debatte zum Thema Pelzverbot in der Abgeordnetenkammer gezeigt.

Der Wunsch nach einem EU-weiten Verkaufs- und Importverbot von Zuchtpelz klingt natürlich in erster Hinsicht gut und einleuchtend. Welch normaler Mensch – und in diesem Kontext wird sogar dieser verpönte Ausdruck wieder gesellschaftsfähig – kann schon Tierquälerei befürworten?

Auf den ersten Blick scheint es auch sehr klar: Pelz ist ein Luxusgut, auf das jeder verzichten könnte. Wer aber Pelze nur mit Kapitalismus und „reichen Leuten“ in Verbindung setzt, ignoriert, dass die Pelzindustrie allein in Europa enorm viele Arbeitsplätze schafft.

Die Frage nach diesen Arbeitern und ihrem Schicksal im Falle einer Pelzprohibition in der EU, wird überhaupt nicht aufgeworfen. Sogar „déi Lénk“, die selbsternannten Verteidiger der Armen, verschwenden keinen Gedanken an sie- jene Pelzarbeiter, die sicherlich nicht alle einen neuen zukunftsorientierten Job im digitalen Bereich finden werden…

Und die adr? Befürchtet keinen Strom von Wirtschaftsflüchtlingen, der durch einen massiven Verlust von Arbeitsplätzen im Pelzgewerbe hervorgerufen werden könnte…

Hier heulen eben alle mit den Wölfen.

Es steht auber Frage, dass die Zustände auf Pelzfarmen nicht hinnehmbar sind. Ebenso wie jene, die bei manchen Milchbauern im Stall herrschen. Und Fleisch, das traditionell halal zubereitet wurde, hat keinen Platz inmitten einer ethisch vertretbaren Lebensmittelauswahl.

Neben also mehr Konsequenz und einem umfassenderen Handeln zum Wohle der Tiere allgemein, hätte man sich eine bedachtere Lösung als die Forderung eines Verbots von Pelz wünschen können. Eine, die sich auch mit den Konsequenzen für die betroffenen Menschen befasst hätte. Eine, die nicht den Schwarzmarkt und die damit verbundene Kriminalität massiv ankurbeln würde. Denn dass jener im Fall einer Sperre boomen wird, ist abzusehen…

Weiterhin scheint es, als ob beim Thema Tierschutz jegliche Hemmungen fallen dürften. So kommt es zu Bemerkungen, die in jedem anderen Kontext sofort die Vertreter des politisch Korrekten alarmieren würden.

Ein Blick sei auf die sozialen Medien geworfen. Auf Menschen, die Pelz tragen, solle man schieben- hieb es in einem Facebook-Kommentar. „Quietschegal“ sei ihr das Schicksal arbeitsloser Pelzhandwerker, meinte eine weitere Nutzerin.

Man stelle sich nun die gleichen Äuberungen im Bereich der Flüchtlingspolitik vor… die Empörung wäre-zu Recht- nicht auszudenken. Handelt es sich aber um Aussagen, die sich gegen Pelzträger richten, kommt niemand auf die Idee, das „Centre contre la radicalisation“ zu informieren…

Dies illustriert aber das infantile Denkschema der Gesellschaft sehr treffend. Jenes, das die Welt auf eine sehr oberflächliche Art in „gut“ und „böse“ einteilt, jegliche Hintergrundinformationen ausblendet und auf weitgehendere Überlegungen einfach verzichtet.

Weib die Politik dies nun auszunutzen oder ist sie selbst in diesem Schema verfangen ?

Kelly Meris