(Friedrich Nietzsche)

Als die Menschen Gott zum höchsten Wert hochstilisierten, schlug Friedrich Nietzsche Alarm. Im Christentum seiner Zeit sah er eine sinnentleerte, lebensfeindliche Religion. Sein Ausspruch vom toten Gott ist längst Kult geworden und hat ein Eigenleben entwickelt. Neben Nietzsche der Marxist Ernst Bloch, der als Beleg für seine humanistische Deutung des Neuen Testaments Jesu Worte aus dem Lukas-Evangelium zitiert: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch“ (Lukas 17,12) Bloch sprach vom „Atheismus im Christentum“ und Nietzsche vom „Antichristen“. Doch beide zielten keineswegs auf eine bloße Abkehr vom Christentum. Die beiden Philosophen suchten das „Menschliche, Allzu menschliche“ in der Religion. Nietzsche hat im Grunde niemals den mythischen Urgrund der Religion verlassen, nämlich das Heilige als das Menschen und Götter Einigende. Seiner scharfen Zivilisationsdiagnose stellte er das von Jesus gelebte Christentum entgegen: „Das Evangelium war doch gerade das Dasein, das Erfüllt Sein, die Wirklichkeit dieses ‚Reichs’ gewesen."-“ ‚Das Reich Gottes‘ ist nichts, das man erwartet: Es hat kein Gestern und kein Übermorgen, es kommt nicht in ‚tausend Jahren‘ – es ist eine Erfahrung an einem Herzen: Es ist überall da.“ Schon der Pantheist Albert Einstein äußerte ähnliche Gedanken und orientierte sich dabei am Musterbeispiel der pantheistischen,  ethischen Philosophie Baruch Spinozas…… Schon interessant, diese beiden Herren im religiösen Kontext zum Jahresende zu analysieren, zu der Zeit, in der die christlichen Kirchen die Geburt ihres „Erlösers“ wieder einmal hochtrabend und himmelhoch jauchzend mittels diverser Festivitäten unter der wortgewaltigen Fuchtel ihres (von unseren Steuergeldern) hochbezahlten Neukardinals und ihres  Weihbischofs  im Konsumhochrausch des auch christlich durchaus bestens gepflegten und gelebten Diesseits feiern – wir Atheisten,  Religionsresistenten oder Andersdenkenden doch lieber das Winterfest oder wie wir es eben nennen wollen, in ebenso feierlicher Laune zu genießen belieben. Gelebte und besonders vorgelebte Toleranz ist garantiert nicht unser Problem, sondern das der bekannt intoleranten Anhänger der Catholica, die sich in Sachen „Toleranz“ ob ihrer mehr als bedenklichen Geschichte doch tunlichst zurückhaltend äußern sollte…

Friedrich Nietzsche erteilt also den Vertröstungen auf ein besseres Leben im Jenseits eine klare Absage. Ebenso dem Glauben an ein übersinnliches Reich: In vorbereitenden Notizen zum Antichrist schreibt er: „Das vorbildliche Leben besteht in der Liebe und Demut; in der Herzens-Fülle, welche auch den Niedrigsten nicht ausschließt, im Glauben an die Seligkeit hier, auf Erden, trotz Not, Widerstand und Tod, in der Versöhnlichkeit, in der Abwesenheit des Zorns, der Verachtung.“ Eine sehr humanistische, gar pantheistische, eindeutig am Diesseits orientierte Aussage, die an Aktualität nichts verloren hat. Dieser sinntiefe, herrliche Satz beinhaltet einen zutiefst menschlichen Inhalt, der uns eigentlich innerlich aufwühlen und von allem religiösen Unsinn befreien müsste. Der jungen Generation kann man nur wünschen, sich nicht nur gegen Klimapolitik zu empören, gar zu revoltieren (und das völlig zurecht übrigens) sondern besonders auch gegen die Machenschaften und den ungeheuren Reichtum der christlichen Kirchen – Stichwort: Armut oder auch Wohnungsnot usw…Braucht man denn tatsächlich religiösen Irrsinn oder Dogmen, die eine Vergewaltigung des Denkens darstellen,  jedoch der massiven Volksverdummung leider immer dienlichen waren – im Sinne von „Haalt dir se domm, mir halen se kleng!“ – um in dieser Welt ein anständiger Erdenbürger zu sein? Mitnichten!

Doch diese Amtskirche, die nur noch jene brauchen, die völlig unfähig sind, einzusehen, dass ein „Jenseitsglaube“ nur eine Illusion im puren Interesse dieser geld- und machtgierigen Weltkirche „Una Sancta Catholica“  darstellt, will ohne sich selbst trotz gegenteiliger und verlogener Sprüche ihrer uns allen bestbekannten Protagonisten irgendwie fundamental in Frage zu stellen, eben genau das so weiterführen, was sie immer getan hat, nämlich mittels einer Fabelgestalt „Gott“ ihre Machtposition als scheinbarer Monopolist des „Spirituellen“ festigen. In dem Sinne scheint jede Intrige, jede Lüge (wie neuerdings die medial verbreitete, vermeintliche  „Pleite“ des Vatikans – man höre, staune und lache laut, oder aber weine!) ein willkommenes Mittel zum Zweck!

Erstaunlich und fast schon bemerkenswert ist es, sich darüber klar zu sein, dass diese Weltorganisation, die die katholische Kirche eben immer noch ist, trotz ihrer Historie tatsächlich immer noch ungeniert im Fokus des Weltinteresses steht. Wer kann diese Organisation, die von zumeist alten, frauenfeindlichen Männern geführt wird, denn in der Tat noch irgendwie ernst nehmen, eine religiöse, anerkannte  Staatssekte, die ihre Macht auf einen „Gott“ basiert, den noch niemand auf diesem Planeten irgendwie festgestellt hat?

Gott ist tot? Genau genommen kann er nicht tot sein, denn wie kann jemand tot sein, der nie gelebt, existiert  hat?

Frank Bertemes