Madame la Directrice Générale, Vous n’êtes pas sans savoir qu’en 1994, les vieux quartiers et les fortifications de la Ville de Luxembourg ont été inscrits sur la liste du patrimoine mondial de votre haute institution.

Or, avant et après cette inscription il y a 25 ans, les responsables politiques locaux et nationaux, de concert avec les hommes de l’art et les investisseurs immobiliers, ne cessent de détruire continuellement le patrimoine culturel et historique de cette Ville remarquable, sinon fantastique et unique.

Aussi les responsables locaux de l’UNESCO sont quasiment inactifs au niveau de la sauvegarde du patrimoine de la capitale du Grand-Duché. On a la nette impression que la célébration solennelle du 25ème anniversaire de la prédite inscription a été opérée par les responsables dans le but principal de se mettre personnellement en scène, alors qu’il était de leur devoir de prononcer publiquement un sincère mea culpa et de promettre une future amélioration sensible de la protection de l’héritage du bâti.

Dans cet ordre d’idées, je me suis permis de rédiger un texte public, basé partiellement sur des articles publiés dans la presse sous mon nom, un texte retraçant en quelque sorte les destructions les plus évidentes et visibles du patrimoine culturel opérées depuis la moitié des années 80 du dernier siècle sur le territoire de Luxembourg Ville.

Je vous prierais d’intervenir auprès les responsables locaux et nationaux en vue de voir arrêter définitivement les destructions gratuites, surtout du patrimoine historique de la capitale du Grand-Duché.

Veuillez agréer, Madame la Directrice Générale, l’expression de mes sentiments très distingués.

Daniel MILTGEN

Conseiller de Gouvernement honoraire   

25 Jahre Weltkulturerbe und kein bisschen weise

25 Jahre Weltkulturerbe und kein bisschen weise

Zerstörung des baulichen Erbes nicht durch fremde Heere, sondern durch Planer, Politiker, Sachverständige und Immobilienhaie.

Erstmals prangerte im Jahre 1988 PETER M. BODE im renommierten Magazin art (Nr. 6) die grob fahrlässige Vorgehensweise der politischen Entscheidungsträger von Stadt und Staat an, die sich in Sachen Stadterneuerung im Stadtgrund bis dato im „laisser-faire, laisser-aller“ übten. Der Titel seines Artikels lautete: „Der alte Stadtkern von Luxemburg wird kaputtsaniert – Aufgeputze Bürgerhäuser und viel Pseudo-Antikes“.

In der Tat, derweil sich LEON NILLES (1928 – 2016) mit seiner Nobelsanierung an der Wiege der Hauptstadt, lies „Fëschmaart“, durch die Errichtung einer gehobenen Gastronomie- und Ausgehmeile, eine goldene Nase verdiente, stand der heimliche Bürgermeister und König vom Stadtgrund, GEORGES LENTZ, im Visier der Kritik von BODE.

„Luxemburgs ältester Teil ist der ‚Grund’, ein malerisch verwinkeltes Quartier mit zumeist engbrüstigen Häusern aus dem 17. Und 18. Jahrhundert und frühindustriellen Relikten, die sich unterhalb der gewaltig aufragenden Bastionen der Stadt in die große Schleife des Flusses Alzette schmiegen. Einst arbeiteten hier zahlreiche Mühlen, waren Gerber, Brauer und andere Gewerbe (auch das Horizontale Anm. von D.M.) zu Hause. Als aber 1804 und 1844 zwei benachbarte Klöster im Grund in Gefängnisse umgewandelt wurden, rutschte das Viertel nach und nach sozial ab.

Mit dem massiven Zuzug von Gastarbeitern – vorwiegend Portugiesen – in den sechziger Jahren“ des vorherigen „Jahrhunderts wurde der Grund vollends zum Ghetto“. Der Exodus der bessergestellten Einheimischen „machte einige Immobilien-Eigentümer froh, konnten sie doch bis zu 60 Ausländer pro Haus zusammenpferchen und horrende Mieten kassieren. Das Perverse an der Sache: Nur weil an solcher Menschenausbeutung so extrem verdient wurde, ist der überfüllte Grund nicht wie damals geplant – per Kahlschlag ‚saniert’, sondern seinem lukrativen Verfall überlassen worden. Luxemburgs Denkmalschützer müssen also den Vermietern, die das Letzte aus den Häusern herausgeholt haben, noch dankbar sein; sonst wäre von der Historischen Bausubstanz überhaupt nichts mehr geblieben“.

Der Autor BODE geht dann auf die dunklen Machenschaften der Aktiengesellschaft „Vieux Luxembourg“ ein und zeigt sich erbost über die erste große Sanierungssünde im ‚Grund’, hervorgerufen durch den stümperhaften Um- und Ausbau der LENTZ-IMMOBILIE „Handschuhfabrik“. Weitere Kollateralschäden der Nobelsanierung waren: die arme Bevölkerung wurde bewusst durch eine betuchte Bevölkerung ausgetauscht.

„Die Kneipenszene im Tal ist mittlerweile wieder aufgeblüht, Luxemburgs Schickeria kommt nächtens lärmend herunter. In zwei nobel aufgeputzten Bürgerhäusern an der schönen steinernen Bogenbrücke über Alzette hat LENTZ (...) mit seinen reichen Freunden einen Herrenclub nach britischem Vorbild für Bankiers, Industrielle und Geschäftsleute eingerichtet: Wo vorher acht Familien lebten, die ‚relogiert’ wurden, residiert nun der exklusive ‚Cercle Münster’ mit Cocktailbar, Restaurant und intimen Empfangsräumen“.

Vor den Augen des, mit der Errichtung des Potemkin’schen Dorfes in Christnach, pittoreske Ortschaft der Gemeinde Waldbillig, zu viel beschäftigten, Direktors des Denkmalschutzamtes, GEORGES CALTEUX, wurde der potthässliche Betonkoloss der CHASE MANHATTEN BANK im kleingegliederten Stadtgrund, auf einem ehemaligen Gelände der Familie LENTZ gehörenden Brauerei, errichtet. Das Gebäude, in der RUE PLATIS gelegen, war etwas höher geraten als erlaubt und rief das ‚Einwohnerkomitee’ auf den Plan. Der öffentlich berechtigte Unmut der Grundbewohner brachte den damaligen Kulturminister ROBERT KRIEPS (LSAP) derart in Rage, dass er sofort die noch vom Abriss bedrohten Häuser im Stadtgrund unter Denkmalschutz stellte. Im Jahre 1990 ließ er dann sämtliche Häuser am linken Ufer der Alzette schützen.

Die Kirsche auf dem Kuchen aber bildet später die Implantation der quartierfremden staatlichen Kulturkathedrale „CENTRE CULTUREL DE RENCONTRE ABBAYE DE NEUMÜNSTER“ die für öffentliche und private Events, auch jene der Superlative, regelmäßig, und dies zum Leidwesen der einheimischen Bevölkerung, Massen an Besuchern anzieht. Das Sternerestaurant MOSCONI, der exquisite CERCLE MÜNSTER sowie der Kulturmoloch ABBAYE NEUMÜNSTER ziehen zusammen regelmäßig derart viele Automobilisten an, dass die Stadtverantwortlichen sich vor einigen Jahren genötigt sahen, die Schrebergärten an der RUE ST. QUIRIN, die insbesondere von der portugiesischen Bevölkerung des Stadtgrundes bewirtschaftet wurden, zu entfernen um dann hier einen Parkplatz, in unmittelbarer Nähe zur, im Jahre 1963 denkmalgeschützten, KAPELLE SAINT QUIRIN, anzulegen.

Aber nicht nur der Stadtgrund wurde von den Denkmalschutzfrevlern und selbernannten Denkmalpäpsten heimgesucht, sondern auch andere Stadtviertel. Eines der größten baulichen Verbrechen an der Stadt Luxemburg ist die CITE JUDICIAIRE gelegen auf dem Plateau du St. Esprit, deren Grundsteinlegung im Jahre 2003 erfolgte. Es handelt sich hierbei um eine kirmes-neoklassische Ansammlung von geschmacklosen und unzweckmäßigen Bürogebäuden in unmittelbarer Nähe des Weltkulturerbes, lies der Festungsanlagen. Auf einem wunderprächtigen Plateau, wo sich weitsichtige Politiker einst eine neue, moderne, transparente, nicht puffartige, Abgeordnetenkammer vorstellen konnten, ließen die Gebrüder KRIER im Auftrag des Ministers für öffentliche Bauten, ROBERT GOEBBELS (LSAP), eine städtebauliche Kakophonie errichten die Ihresgleichen sucht. Diese urbane Untat in Form einer städtebaulichen Monostruktur, mitten in einer bereits zum Tode geweihten Stadt, die der Altbürgermeister PAUL HELMINGER (DP) verhindern wollte aber letztendlich, aus Gründen der Koalition auf der Nationalebene, zustimmen musste,  spiegelt sich zu allem Überfluss noch, ziemlich infantil in den Glasfassaden der gegenüberliegenden hässlichen Gebäude des BOULEVARD D’AVRANCHES.

Der ehemalige Standort des Schlosses des Grafen MANFELDS gelegen im Vorort Clausen, (nicht wie vom Denkmalschutzamt angeben im ‚Grund’) ein Gelände das ebenso seit dem Jahre 2018 geschützt ist, so wie die beiden Immobilien 9, ALLEE PIERRE MANSFELD (2003) und 1, RUE JULES WILHELM (2005) konnte die kommunalen Entscheidungsträger nicht davon abhalten eine überdimensionale Zentralschule am rechten Ufer der Alzette zu errichten. Der Vorort Clausen ist nicht weniger pittoresk als der Stadtgrund, dennoch wurde seine engmaschige, gewachsene Struktur hemmungslos infolge der Errichtung des Amüsierviertels „RIVES DE CLAUSEN“ und eben dieser kommunalen Bildungsstätte nachhaltig zerstört.

Auch der dritte Vorort der Hauptstadt, der Pfaffenthal, blieb nicht unbehelligt. Hier errichtete die nationale Eisenbahngesellschaft (CFL) in unmittelbarer Nähe zu den Nationaldenkmälern der VAUBAN-TÜRME einen technischen Moloch in Form einer Standseilbahn, auch noch „funiculaire“ genannt, die den neuen Zugbahnhof „SIECHENHAFF“ mit der Trambahn an der roten Brücke auf dem Kirchberg verbindet. Zu allem Überfluss wird dieses technische Ungeheuer in der Nacht sehr stark überbeleuchtet, eine Tatsache die der wachsenden Lichtverschmutzung nachweislich nicht förderlich ist. Eine simple Aufzugvariante zugänglich über Stollen hätte die bleibenden Schäden an der Grünzunge und am kulturhistorischem Erbe stark limitiert und wäre zudem wesentlich kostenextensiver gewesen.

A propos Vauban-Türme: Der Graben vor den renovierten Türmen sollten gemäß den Plänen des Denkmalschutzamtes, als Wassergraben angelegt werden, weil dies pittoresker und somit auf den Touristen interessanter wirken sollte. Dies hätte nicht nur eine plumpe Fälschung des kulturhistorischen Erbes dargestellt, sondern wäre ein weiteres brillantes Beispiel der Inkarnation des Kitsches gewesen.

Nicht zu vergessen die anderen, sich häufenden, Frevel der CFL am urbanen Erbe der Stadt Luxemburg. In der Tat, beim baulichen Schaffen der Eisenbahngesellschaft dominiert seit einigen Jahren nur noch der Kult des Hässlichen. Besonders eindrucksvoll ist ihre gelungene Zerstörung des Weichbildes der Pulvermühle im Bereich des INS, besonders einsehbar von der „PASSERELLE“ sowie sämtlichen Anhöhen der Stadt.

In unmittelbarer Nähe von denkmalgeschützten oder schützenswerten Gebäuden im Bahnhofsviertel, à la HAUPTBAHNHOF, ACCINAUTO und HÔTEL ALFA, errichtete die CFL bereits vor Jahren ein gruseliges Zweckparkhaus niederer Ästhetik gleich neben dem Viadukt BUCHLER, um nur diese beiden Beispiele zu nennen.

Der wunderschöne Brückenkopf aus alten Bruchsteinen dieses Viaduktes, verziert mit einem schicken Gesims, wird derzeit mit der Spitzhacke behandelt. Dem Abriss ohne Reue folgt die Errichtung einer bleichen, banalen Betonmauer, die zur Graffitigestaltung nur so einlädt.

Das alte ARBED-Verwaltungsgebäude, so wie es von GIORGETTI im Jahre 1922 auf dem Plateau Bourbon fertiggestellt wurde, wurde erst dann denkmalgeschützt als, vor den Augen aller Nichtswissenwollenden, vieles am Intérieur zerstört und „zeitgemäß“ hergerichtet war. Wesentlich krasser ergeht es dem im Jahre 2015 denkmalgeschützten ACCINAUTO-Gebäude schräg gegenüber dem, seit dem 13. Januar 1989 bestehenden Nationaldenkmal „HAUPTBAHNOF“. Hier verkommt eine Fassade zum Deckmantel eines seelenlosen modernen Inneren was aus Sicht des Denkmalschutzes eine grobe Lüge ist und eine wissentliche Irreführung der Öffentlichkeit darstellt.

Ein weiteres Denkmalschutzverbrechen stellt die städtebauliche Behandlung des ehemaligen HAUPTPOSTAMTES in der Aldringerstrasse der inneren City, im Rahmen der Errichtung des „ROYAL HAMILIUS“, dar. Das Prachtgebäude der Post wurde im Jahre 2018 als Nationaldenkmal bestimmt. Doch die Verantwortlichen des nationalen Denkmalschutzamtes, die Wasserträger der UNESCO aber auch die politischen Verantwortlichen von Staat und Stadt erstarrten wahrscheinlich von Ehrfurcht angesichts der Planungsallüren des universell anerkannten und bewunderten Stararchitekten NORMAN FOSTER. Sie alle glaubten, sich in der mondäne Architekturszene nicht blamieren zu dürfen und opferten wortlos eines der wenigen Prunkgebäude auf dem Gebiet der inneren City auf dem Altar der Ignoranz und der finanziellen Gier. Sie übten sich in der Ästhetik des Hässlichen und der Ehrlosigkeit und ließen das reputable und Achtung gebietende Postgebäude hinter den geschmacklosen und potthässlichen Fassaden einer schmucken Einkaufskathedrale, verschwinden.

Daniel MILTGEN