Das Zauberwort „Prävention“ wird seit einiger Zeit von den Politikern im Gesundheitswesen häufig benutzt und trotzdem immer wieder missbraucht.

Seit einiger Zeit werden verschiedene Blutuntersuchungen dem Kassenpatienten nicht mehr erstattet. Darunter auch die Aufspürung des Hormons proBNP welches vom Herzen und von den Nieren in das Blut abgesondert wird und dessen exzessiver Wert auf Herz oder Niereninsuffizienz schließen lässt. Eine Erhöhung des BNP-Wertes im Blut über 100 ng/l weist insbesondere auf eine Herzschädigung hin – zum Beispiel auf einen Herzinfarkt oder eine Herzschwäche. Eine solche Früherkennung könnte gegebenenfalls, besonders in den heutigen stressigen Zeiten, lebensrettend sein. Auch übermittelt dieser Test Ergebnisse welche andernfalls nur durch Anamnese, Echokardiographie oder EKG erreicht werden können. So wird dann der Patient vor der Blutentnahme im Laboratorium zur Kasse gebeten und muss hierfür 25,76 € hinblättern. Meist haben die Laboranten nicht das nötige Wechselgeld und lassen dem Patienten die Rechnung per Briefpost zukommen. Ob diese dann später beglichen wird oder ob das Laboratorium die Kosten gerichtlich eintreiben muss steht auf einem anderen Blatt. Übrigens muss man zusätzlich ein Formular unterzeichnen und bestätigen dass man vom Laborleiter auf die Nichterstattung dieser Kosten hingewiesen worden ist. Viel Papierkram um diesen Kostenbeitrag.

Mein Kardiologe zeigte sich darüber ziemlich überrascht. Dennoch möchte der Spezialist nicht  auf diese wichtige Analyse verzichten da er VORBEUGENDE Maßnahmen ergreifen kann wenn die Werte die annehmbare Grenze überschreiten sollten infolge einer lebensbedrohlichen Herz-oder Niereninsuffizienz.

Im Falle der proBNP Ermittlung steht es, laut Laboratorium, dem Patienten frei sie durchführen zu lassen oder darauf zu verzichten. Es erübrigt sich zu betonen dass somit viele minderbemittelte Bürger es vorziehen die ca.26 € einzusparen und daher eine lebensbedrohliche Erkrankung vom behandelnden Arzt nicht unbedingt frühzeitig erkannt wird.

Dies ist kein Einzelfall. Die Selbstbeteiligung der Arzneimittel wird ebenfalls von Jahr zu Jahr teurer. Und dabei sind die Finanzen seit Jahren überschüssig und das luxemburgische Gesundheitswesen schloss das Jahr 2018 mit einem Bonus von ¾ Milliarde ab. (Deutschland 2018: 2 Mrd. Überschuss)

Man muss schon auf die Jahre 1953-1959 (Dr Emile COLLING, CSV) und 1999-2004 (Dr Carlo WAGNER, DP) zurückgreifen um ausgebildete Ärzte an der Spitze des Gesundheitsministeriums anzutreffen. Sie sollten auch bis zum heuten Tage die einzigen Fachleute bleiben,  nach Benny BERG, Emile KRIEPS, Johny LAHURE, Mars BARTHOLOMEO, Lydia MUTSCH, Etienne SCHNEIDER, welche ebenfalls mit der Führung dieses wichtigen Ministeriums betraut waren und sich beruflich unter Schmelzarbeiter, Soldat, Zeitungsreporter und Handelswissenschaftler wiederfinden. Mit ihren ministerialen „Buchführern“ („Commis“ wie Me VOGEL sie zu nennen pflegt) haben letztere ja bekanntlich gar keine Ausbildung oder Fachkenntnis im medizinischen Bereich und begnügten sich damit, jährlich Dienstleistungen und Arzneimittel aus den Kassenverträgen zu streichen und deren Bezahlung somit den Kassenpatienten zu überlassen. Immer mehr wird auf dieser Basis mit dem Rotstift manipuliert und die hart erarbeiteten sozialen Vorteile, welche unser Land jahrelang auszeichneten, werden immer mehr abgebaut. Dies erklärt auch die jahrelangen Strittigkeit zwischen Politik und Ärztekammer welche ewige Zeiten aneinander vorbei geredet haben.

Ein Minister, egal welchen Bereiches, legt bei Amtsantritt folgenden Eid ab :

"Je jure fidélité au Grand-Duc, obéissance à la Constitution et aux lois de l'État. Je promets de remplir mes fonctions avec intégrité, exactitude et impartialité".

Selbigen Eid habe auch ich geschworen bei meiner Ernennung 1972 als Staatsangestellter.

Im Vergleich dazu schwört ein Arzt bei Amtsantritt den Eid des Hippokrates :

Ärzteeid

Ich gelobe, während der Ausübung meiner ärztlichen Tätigkeit folgende Berufspflichten nach meiner Kraft und Fähigkeit zu respektieren und ihnen gemäß zu handeln:

ich übe meinen Beruf stets nach bestem Wissen und Gewissen aus und nehme Verantwortung war;

ich stelle die Sorge um die Behandlung meiner Patienten und deren Interessen immer voran, wende jeden vermeidbaren Schaden von ihnen ab und füge ihnen auch keinen solchen zu;

ich betrachte das Wohl meiner Patienten als vorrangig, respektiere ihre Rechte und helfe ihnen, informierte Entscheidungen zu treffen;

ich behandle meine Patienten ohne Ansehen der Person, d. h. ohne Diskriminierung wegen allfälliger Behinderung, Religion, Parteizugehörigkeit, Rasse, Herkunft, Sozial- oder Versicherungsstatus, gemäß den aktuellen Standards der ärztlichen Tätigkeit und den Möglichkeiten meines beruflichen Könnens;

ich betreibe eine Medizin nach Augenmaß und empfehle oder ergreife keine Maßnahmen, die nicht medizinisch indiziert sind;

ich instrumentalisiere meine Patienten weder zu Karriere- noch zu anderen Zwecken und sehe von allen Maßnahmen ab, die nicht in einem direkten Zusammenhang mit der Linderung ihrer Beschwerden, der Heilung ihrer Krankheit oder der Verhütung einer Erkrankung stehen;

Ich mute meinen Patienten nichts zu, was ich auch meinen liebsten Nächsten oder mir selbst nicht zumuten würde;

ich begegne meinen Patienten ebenso wie meinen Kolleginnen und Kollegen immer mit Freundlichkeit und Respekt. Ich bin zu ihnen ehrlich und wahrhaftig;

ich respektiere die Entscheidungen und Handlungen meiner Kolleginnen und Kollegen, insofern sie mit den Regeln der ärztlichen Kunst und den ethischen Standards des Berufs vereinbar sind;

ich teile meine Kenntnisse und Erfahrungen mit meinen Kollegen und Kolleginnen und beteilige mich an deren Aus-, Weiter- und Fortbildung;

ich fördere die Gesundheitskompetenz meiner Patientinnen und Patienten;

ich nehme mir für das Gespräch und für die menschliche Begegnung mit den Patienten und ihren Angehörigen die erforderliche Zeit und spreche mit ihnen auf eine verständliche und angemessene Weise;

ich respektiere und wahre grundsätzlich die Willensäußerungen meiner Patienten;

ich halte mich an das Arztgeheimnis;

ich setze die mir zur Verfügung stehenden Ressourcen wirtschaftlich, transparent und gerecht ein;

ich nehme für die Zuweisung und Überweisung von Patienten keine geldwerten Leistungen entgegen;

ich gehe keinen Vertrag ein, der mich zu Leistungsmengen, zu nicht induzierten Leistungen oder zu Leistungsunterlassungen nötigt.“

In Anbetracht dieses heiligen Eides, sollte man wirklich damit fortfahren im Gesundheitsbereich absoluten Laien die Geschäfts-und Federführung, die Verwaltung und die Entscheidungskraft zu überlassen ?

Paul REILAND, 21.01.2020