In der Komödie suchte er bei jedem ihm lächerlich scheinenden Zug immer mit den Augen jemanden, der mit ihm lachen möge… Georg Christoph Lichtenberg*

Es gibt allerdings realpolitische Komödien, deren Unterhaltungswert eher wenig Anlass zum Lachen bietet – auch nicht zur heuer angebrochenen fünften Jahreszeit, wie man die Fastnacht oder den Karneval jenseits der Mosel bezeichnet. So manche Büttenrede, pflegte man diese besondere Form der Karnevalsrede auch in unserem Ländchen – man tut es leider nicht! – wäre angesichts des reichlich vorhandenen Angebotes jedenfalls ob der breitgefächerten Themenpalette bestens versorgt und der Redner sehr zufrieden. Muss man dazu das Theater um unsere Monarchie bemühen? „Es kommt nicht darauf an, ob die Sonne in eines Monarchen Staaten nicht untergeht, (…) sondern was sie während ihres Laufes in diesen Staaten zu sehen bekommt.“ – so Lichtenberg. Und da wurde für ebendiese Sonne im Laufe der Geschichte unserer besonderen Form der Monarchie sicherlich so manche Pikanterie geboten, von deren Inhalt wohl nur sie allein etwas zu erzählen wüsste – doch sie schweigt, die Sonne… Wohl im Sinne von: „Der Wein hat manche große Tat hervorgebracht.“  (Lichtenberg, Sudelbuch F, 1776-1779. F 479) – mit (in Klammern) von Lichtenberg beigefügten Präzision: „…und so manche böse Tat “, versteht sich. Der Mann hatte eben Humor! Und der große Aphoristiker, Aufklärer und anerkannte Göttinger Wissenschaftler körperlich kleiner Statur, der heute rund 278 Jahre alt wäre und dessen Aphorismen immer noch topaktuell sind, hätte heuer mit seiner giftigen Feder sicherlich so manche Freude an dem, was hierzulande so alles abgeht. Er würde uns mit seinen pikanten Aphorismen, die er in seine berühmten „Sudelbücher“ kritzeln würde, mit Sicherheit zum Lachen und zum Nachdenken bringen. Ein garantierter Lesegenuss, den dieser humorvolle, hochintelligente Mann uns heutzutage in eher humorlosen, von moderner „Unterhaltungselektronik“ digital geprägten, kalten Zeiten, sicherlich liefern könnte. Das in einer Welt, in der so vielen Zeitgenossen das Lachen ziemlich nachhaltig vergangen ist. Und das trotz moderner Spaßgesellschaft, in der wir leben und in der jeder „bespaßt“ werden will….mat egal wat !

Und da wir in diesen Zeilen schon mal beim Thema Humor und Lachen sind, die unsere heuer erlebte Fastnachtszeit, unsere Fuesend, doch eigentlich in guter Absicht prägen sollten, kommt man ebenfalls an der Karikatur, der guten dieser Art, nicht vorbei. Lichtenberg war auch in diesem Kontext der Star. Dies anlässlich der erst vor fünf Jahren organisierten Sommerakademie für Komische Kunst, der Caricatura, in Kassel.  Mit den Morden an den Redakteuren von Charlie Hebdo sollte jedenfalls ein Teil dieser Kultur der besonderen Art beerdigt werden. Nicht nur eine Zeitschrift, sondern viel mehr noch als das: eine ganze Kunstform und unser Selbstverständnis einer Form des (nicht nur, aber auch) politischen Humors, den wir täglich genießen dürfen und uns zum Schmunzeln bringt, sollte brutal von religiösen Fanatikern erledigt werden. Es ist ihnen natürlich nicht gelungen.

Dazu passt natürlich unbedingt noch die Satire, verbunden mit der Witzzeichnung, eine herrliche Form des illustrierten Humors, der uns darüber hinaus zum Nachdenken anregen soll. Lichtenberg war jedenfalls ebenfalls zur Satire formell: „Die erste Satire wurde gewiss aus Rache gemacht. Sie zur Besserung seines Neben – Menschen gegen die Laster und nicht gegen den Lasterhaften zu gebrauchen ist schon ein geleckter, abgekühlter, zahm gemachter Gedanke.“ Womit er wieder einmal beweist, wie aktuell er immer noch ist…

Geist, Witz und Können in bester Kombination!

Ach ja: „Witz tötet, Humor macht lebendig! Er führt zum Nachdenken, während jener alles Denken wie durch einen scharfen Blitz beendet.“

Natürlich Lichtenberg ….der Mann der lacht!

Frank Bertemes
*Mathematiker, Physiker, Schriftsteller, Philosoph, erster deutscher Professor für Experimentalphysik, verfasste die brillantesten Aphorismen Deutschlands (1742 - 1799).