Ein Plädoyer gegen ein Europa der Nationen...

„Zusammen werden wir dieses Virus besiegen“, diese oder ähnliche Aussagen hört und liest man Massenweise auf allen möglichen Plattformen. Urheber dieser Aussage sind größtenteils Politiker, welche an die Solidarität von uns Bürgern appellieren. Angesichts der momentanen Situation, sicherlich angebracht und richtig.

Dabei ist es mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass dieses Virus es fertiggebracht hat unsere Welt komplett auf den Kopf zu stellen. Die Auswirkungen sind katastrophal und dies auf vielen Ebenen. An erster Stelle steht hierbei wohl der Mensch, welcher erleben muss wie Krankheit und Tod allgegenwärtig geworden sind und dabei die sanitäre Dimension eine weltweite Herausforderung darstellt. Dann die Weltwirtschaft, die Verluste sind enorm und auch hier scheint eine weltweite Rezession kaum noch zu vermeiden.

Und dann ist da die EU, unsere EU, welche momentan vor der größten Herausforderung seit ihrer Gründung, und nach dem Brexit, steht. Diesmal sind es weder Flüchtlinge, noch bankrotte Mitgliedsstaaten welche Hilfe brauchen, nein es sind die EU Bürger und die EU Wirtschaft welche betroffen sind. Trauriger Weise hört hier das Gemeinsame sowie die dazu gehörige Solidarität an den jeweiligen physischen Landesgrenzen eines jeden Landes auf.

Von der Leyen versucht zu koordinieren und keiner hört ihr zu. Die Achse Paris-Berlin, welche den europäischen Motor darstellen soll hat auf Nationalmodus umgestellt. Jedes EU-Land macht was es will (oder was es kann). Grenzen zu oder fast, Kontrollen ohne Ende mit unendlichen Staus an einst offenen Grenzübergängen. Davon hauptsächlich betroffen LKW-Fahrer, welche immerhin die Logistische Versorgung Europas und damit auch die der Supermärkte garantieren. Dabei verspricht jedes Land seiner Bevölkerung, es werde nicht zu Versorgungsengpässen kommen! Zudem verhängen viele Europäische Länder Ausfuhrverbote für medizinisches Material, damit dieses nur nicht in andere Europäische Länder exportiert wird.

Sogar die für uns so wichtige Großregion existiert in dieser schwierigen Zeit kaum mehr als Ganzes, denn auch hier heißt es aufgrund der nationalen Egoismen „Jeder für sich“.

Das was jetzt abläuft, ist wohl eher ein Szenario eines Europas der Nationen so wie es sich Europas Nationalpopulisten wünschen.

Deshalb meine Bitte an alle politischen Verantwortliche, die noch an ein starkes Europa glauben. Tut neben allen Anstrengungen im Kampf gegen das Virus ebenfalls alles Menschenmögliche, um unsere Union zu stärken und somit den Nationalkonservativen, den Gegnern Europas, nicht Recht zu geben nach ihrem Ruf zu weniger Europa. Die EU-Bürger brauchen eine starke Gemeinschaft, jetzt und auch vor allem für die Zeit danach. Hierbei geht es nicht nur um den Sieg über Corona, sondern auch um eine einmalige Chance Europa geeinter und stärker zu machen um somit den Bürgern zu beweisen, dass Europa mehr ist als nur eine Wirtschafts- und Währungsunion!

Einst sagte Jean-Claude Juncker: „Es fehlt an Europa in dieser Europäischen Union, und es fehlt an Union.“, zwar im Kontext der Asylkrise, dennoch stimmt dies mehr denn je.