Ein paar Gedanken zur aktuellen Situation.

Diese Pandemie ist für uns alle eine völlig neue Situation. Vom Lauf der Geschehnisse überwältigt, werden wir gezwungen innezuhalten und ohnmächtig müssen wir ansehen, wie uns die Zügel aus der Hand genommen werden, wie Dinge und Möglichkeiten, die gefühlte Ewigkeiten zu unserem Leben gehörten, uns nun verboten werden. Als allererstes das Grundrecht sich frei bewegen zu dürfen und dadurch fast alle sozialen Aktivitäten. Glücklich wer jetzt eine Familie hat, privilegiert wer ein Haus mit Garten besitzt, oder nahe an einem Wald lebt. Viele in Großstädten Lebende werden nun auf eine verdammt harte Probe gestellt, wenn die eignen vier Wände für lange Zeit zu einer Art Gefängnis werden.

Durch alle diese Maßnahmen erleben wir eine Art Kontrollverlust, der uns heftigst irritiert und nervös macht, besonders weil wir uns erfahrungsmäßig auf nichts Vorheriges beziehen können. Bange staunend müssen wir nun hilflos der schicksalhaften Ereignisse harren, die da kommen mögen. Ohne wirklich zu wissen, was noch alles auf uns einstürzen kann, stehen wir so ratlos unseren Sorgen und existenziellen Ängsten gegenüber und drohen in Panik und Verzweiflung zu fallen angesichts der Vorstellungen, was sich noch so alles ändern könnte. (Tod, Verlust von geliebten Mitmenschen, Arbeitslosigkeit, finanzieller Ruin, gesellschaftlicher Zusammenbruch, Gewalt, … ) Manchen fällt es schwer sich nicht den allerschwärzesten Gedanken hinzugeben …

Die Frage des Moments ist: Inwieweit ist sie trügerisch die Hoffnung, dass wenn wir alle konsequent zu Hause bleiben und soziale Kontakte meiden, wir der Ansteckungskurve ihren exponentiellen Anstieg nehmen und somit auch wieder ein Stück weit das Gefühl von Kontrolle über die Situation zurückbekommen können…, weil wir alle aktiv etwas gegen die Krise tun, - paradoxerweise, indem wir weniger als sonst sozial ‚aktiv‘ sind.

Nun stehen wir alle vor diesem staatlich verordneten Rückzug ins Private! Wird es auch eine Einkehr? Werden wir als Einzelne und als Kollektiv die Zeit nutzen und darüber nachdenken, was elementar wichtig ist in unserem Menschenleben? Oder was nur dekorativer Ballast ohne jedwede existenzielle Funktion? Dem nachzujagen uns aber bis dato viel Zeit, Geld und sinnlos vergeudete Lebenskraft gekostet hat!

Wird diese Zeit der Covid-19-Krise für uns ein genauso einschneidendes Ereignis, wie der Zweite Weltkrieg für die Generation unserer Eltern oder Großeltern?

Oder kommen wir noch einmal glimpflich davon? Die nächsten Wochen werden es zeigen!

Aber vergessen wir in unserer Sorge und Angst nicht all die leidenden Menschen - ob durch Covid-19 oder eine andere Ursache - die isoliert im Krankenhaus liegen und keine Besuche von ihren Lieben erhalten dürfen. Leider wird von denen so mancher einen sehr einsamen Tod sterben!

Als ich im Internet die Bilder sah, wo italienische Militärfahrzeuge nachts hunderte von Särgen aus Bergamo herausfuhren, da erkannte ich auch, dass es viele einsame Begräbnisse auf dieser Welt gibt und geben wird, wo Menschen schnell, ohne gebührende Zeremonie, ohne Familie und Freunde, irgendwo verscharrt werden. So könnte auch unser Schicksal aussehen. Dabei bekomme ich ein sehr kaltes Gefühl ums Herz und werde sehr traurig.

Der Tod und das Sterben waren wohl in unserem bewussten Leben noch nie so präsent wie in diesen Tagen.

Ganz egal wie, in der Post-Covid-19-Welt wird sich zeigen, was wir als Individuen und die Menschheit als Ganzes gelernt haben? Es wird existenziell sein für die Art von Welt, in der die Hinterbliebenen ihr Zusammenleben organisieren müssen.

Das chinesische Schriftzeichen für Krise setzt sich aus zwei Zeichen zusammen, einerseits Gefahr, andererseits Chance.  Die Gefahr ist real und präsent! Dass die Situation für uns auch eine Chance beinhaltet, dafür müssen wir selbst sorgen.

Machen wir alle das Beste aus dieser Herausforderung! Bleiben Sie gesund!