„Vermeidet jeden unnötigen direkten Kontakt zu Kunden und kommuniziert, wenn möglich virtuell mit Ihnen.“

Diese Ansage erhielt ein Großteil der Sozialarbeiter der Sozialämter bei Ausbruch der Coronakrise. Eine halbe Stunde später, rief ihr Verfasser an. „Es mangelt zurzeit an Personal im Sozialladen. Könnt ihr aushelfen, damit weiterhin Bedürftige hier Lebens- und Hygienemittel erhalten können.“

Persönlich tut es mir gut, gerade in Krisenzeiten mitten im Geschehen zu sein und Menschen ganz konkret zu helfen. Ich denke hierbei aber auch oft an meine vielen Kolleginnen und Kollegen, welche trotz Pandemie weiterhin ihrer sozialen Arbeit nachgehen. Sie sind für die Bedürftigen in dieser speziellen Zeit auf der einen Seite der Garant eines stabilen sozialen Auffangnetzes, und auf der anderen Seite der Garant von Menschlichkeit.

Auch in Pandemiezeiten öffnen Sozialarbeiter täglich die Türen der verschiedenen Unterkünfte für Obdachlose. Neben der Aufgabe den Bedürftigen ein Bett, eine Dusche und eine Mahlzeit an zu bieten, gilt hier weiterhin die Devise der Freundlichkeit.

Jene Eltern, die sich nach nur einer Woche Homeoffice den Wiederanfang der Schulaktivitäten herbeisehnen, können sich vielleicht die derzeitige Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher in den Kinderheimen vorstellen. Gerade in schwierigen Zeiten, geben sie den Kindern aus unstabilen Familienverhältnissen Halt, Hilfe und Zuneigung.

Halt und psychische Unterstützung benötigen auch Kunden von sozialen Beraterdiensten derzeit verstärkt. Für so manches Kind ist die Schule der einzige Zufluchtsort aus der häuslichen physischen und psychischen Gewalt. Für manche Erwachsenen ist dieser Zufluchtsort die Arbeitsstelle. Das Ohr, die moralische und praktische Unterstützung der Sozialarbeiter und Psychologen werden gebraucht.

Sozialarbeiter und Psychologen stehen zeitgleich in den Altersheimen, Krankenhäusern und bei den Diensten für ältere und kranke Menschen vor erschwerten Situationen. Hier gilt es auf das Alleinsein, die Isolierung und die Angst vor einer für ältere Menschen möglichen tödlichen Krankheit einzugehen. Zuhören und Dasein, und dies sowohl virtuell als auch vor Ort.

Schlussendlich steht auch die berufliche und materielle Existenz vieler Menschen derzeit auf dem Spiel. In den Sozialämtern melden sich verzweifelte Personen, die durch Coronasituation ihre Arbeit verloren haben und entweder ihre Rechte nicht genügend kennen, oder zum Einklagen derer Hilfe benötigen. Es wird bestmöglich abgesichert, dass am Ende dieses Monats jeder ein Einkommen hat oder zumindest seine Rechnungen begleichen kann.

Am 17. März war der Welttag der sozialen Arbeit. Wie so vieles wurde auch dieser Tag von der Coronakrise überschattet. Trotzdem sollte er nicht vergessen, sondern auch, wie so vieles, wenn es wieder besser geht, nachgeholt werden. Die Coronakrise hat die Wichtigkeit der sozialen Arbeit die für die Bedeutung der menschlichen Beziehungen eintritt unterstrichen. Die Sozialarbeiter bleiben nicht zu Hause, sondern gehen weiterhin diskret ihrer Arbeit nach.

Christian Weis, Assistant Social

Esch/Alzette