Sterben muss jeder, früher oder später. Glücklich sind jene, die ein langes Leben genießen können.

Plötzlich schießt mir dann unweigerlich ein Gedanken durch den Kopf:

Unter welchen Bedingungen kann man denn dieses lange Leben genießen, und dies nicht nur im Alter, sondern während der ganzen Lebensspanne?

Wenn man jemanden fragt, was für ihn das Wichtigste ist, so wird jeweils die Gesundheit als erstes angeführt. Und da ist nun schon der springende Punkt. Wie krank sind wir?

Nein, ich spreche jetzt nicht vom Coronavirus. Und auch nicht von allen sonstigen Leiden, welche die Menschen schon seit jeher plagen. Vielmehr liegt mir ein Exkurs auf der Zunge, der uns in die Tiefen der menschlichen Unzucht führt, uns den Spiegel vor die Nase hält. Nicht vor die Augen, denn die sind oft verschlossen.

Man kann es förmlich riechen. Ja wirklich. Schon der Gang zum Briefkasten lehrt uns: Die Luft ist nicht rein. Ein Spruch, der oft von düsteren Gestalten benutzt wird. Diesmal von uns selbst. Oder könnte es sein, dass wir selbst zu jenen zwielichtigen Mitmenschen gehören, welche die Luft verpesten? Nur die Luft? Und die Pest ist doch lange überlebt, oder? Der Ausdruck hält sich trotzdem wacker im Sprachgebrauch. Vielleicht, um uns ständig daran zu erinnern, dass es nicht vorbei ist.

Heutzutage hat die Pest ganz andere Formen angenommen, und neben Camus Vergleich, haben sich weitere Verbrechen in die Gesellschaft eingeschlichen: Habsucht, Gier, Egoismus, Paralogie und Ausbeutung scheinen die Menschen fest im Griff zu haben. Hinterhältig wie eh und je, ohne das Bewusstsein der Menschen zu berühren. Wie ein Virus, unsichtbar, und doch nicht zu übersehen. Aber nur für diejenigen, die ein Auge für die Wirklichkeit haben. Die wahre Realität, und nicht jenes verzerrte Bild, das unsere Unvernunft uns vorspiegelt, und durch die allgemeine Maßlosigkeit gar ganz zum Trugbild mutiert.

Wie oft wird von jenen, die uns eine heile Welt vorgaukeln, die eigene Vernunft mit Füßen getreten. Nein nicht bewusst, sondern viral verfälscht. Und es ist ansteckend. Die eigenen Verbrechen werden verdeckt mit dem Feigenblatt der soziokulturellen Weiterbildung, welche ja so wichtig für die intellektuelle Ernährung der Elite ist. Arme gibt es nicht, und die Umwelt wird ja auch nur durch das niedere Volk verpestet. Aufstehen nicht erlaubt! Der Dunstkreis um die Hegemonie könnte Schaden nehmen. Verantwortung übernimmt die Elite kaum. Die eigenen Vorteile, und seien sie noch so despektierlich, zerschlagen jedes Aufbegehren der Ausgebeuteten. Für die  Herrschaft würden die selbstgeschneiderten  Vorteile schlammig werden. Solange man trockenen Fußes über die Rücken des Mob zu hehren Zielen streben kann, genügt es die Verantwortung jenen zu übertragen, die sich nicht wehren können. Staatliche Schuldzuweisungen, Beutelschneiderei und wirtschaftsorientierte Maßlosigkeit erheben die Kuratel auf den Thron der Unantastbarkeit. Die maßlose Vermehrung um der Wirtschaftsausbeute Willen führt unweigerlich zur Apokalypse.

Eine schleichende Unzufriedenheit macht sich breit. Und zu Zeiten von Corona könnte das ein Glücksfall sein. ‹Nichts wird mehr so sein, wie zuvor› sagen jetzt schon Viele. Ich wünsche mir, dass diese Hoffnungsträger nicht das alltägliche Tragen von Masken erkennen. Vielmehr hoffe ich, dass man sich nach der Krise mehr auf das Wesentliche  und die wahren Werte, welche eine real-zivile Welt ausmachen, konzentriert.

Weniger ist mehr. Ich würde mir eine Welt wünschen, ohne rücksichtslosen Wachstum, mit Rücksicht statt Unterwerfung, Chancengleichheit statt Ausbeutung und vor allem Mitbestimmung statt Demokratur. Eine Welt in der niemand mundtot gemacht würde, nur um die eigenen Vorteile zu nähren. Schlussendlich profitieren wir alle davon, wenn diverse Exzesse, die ohnehin nur der hypokritischen Elite dienen, der Vergangenheit angehören.

Unsere Kinder werden uns danken. Abgeschoben, abgefertigt in der Massenhaltung der staatlich subventionierten Dressuranstalten, werden sie heute noch zu Kopfnickern erzogen, um dem staatlichen Willen zur Ausbeutung der Schattenreiche jenseits der Grenzen zu dienen. Ein Rückbesinnen auf die familiäre Geborgenheit sollte wieder Einzug halten in den Köpfen der geschundenen Gesellschaft. Nur so kann man eine verantwortungsbewusste Generation von Enthusiasten formen, die mit viel Zuversicht die Welt zu einem besseren Ort formen, wo jeder ohne Gewissensbisse das Leben genießen kann.

Doch dafür braucht man den Mut der Entschlossenheit, den Mut, den Profit für Alle in den Vordergrund zu stellen, und nicht den eigenen. Eine ehrliche Sicht auf sich selbst und den Nachbarn, sind dafür aber eine unumgängliche Voraussetzung. Den vielbesprochenen ‹Footprint› des Einzelnen und der Gemeinschaft muss jeder in Frage stellen und folgerichtig an der Verbesserung arbeiten. Die Krankheit muss mit einer konsequenten Ursachenbekämpfung geheilt werden, anstatt immer nur unnütze Umschläge aufzutragen, welche ohnehin die Wahrheit vertuschen.

Die Zukunft wird es zeigen, eines jeden Zukunft.

Heuschling Jean

Bonneweg