"Es wurde ihnen die Wahl gestellt Könige oder der Könige Kuriere zu werden. Nach Art der Kinder wollten alle Kuriere sein. Deshalb gibt es lauter Kuriere, sie jagen durch die Welt und rufen, da es keine Könige gibt, einander selbst die sinnlos gewordenen Meldungen zu. Gerne würden sie ihrem elenden Leben ein Ende machen, aber sie wagen es nicht wegen des Diensteides."

Zitat von Franz Kafka aus seinem „Oktavheft G"

Das in diesen Zeilen (jedoch nur teilweise) behandelte Thema wirft der Literaturwissenschaftler Chris Reitz zielorientiert in einem bemerkenswerten Beitrag des Buches „Zeit der Monster" auf, ein Werk, das er, zusammen mit seinem Ko - Autor Sebastian Schuller, im hochaktuellen Kontext der „Neuen Rechten" im Neoliberalismus im Jahre 2018 publizierte.

Der Kurier. Wer Kurier ist, teilt etwas mit, das nicht von ihm selbst, sondern von einem anderen stammt. Der Kurier steht im Dienst einer Person, der gegenüber er (oder sie) selbst, als Individuum, nichts zu sagen hat. Das Sagen, die zu ausrichtende Mitteilung oder das Wegzuschickende geht demnach nicht von ihm oder ihr persönlich , sondern von einem anderen aus: Was der Kurier mitteilen soll, ist dazu bestimmt, vom jeweiligen Auftraggeber weggeschickt zu werden. Dabei untersteht das Weggeschickte ebenso wie das, was gegebenenfalls zurückkommt, dem Gesetz des Auftraggebers. Sein Wille geschehe demnach...Denn der Auftraggeber bestimmt, was von wem gelesen werden darf, was überhaupt geschrieben, verschickt und im Endeffekt vermittelt werden soll.

Im Gegensatz zur Interpretation des eingangs genannten Autors Chris Reitz , jedoch im gleichen Kontext der scharfen Kritik des Neoliberalismus' zu lesen, eröffnet die in dessen Buch zitierte Textpassage des besonderen Schriftstellers Franz Kafka, der durchaus auch ein Kritiker des Kapitalismus' war (ein entsprechender Beitrag des an dieser Stelle unterzeichnenden Schreibers dieser Zeilen erschien im kulturissimo) kann der Kurier auch gewisse bestimmende Protagonisten der politische Klasse dieser EU bezeichnen. Der Kurier, der Bote - und auch, so der Duden, jemand, der im Dienst eines Staates, beim Militär usw. vertrauliche Nachrichten o.Ä. überbringt. Oder aber ebenfalls, im Sinne der vorliegenden Zeilen weitergesponnen, die Person, die als Kurier die Message kommentarlos überbringen soll oder zu überbringen hat, die man selbst öffentlich tunlichst nicht sagen will, jedoch so oder so ähnlich sagen lassen will...und wer ist dazu besser geeignet, als eben die vom tumben Wahlvolk gewählten (vermeintlich) politischen Regierungsverantwortlichen oder die diesen in den jeweiligen Parlamenten zudienenden Volksvertreter*innen, die sich immer dem Fraktionszwang unterwerfen? Und die Opposition ist für die „Könige" immer irrelevant oder bestenfalls, der Form halber, gut für's Gesicht nach Außen! Die EU – Kommission und ihre ihr untergebenen nationalen Regierungen im neoliberalen Politmodell als Kuriere des Kapitals, der Banken und Konzerne agierend...ist dem nicht so? Wie viele Beispiele dieser Art könnte man als kritischer Beobachter des Zeitgeschehens in dieser Hinsicht wohl bemühen? Wohlwissend, dass den meisten Menschen diese Art des „Kurierdienstes" direkt jedenfalls nicht einmal auffällt? Ob ihrer allgemeinen Gleichgültigkeit? Wahrlich ein Trauerspiel einer „Demokratie", die diesen Namen immer weniger verdient und im Laufe der Zeit immer mehr zur reinen Zuschauerdemokratie degradiert wurde – sehr zur Freude derjenigen, die eben ihre Kuriere zu entsenden pflegen...oder?

Könige – konkret: das Kapital!

Kuriere? Nach Art der Kinder wollen alle (nur) Kuriere sein ...

*„Als das Ergebnis vorlag, machte sich ein mentaler Kurier auf den Weg, klopfte dem Kleinhirn auf die Schulter, drückte ihm einen Zettel in die Hand und hastete davon."

Was wohl auf dem Zettel stand?

Zum Nachdenken – und zur freien Interpretation!

Frank Bertemes

*Terry Pratchett - Buch: Der Zauberhut (Ein Kommentar zu Sir Terence David John Pratchett: Terry Pratchett hat mich immer wieder zum Lachen gebracht, ich bewundere seinen scharfen Witz und seine immer wieder überraschende Phantasie, aber auch seine Einsichten ins menschliche Verhalten. Eigentlich kann ich seine Bücher nur auf Englisch wirklich genießen. Viele seiner Wortspiele sind wohl unübersetzbar. Zudem entdeckte ich manche Andeutungen erst beim zweiten oder gar dritten Lesen. Eines meiner Lieblingsbücher von Pratchett ist "Small gods (Einfach göttlich)", worin er sich in seiner einmaligen Art mit Religion auseinandersetzt. Natürlich witzig, beißend, ironisch, treffend, wie es ihm eben entspricht.)