„Lernen und Genießen sind das Geheimnis eines erfüllten Lebens. Lernen ohne Genießen verhärmt, Genießen ohne Lernen verblödet.“

Richard David Precht:  Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?  Eine philosophische Reise…

Er gilt als der wohl bekannteste lebende Philosoph Deutschlands: Richard David Precht. Der am 8. Dezember 1964 in Solingen geborene deutsche Philosoph und Publizist ist vor allem durch seine populärwissenschaftlichen Bücher und Fernsehsendungen zu philosophischen Themen bekannt.

Precht ist überall ein Star. Sein jeweiliges Thema ist an sich egal. Er schreibt Bücher über edle Tiere und tote Philosophen, über die Liebe („Ein unordentliches Gefühl“) und über die Schule. Er steht auf der Bühne, er diskutiert im Radio, er sitzt im Fernsehstudio. Er hält Vorträge über Roboter im Krankenhaus, über das bedingungslose Grundeinkommen oder über den richtigen Umgang mit der Zeit. Und alle hören zu.“ So ein Kommentar der FAZ. Allerdings wird der Philosoph auch nicht von Kritik verschont. „Doktor Allwissend aus Grimms Märchen“, der sich aus „Geldgier“ als Akademiker ausgeben würde, dann aber mit einem Zufallstreffer einen Kriminalfall lösen und fortan in höchsten Ehren gehalten werde. Als Gleichnis auf Richard David Prechts erstaunliche Karriere taugt die Geschichte allerdings so nicht, sein Doktortitel ist echt – aber es gibt doch eine Parallele. Auch Prechts Leben hat ein glücklicher Zufall die entscheidende Wende gegeben, nämlich die ihm und seiner philosophischen Karriere sehr nützliche Hilfeleistung seitens der Literaturkritikerin Elke Heidenreich. Sie lobte in einer Fernsehsendung sein vorher nicht weiter aufgefallenes Buch „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ (siehe das einführende Zitat) in den höchsten Tönen. Danach explodierten die Verkaufszahlen. Und Richard David Precht, der nach dem Studium erst einmal ohne Aussicht auf nennenswerten beruflichen Erfolg auf der Straße stand, ein Jahr von Arbeitslosengeld lebte und sich danach als Journalist durchschlug, wurde über Nacht zu dem Mann, der heute allgegenwärtig ist und von dem die Deutschen die richtigen Antworten auf alle ihre Fragen zu erwarten scheinen.

In einem seiner vielen Interviews äußerte er sich zur heuer in der Welt erlebten Rückkehr der Willkür, der Mythen und Lügen im großen Stil. Das was viele von uns Normalos ob der sanitären Virus-Zustände einer zunehmenden, maskentechnisch verordneten „sozialen Distanz“ der entsprechenden Kälte dieser Welt in unserem Alltag empfinden, wird also von den großen „Profidenkern“ in unserer modernen, digitalen Welt qualifiziert bestätigt. Bis einschließlich Hegel, so Precht, haben die meisten Philosophen geglaubt, es gäbe ein großes, verborgenes System der Welt, das man denkend nach und nach erkennen muss. Das Thema „System“ wird gerade in aktueller Zeit eines uns alle mürbemachenden Virus‘ allerdings in anderem Zusammenhang heftig debattiert und spaltet die Gesellschaft. Die Systemfrage, im Klartext der Neoliberalismus, wird immer deutlicher kritisch gestellt. Die politische Debatte weitergesponnen: Willkür, Mythos und Lüge –  tatsächlich ein leider zurückkehrendes Programm? Haben wir rein gar nichts hinzugelernt? Ist die Politik so schwach geworden, dass längst überstanden geglaubte Zustände früherer Zeiten wiederaufleben können? Die Zivilgesellschaft, besonders die Jugend, wehrt sich immer mehr gegen dieses System, dessen Zukunft doch eigentlich längst Vergangenheit sein müsste – diese unmenschliche Wirtschaftsweise  muss „fertig haben“ – und das endgültig!

Genauer und hierzulande betrachtet: Muss man sich wundern, wenn angesichts der vielen Politbaustellen, die der Premier heuer in seiner Rede zur (betrüblichen) Lage  der Nation wieder einmal (praktischerweise Corona - Krise bedingt) zu ignorieren pflegte –  wie bspw. Wohnungsnot, Immobilienpreisdesaster, drohende Jugendarbeitslosigkeit, Altersarmut, generell zunehmende Armut – in allen Fällen verbunden mit der Gefahr sozialer Isolation –  die Klimadebatte, die Risiken der Digitalisierung usw. die Leute sich immer mehr enttäuscht von der Politik abwenden und in Bälde auch vielleicht hierzulande sich eine neue „Bürgerbewegung“ bilden könnte, die von eventuell im Lande bestbekannten Namen angeführt wird? Es bewegt sich in dieser Richtung scheinbar schon was, wie man so hört… Man erinnere sich an die Drohung des streitbaren Anwalts Me Gaston Vogel, der schon mal die Gründung einer republikanischen Partei öffentlich in die Debatte einbrachte! Was natürlich heute bestens in den aktuellen Kontext der Diskussionen um Monarchie (befeuert durch den Waringo-Bericht) und Verfassung passen würde…

Allein um diesen bösartigen Unterstellungen eines sich an dieser Stelle äußernden Bürgers, der so manches vermisst, entgegenzutreten, und um der Politik wieder so etwas wie Glaubwürdigkeit zu verleihen, wird es Zeit, der parlamentarischen Demokratie wirkungsvolle partizipative Instrumente direkter Demokratie hilfreich zur Seite zu stellen – Stichworte: Bürgerräte, Referenden, Volksentscheid – und gefälligst auf die Vox populi zu hören!

Doch zurück zur Philosophie, die jedoch ebenfalls in den eben erwähnten Kontext hilfreicher Instrumente einer lebendigen Demokratie passen würde, und auch zum Thema eines „verborgenen Systems“, das nach Ansicht der meisten Philosophen bis eben Hegel, so jedenfalls Precht, aktiv zu „erdenken“ sei. Diese Auffassung ging allerdings im 19. Jahrhundert verloren und die Philosophie wurde zur „Weltanschauung“. Das sollte, nach Precht, heißen, dass man eine bestimmte Perspektive auf die Welt entwarf und darauf ein Weltbild errichtete. So wären – siehe Titel dieses Textes – die diversen „Ismen“ entstanden. Nationalismus, Chauvinismus, Rassismus, Faschismus, Liberalismus, Libertarismus, aber auch Humanismus, Sozialismus, Kommunismus, Kapitalismus, oder auch – heuer negativ aktuell – Neoliberalismus, Rechtsradikalismus usw. – diverse Begriffe, deren plural eben „Ismen“ ist. Und auch, politisch betrachtet, die Ideologien, die starren Denkschablonen, die heute teilweise mit Macht zurückkehren, weil die sozioökonomischen Veränderungen, gekoppelt mit dem Versagen der Politik, den Menschen Angst machen. Da sind „einfache“ Weltbilder, die gewisse „Ismen“ widerspiegeln – nennen wir da mal den Populismus, genauer: den Rechtspopulismus –  immer verführerisch gefährlich!

Egal wie: Die (negativen) "Ismen" haben leider Auftrieb - Nationalismus, Chauvinismus, Rassismus.

Muss das wirklich sein?

Frank Bertemes