„Vorstellungskraft ist alles. Es ist die Vorschau auf die kommenden Attraktionen des Lebens. Vorstellungskraft ist wichtiger als Wissen."

So Albert Einstein. Setzen wir unsere Fantasie täglich ein? Unsere Vorstellungskraft nimmt unsere Zukunft vorweg. Einstein sagte weiter: "Das wahre Zeichen von Intelligenz ist nicht das Wissen, sondern die Vorstellungskraft." Und diese Vorstellungskraft geht sehr weit, besonders in einer zunehmend digitalen Welt, deren Zukunft nicht mehr aufzuhalten ist. Und mit ihr die unweigerlichen Risiken der Digitalisierung, jedoch auch die Chancen für die Menschheit und die kommenden Generationen, die sicherlich in vielerlei Hinsicht und ob des Alltags einer digitalen Welt ein völlig anderes Leben führen werden, als wir es heute noch führen. In Richtung einer blendenden Zukunft? Ist dem wirklich so?

Die Sprache der Digitalisierung ist Englisch. Entsprechende Anglizismen sind längst – auch hierzulande – (lästiger) Alltag. Als Anglizismus bezeichnet man bekanntlich einen sprachlichen Ausdruck, der aus dem Englischen in eine andere Sprache eingeflossen ist – heuer Alltag unserer modernen, zunehmend digitalisierten Welt. Wenn man von der Digitalisierung spricht, so meint man mit diesem Oberbegriff den digitalen Wandel der Gesellschaft und der Wirtschaft mittels Übergang  des von analogen Technologien geprägten Industriezeitalters hin zum Zeitalter von Wissen und Kreativität, das durch digitale Technologien und digitale Innovationen geprägt wird. So eine der möglichen (positiven) Definitionen dieses Begriffes, der auch seinen (eher negativen?) Einfluss auf die Generationen hat. So werden als „digital natives“ jene Personen der gesellschaftlichen Generation bezeichnet, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind und als „digital immigrants“ jene, die diese Welt erst im Erwachsenenalter kennengelernt haben: aktuelles Generationen – Konfliktpotential inklusive, versteht sich. Einen großen, „blendenden“ Einfluss hat die Digitalisierung auf die Dienstleistungsgesellschaft der Zukunft – wie immer man dazu auch stehen mag. Menschen werden zu Robotern, neue Jobs mit neuen Anforderungen werden auf uns zukommen. Der Zeilenschreiber bemüht  in diesem Kontext die Theorien des Wirtschaftsfachmanns und vielfach ausgezeichneten promovierten Volkswirts Henrik Müller* den er an dieser Stelle analysieren und (kritisch) kommentieren will. Dessen Anglizismen im Kontext dieses Beitrages sind jedenfalls sehr interessant und sollen deshalb ebenfalls vorgestellt werden. Er stellte seine diesbezügliche Szenario-Analyse der Dienstleistungsgesellschaft mit fiktiven Dienstleistungen des Jahres 2020 und später vor.

Zum Beispiel den „Human Service Robot“, bei dem es sich nicht um keinen Roboter, sondern um einen Menschen handelt, dem zusätzliche standardisierte Fähigkeiten „hinzugefügt“ werden. Mittels sogenannter „Augmented Reality“ erbringen Menschen als „flexibel einsetzbare Dienstleistungserbringer“ (wie das denn so heißt) hochkomplexe Aufgaben, für die sie gar nicht ausgebildet sind. Diese „erweiterte Realität“ erleben sie durch spezielle Datenbrillen oder – helme (heutzutage durchaus bekannt), auf die zusätzliche Informationen und Anweisungen gespielt werden, die den natürlichen Blick des Auges ergänzen. Dadurch werden hochwertige Dienstleistungen, für die bislang Experteneinsatz nötig war, von weniger qualifiziertem Personal erbracht. Vielfacher Einsatz möglich – vom Feuerwehrmann über den Automechaniker bis zum Hirn – und Herzchirurgen. Blendend – hervorragend – top? Menschliche Roboter, die vor allem über manuelle Geschicklichkeit, Konzentrationsfähigkeit und Zuverlässigkeit verfügen müssen – und über keinerlei Willen bei der Ausführung der jeweiligen Tätigkeiten…

Zum Beispiel „Virtual Mall“, die Revolution des Einzelhandels. Supermärkte der heutigen Form verschwinden, Einkaufswagen gibt es nur im Museum. Der Kunde betrachtet (physische oder virtuelle) Ausstellungsstücke. Produktdetails kann er oder sie sich auf seinen Hand-Computer übertragen lassen oder auch elektronisch bestellen. Die Produkte werden dann durch intelligente Logistiksysteme zusammengestellt, an einem „Drive- Trough - Schalter“ ins Auto geladen oder direkt nach Hause geliefert. Der Flächenbedarf der Supermärkte sinkt, ein großer „Vorteil“ in immer höher verdichteten Städten. Weniger Verkaufspersonal, der Einkauf wird unabhängig vom Individualverkehr, ältere, kranke Kunden werden vom Verpacken entlastet, Kassen werden von Robotern oder aber vollelektronisch betrieben. Blendend-phantastisch-super?

Zum Beispiel „Buy a process“, Aufträge werden für einzelne Prozesse vergeben, eine dauerhafte Beziehung respektive Zusammenarbeit auf Dauer zu einem spezifischen Dienstleister wird es nicht mehr geben. Aufträge werden nur mehr für einzelne Prozesse vergeben. Für Prozesse, die heute noch im Rahmen langfristiger vertraglicher Bindung erbracht werden, entsteht ein Markt, auf dem derjenige den Zuschlag bekommt, der gerade Kapazitäten frei hat und den niedrigsten Preis bietet – alles online, versteht sich. Unternehmen entwickeln sich immer mehr zu virtuellen Betrieben, die nur noch über kleinste Kernmannschaften an Arbeitskräften verfügen, die alle Routinetätigkeiten von wechselnden externen Dienstleistern erbringen lassen. Hochspezialisierte Mitarbeiter sind demnach überflüssig, der verbleibenden „menschlichen Ressource“, deren Flexibilität allerdings wichtig und vorausgesetzt sein wird, gilt nur mehr die Aufgabe, die Computer mit den gerade hereinkommenden Aufträgen zu füttern.  Man hat gefälligst ständig verfügbar zu sein – gearbeitet wird dann, wenn Aufträge da sind! Herrliche Aussichten für die blendende Arbeitsgesellschaft der Zukunft?

Muss man froh darüber sein, was alles auf uns zukommen wird? Wenn – Stichwort: Renten –auch noch angekündigt wird, dass nur mehr minimale Renten gezahlt würden, die „Älteren“ hinzuverdienen müssten und (Zitat) „starre“ Ruhestandsgrenzen von 65 respektive 67 Jahren nicht mehr in eine (moderne, digitale) Welt passen würden, in der es darum geht, möglichst viele Leute möglichst lange „aktiv“ zu halten?

Blendende Zukunft?

Schaden macht klug, aber zu spät. So ein deutsches Sprichwort – Wenn es denn zu dieser verspäteten, bitteren Einsicht kommen muss….

Frank Bertemes

Diskussionsbasis: Henrik Müller – Die Sieben Knappheiten – Wie  sie unsere Zukunft bedrohen und was wir ihnen entgegensetzen können 

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