Spielen Sie nicht Dame mit den Großmeistern des Schachs!

Ob Donald Trump Schach oder Dame spielt, ist nicht bekannt – der Mann spielt Golf. Und das dürfte wohl weltweit bekannt sein. Ob dieser Sport nun das Denken besonders ankurbelt, wissen jene am besten, die diesen Sport praktizieren – bei Trump dürften in diesem Zusammenhang jedoch nicht unberechtigte Zweifel bestehen. Vielleicht ist ihm bei seinem in den letzten Tagen nach seiner für ihn fatalen Wahlniederlage, die doch arg an seinem überaus hochentwickelten Ego kratzt, doch endlich so etwas wie Einsicht in dieser Hinsicht gekommen, hat er doch zumindest endlich gewisse Anweisungen in diese Richtung gegeben. Vielleicht hat er doch ausnahmsweise einmal zur Abwechslung Schach gespielt? Dass sein persönliches Spiel aus seiner Sicht allerdings noch nicht beendet ist, auch wenn er längst Schachmatt steht, wundert allerdings niemanden. Wie das wohl weitergeht, mit einem „König“, der unweigerlich, aber sicher, „matt“ ist, wenn er sich hilflos seinem Schicksal überlassen muss? Der Mann ist wahrlich ein Paradebeispiel einer besonderen tragikomischen Figur auf dem Politschachbrett…du jamais vu!

Kurzer Exkurs in die Schachgeschichte: An der Schach-WM 2016 brachte Titelverteidiger Magnus Carlsen die Freunde des Schachspiels jedenfalls zum Schmunzeln. Wenige Tage nachdem Donald Trump zum Präsidenten gewählt worden war, eröffnete Carlsen das Turnier (absichtlich und mit Kalkül?) mit einem „Trompowsky“ – daher der Titel dieses Beitrages mit absichtlichem Schreibfehler! Diese Eröffnung mit ähnlichem Namen war, so der geniale Schachspieler, mitnichten ein Glückwunsch an den neuen Präsidenten. Die «Trompowsky»-Variante, eine offensive Eröffnung für Weiss, die Donald Trump wohl völlig unbekannt sein dürfte, ist seit den 30er-Jahren bekannt. Benannt ist sie nach dem brasilianischen Landesmeister Octávio Trompowsky. Der weltbeste Schachspieler, der Norweger Carlsen, ist jedenfalls seit 2013 Schachweltmeister – der Golfer Trump als Präsident out, ist im Fachjargon des Spieles der Könige klar Schachmatt - und das ist gut so! America first à la Trump „hat“ jedenfalls „fertig“ - Joe Biden‘s „2020 Make America Moral Again“ bekommt seine Chance! Doch dazu mehr weiter unten im Text…

Wie jeder Schachspieler weiß, sind Verteidigungen und Attacken auf dem Schachbrett Programm, So entstand beispielsweise die beliebteste aller Defensivstrategien, die „Sizilianische Verteidigung“, um das Jahr 1550 in Italien. Die kommenden Schachzüge des  der Fähigkeit eines taktisch intelligenten Schachspielers jedoch wohl eher unverdächtigen Donald Trump auf dessen realem, politischen „chessboard“, das nur er selbst kennt, sind heuer unbekannt -  mit Sicherheit jedoch unberechenbar. Durchaus bekannt ist jedoch, dass der Kampf gegen das Regime in Teheran im Zentrum seiner Außenpolitik stand. Wenige Tage nach seiner Wahlniederlage soll Trump tatsächlich über einen Militärschlag gegen den Iran gebrütet haben. Glücklicherweise konnten seine in diesen Tagen wenig beneidenswerten Berater ihm diese verrückte Idee vorerst ausreden, doch in Washington sorgt man sich vor Trumps Aktionismus. Der iranische Schriftsteller Habib Ahmad Zadeh adressierte sich jedoch mit folgenden Worten an den „Noch-Präsidenten“: „Krieg ist nicht unser Metier, aber Verhandlungen und Diplomatie sind es. Krieg ist nicht unser Ziel. Frieden ist unsere Mission. Frieden ist unsere Lebensphilosophie, und (…) Diplomatie ist unsere Kunst.“ Der Weltbürger Ahmad Zadeh, erinnert die Kriegsnation USA an die Geschichte dieser Weltmacht, die voll von bitteren Erfahrungen im Verlieren von Kriegen ist (und dem ist absolut so!): Vietnam, Irak, Afghanistan, Syrien…Keine dieser schrecklichen US-Interventionen hat jemals ihr Ziel erreicht! Der Perser ermahnt den Präsidenten der USA, erst einmal zu erkennen, dass der erste Schritt in jedem Kampf darin besteht, den Gegner zu verstehen. Er empfiehlt den US-Amerikanern dringend – und das gilt nicht nur dem Präsidenten Donald Trump, der sich, historisch betrachtet, im Führen von Kriegen sicherlich nicht allein als beratungsresistent erwiesen hat – die Kultur und Geschichte einer alten Zivilisation wie der des Iran zu studieren. Die Iraner, die Trump so gern als in einer „terroristischen Nation“ lebend bezeichnet, sind jedenfalls, so Ahmad Zadeh formell, stolz darauf, in den letzten 250 Jahren nie einen Krieg begonnen zu haben, stolz darauf, niemals andere Nationen okkupiert, sich eingemischt oder sie unterdrückt zu haben, weder in ihrer Nachbarschaft, noch als Reaktion auf ihre Feinde. Besonders in der Hochkultur des Iran – auch in diesem Kontext sind die US-Amerikaner völlig unterentwickelt – besteht eine völlig andere Sichtweise des Kriegsbegriffes: Für den Iran ist der Krieg nämlich keine Option, man entscheidet sich im Iran nie für einen Krieg – das Land reagiert nur auf Krieg! Der Kriegskenner Ahmad Zadeh erinnert den US- Präsidenten gezielt und zutreffend daran, dass der Iran, im Gegensatz zu den USA, nicht nur nie einen Krieg begonnen, sondern auch nie die Ressourcen anderer Nationen beschlagnahmt hat, um Reichtum und Nutzen für sich selbst zu erlangen.

Weshalb haben die USA ihre vielen Kriege geführt? Diese Frage, die sich schon entsprechend der Vorlage dieses iranischen Schriftstellers inhaltlich eigentlich von selbst beantwortet, müsste sich auch das einstige Duo Obama und Biden stellen (lassen)…. Joe Bidens „2020 Make America Moral Again  - wäre in der Tat mehr als angesagt …wobei  das „Again“ allerdings im Sinne des iranischen Schriftstellers in Bidens Slogan im Text zu streichen wäre!

Ach ja: Schach, das Spiel der Könige, ist seit dem 6. Jahrhundert pikanterweise in Persien belegt. Es verbreitete sich im 7. Jahrhundert im Zuge der islamischen Expansion im Nahen Osten und in Nordafrika. In dem Sinne abschließend noch eine entsprechende Empfehlung des an dieser Stelle zitierten iranischen Schriftstellers an die Amerikaner, verbunden mit dessen Feststellung, dass Diplomatie, Nachsicht und Geduld nicht mir milliardenschweren Waffen zu erreichen sind. Denn weder die Saudis, die Israelis noch die anderen Verbündeten der USA, die Milliarden Dollar in Waffenverkäufe investiert haben, konnten den Iran bezwingen. Die könnten vielleicht, so der gereizte iranische Schriftsteller und Kenner der Kriegsmaterie, (Zitat)  „die Hände der iranischen Meister-Schachspieler fesseln, aber wir werden andere Wege finden die Bauern und Pferde zu bewegen.“  Und deshalb auch seine deutliche Aufforderung an jeden Präsidenten der USA und damit wohl ebenfalls an uns Europäer, die wir generell eher herzlich wenig über den Iran wissen und noch so manches von diesem stolzen Volk lernen dürfen:

Spielen Sie nicht Dame mit den Großmeistern des Schachs!

Der Mann weiß mit Sicherheit, wovon er spricht….

Frank Bertemes