…ist erfolgreicher! So jedenfalls ein Top-Manager in einem sehr gezielten Kontext eines Wirtschaftszweiges, von dem man eine derartige Aussage in Richtung „Gutmensch“ jedenfalls kaum erwartet hätte – wobei er persönlich vom „Gutmenschen“ schon mal gar nichts hören will. Es geht dabei um die Nachhaltigkeit in der Wirtschaft, genauer um einen Versicherungskonzern, dessen Chef diesen dezidiert auf Nachhaltigkeit ausrichten will. Im exklusiven Ranking von stern und Statista erreicht Allianz-Boss Oliver Bäte und dessen Nachhaltigkeit-Strategie für den bestbekannten Versicherungskonzern jedenfalls klar den ersten Platz.

Und im Gegensatz zu all jenen, die auch hierzulande immer noch nichts mit dem Begriff der „Nachhaltigkeit“ anfangen können oder wollen, einer Bezeichnung, die sicherlich mehr als nur ein Wort oder auch ein terminologisches, werbewirksames Geschäfts-Alibi darstellt, nimmt der Allianz-Manager den Begriff der „Nachhaltigkeit“ jedenfalls sehr ernst und liefert ganz klare Vorgaben in diesem Zusammenhang. Viele tun sich jedenfalls schwer mit diesem Begriff, der im Vokabular von gewissen Kreisen und ihrer Protagonisten aus purem Profitdenken, aus Bequemlichkeit oder Ignoranz ganz einfach nicht existiert, weil er stört, ganz einfach lästig ist oder auch gewisse Investitionen nicht nur finanzieller Natur erforderlich macht. Umdenken fällt eben schwer…Intelligente Unternehmen sehen das allerdings sehr viel anders und bauen auf ein langfristiges Denken, wobei das Stichwort der Nachhaltigkeit zwingend Programm sein muss und dieses Wort mitnichten einen inflationär gebrauchten Begriff darstellt, die Nachhaltigkeit folglich integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie ist. Es geht um das Prinzip Verantwortung und um die Haltung dahinter: Umwelt, Fairness, Klima, Artenvielfalt, Qualität, fruchtbare Böden, sauberes Wasser, schonende Anbaumethoden, Effizienz, Sicherheit, Wissen, Gesundheit. Das alles ist gemeint, wenn man von Nachhaltigkeit spricht – auch wenn so Manche davon immer noch nichts hören wollen. Diese bewegen sich jedenfalls auch rein unternehmerisch auf sehr dünnem Eis, wie der Allianz-Boss, der Herr über mehr als zwei Billionen Euro ist, und der seit rund fünf Jahren Vorstandschef des erwähnten Versicherungskonzerns ist, seinen Kollegen mit seiner Message deutlich machen will.

Immerhin ist Manager Oliver Bäte schon mal formell: seine Versicherungsgesellschaft versichert schon seit Jahren keine neuen Kohlekraftwerke mehr, was auch für Kohleminen, die ganze Kette vom Schürfen, Fördern bis zum Verbrennen, gilt. Der Konzern erwartet von dessen Kunden, dass diese sich zu den Pariser Klimazielen bekennen und eine glaubwürdige Strategie für einen kompletten Umstieg auf erneuerbare Quellen entwickeln. Wer hätte derartige Töne schon von einem Vorstandschef einer Versicherungsgesellschaft erwartet? Man kann nur hoffen, dass auch die anderen Versicherer diese Botschaft vernehmen und entsprechend handeln werden. Nicht umsonst landet die Allianz in einem rezent vorgestellten Ranking der nachhaltigsten Unternehmen der weltweiten Wirtschaftsmacht Deutschland, dessen Exempel schon mal Programm werden müsste. Das vielgelesene Wochenmagazin stern hat dieses Ranking zusammen mit den Datenexperten des renommierten Marktforschungsunternehmens Statista unter 2000 Firmen, die aufgrund entsprechend klar definierter Kriterien gesichtet wurden, erstellt. Genauer geht es in diesem Kontext um drei Buchstaben, die international immer gemeint sind, nämlich ESG – Environment, Social, Governance, also um Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung. Die Allianz, so ihr Chef, hat das Thema ESG gerade aufgewertet und sich dabei auf Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit konzentriert, wobei interessanterweise auch das hochaktuelle Thema der Geschlechtergerechtigkeit mit einbezogen wurde.

So legt die Versicherungsgesellschaft beispielsweise die Gelder im Zweig der für diese Versicherung bestbekannten Lebensversicherung zu 100 Prozent nach Nachhaltigkeitskriterien an. Die Behauptung, so der Manager, dass man mit „grünen Anlagen“ kein Geld verdienen könnte, erweise sich zunehmend als (Zitat) „Unsinn“. Im Gegenteil: Wer Gutes tut, ist erfolgreicher!

Egal wie: Das Prinzip Nachhaltigkeit muss zukünftiges Pflichtprogramm aller Betriebe werden. In dem Sinne wäre eine entsprechende EU – Politik mit wirksamen Unterstützungsprogrammen für die Unternehmen mehr als angesagt.

Wissend, dass die größte Gefahr für unseren Planeten der Glaube ist, dass jemand anderes ihn rettet.

Ein Plan für einen Planeten B existiert eben nicht!

Frank Bertemes