Zu Beginn der Pandemie erklärte Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron: „Nous sommes en guerre!“ Im Krieg mit einem neuen Coronavirus. In einem Krieg geht es darum den Feind zu besiegen. Dazu braucht es Waffen, Kugeln, Panzer, Flugzeuge, natürlich Soldaten… Gegen das Sars-Cov2-Virus haben wir Abstands- und Hygieneregeln, Masken, Kontaktbeschränkungen, Quarantäneregeln, Tests und die Beteiligung der Bürger an der Bekämpfung der Pandemie.

Ich habe selber lange den- gerade im Vergleich zu Deutschland- permissiveren Kurs der Regierung Bettel begrüßt (so finde ich es auch immer noch gut, dass der Einzelhandel und die Geschäfte unter bestimmten Auflagen weiterhin offen haben dürfen), doch das Auftauchen der im Vergleich zur ursprünglichen Variante aus Norditalien ansteckenderen neuen Mutationen verlangt eine maximale Eindämmung des Virus und ein Drücken der 7-Tages-Inzidenz auf um die 25 Neuinfektionen/100 000 Einwohner.

Die britische Mutation verbreitet sich schneller als die ursprüngliche, gerade bei Kinder und Jugendlichen. Die vorzeitigen Schulöffnungen im Januar haben daher zu einem bedrohlichen Wiederanstieg der Infektionszahlen und in der Folge zu einer Schließung der Schulen durch Bildungsminister Claude Meisch geführt. Dies sollte uns alle eine Warnung sein. „Mit diesem Virus leben“ (iSv. „hohe Infektionszahlen hinnehmen“) ist schlichtweg nicht möglich. Zwar kann es nicht ausgerottet werden und wird somit mit der Zeit endemisch werden, aber bis zur Herdenimmunität durch ausreichend Impfungen muss es maximal eingedämmt werden. Auch weil eine erfolgreiche Impfkampagne eine niedrige Prävalenz des Virus voraussetzt, da sonst auch das Risiko durch den Evolutionsdruck entstehender Escape-Mutationen zu groß werden wird.

Bedeutet das nun, dass ich für einen dritten Lockdown mich stark machen möchte? Nein! Ich will stattdessen die Idee in den Raum werfen, eine große Offensive mit flächendeckenden Antigen-Schnelltests zu starten um die Infektionsketten des Feindes schnell zu enttarnen und zu ersticken. Erst einmal sollten alle Alters- und Pflegeheime, aber auch Krankenhäuser geschützt werden. An solchen Orten müsste es Eingangskontrollen geben mit gesetzlich vorgeschriebenen Schnelltests für Personal wie Besucher. Das Personal müsste regelmäßig alle zwei Tage getestet werden, die Besucher bei jedem Besuch. Obligatorische Schnelltests sollte es auch am Flughafen geben. Niemand sollte ein- oder ausreisen dürfen ohne vorher negativ getestet worden zu sein. Am größten Bahnhof des Landes in Luxemburg-Stadt könnte ebenfalls eine Teststation aufgebaut werden. Denkbar wären solche Schnelltest-Stationen auch überall, wo der Bürger in physischer Präsenz mit der öffentlichen Hand (Staat oder Kommunen) in Kontakt tritt, also bspw. im „Biergercenter“ zumindest größerer Gemeinden. Vor allem aber in Schulen könnten Antigen-Schnelltests ein wichtiges Puzzleteil sein um nach einer Übergangsperiode im Homeschooling wieder Präsenzunterricht zu ermöglichen. Lehrer- die ja zumeist Beamte sind- könnten problemlos gesetzlich zu regelmäßigen Tests verpflichtet werden, bei den Schülern müsste man wohl auf Freiwilligkeit setzen, aber die meisten Schüler würden sich einem Test schon nicht verweigern.

Ein negativer Schnelltest hätte eine Gültigkeit von maximal zwei Tagen. Eine Bescheinigung mit einem QR-Code wird in der Teststation ausgegeben (sei es auf Papier ausgedruckt, sei es per E-mail (aufs Smartphone oder Tablet) verschickt). Hierfür würde sich das vom luxemburgischen Staat unterhaltene System GouvCheck anbieten, das die Kontrolle der Echtheit des Dokuments mittels QR-Code per App möglich macht. Ein positiv Getesteter begibt sich hingegen zuhause in Isolation und fünf Tage später auf Rezept in einen PCR-Labortest. Ist dieser Test negativ, darf die Person wieder aus ihrer Isolation heraus. Sonst muss sie noch weitere fünf Tage in Isolation verbleiben.

Mit diesen verifizierten und für jedermann überprüfbaren Testresultaten ließen sich dann beispielsweise Eingangskontrollen durch Nachweis eines bereits vorliegenden negativen Resultats umgehen. Dadurch ließe sich zum einen der Eintritt in öffentliche Gebäude beschleunigen, zum anderen würde man die ansonsten zum Einlass notwendigen Schnelltests einsparen.

Gerne könnten auch private Unternehmen an der Schnelltestoffensive mitwirken, sei es mit eigenen Teststationen, sei es mit „reinen“ Kontrollstationen, die Testbescheinigungen anderer Stationen kontrollieren. Je mehr Akteure aller Art mitwirken, desto besser. Im Sportbereich müssen Schnelltests ja bereits benutzt werden. Letztlich würde ein solches System bei- gerade im Vergleich zu einem Lockdown- überschaubaren Kosten die Sicherheit für jeden von uns deutlich erhöhen und uns eine schnellere Rückkehr zu „normalen“ Verhältnissen ermöglichen. Denn bei niedrigen Wochen-Inzidenzen könnte man mit solchen für jedermann mittels einer App verifizierten Testresultaten sogar den Zugang zu Restaurants oder Veranstaltungen schnell und einfach ermöglichen.

Einige Leser werden sich nun aber fragen: woher nehmen wir das ganze Testpersonal her? Nun, die Benutzung dieser Tests ist nicht sonderlich schwierig, der Ottonormalbürger könnte es in einem Crashkurs schnell erlernen und für die Arbeit in Teststationen eingespannt werden. Der Staat könnte zudem die Armee, das CGDIS, derzeit Arbeitslose sowie ehrenamtliche oder auch bezahlte Freiwillige rekrutieren. Apotheken könnten sich ebenfalls beteiligen. In Schulen könnten die Lehrer und zumindest die älteren Schüler sie in Eigenregie durchführen.

In einer zweiten Phase könnten Schnelltests auch in Apotheken an private Bürger frei verkauft werden, wie es in Österreich der Fall ist. Hier gibt es zwar keine Meldegarantie für positive Fälle, aber man muss dem mündigen Bürger auch mal vertrauen, aktiv an der Bekämpfung dieser Pandemie mitwirken zu wollen und im Fall eines positiven Schnelltests schon moralisch richtig zu handeln. Im Normalfall würde man sich einen solchen Test besorgen bevor man Freunde oder Familienmitglieder zuhause besucht. Ist dann man positiv, wird man den Besuch jawohl absagen. Die Behauptung, ein (falsch) negativ Getesteter würde sich in „falsche Sicherheit“ wiegen und andere wichtige Hygieneregeln nicht mehr einhalten, halte ich überdies für eine dreiste Verallgemeinerung. Und selbst wenn einige Menschen das tun würden, würden die Vorteile einer Benutzung dieser Schnelltests immer noch diesen einen Nachteil überwiegen. Sehr viele Bürger werden sich erst recht beteiligen wollen, wenn Lockerungen (wie bspw. die Wiedereröffnung der Gastronomie) über ein Ampelsystem fix an eine niedrige Inzidenzzahl gekoppelt sein würden, die zu erreichen somit jedes Einzelnen Ziel wäre.

Wir alle sind Soldaten in diesem Krieg gegen Sars-Cov2 und es wird Zeit endlich zur Mobilmachung aufzurufen und eine echte Offensive gegen den Feind zu starten, der uns seit nun einem Jahr wichtiger Lebensqualität beraubt. Also lasst uns zusammen diese Pandemie beenden. Ein für alle Mal.