dem ist die Welt ein Jammertal! Ich radle,radle,radle. (Richard Dehmel (1836-1920)

Die heutige Menschheit ist allerdings vielfach so geschwächt, hat so verborgene Mängel an sich und führt nebenher auch eine so verkehrte Lebensweise mit Tabak und Alkohol und geschlechtlichen Ausschweifungen, daß es wahrlich kein Wunder ist, wenn für diesen oder jenen das Radfahren etwas ist, was er nicht zu ertragen vermag. Das übertriebene Radfahren kann ein durch andere Einflüsse geschwächter Mensch nicht mehr schadlos bewältigen, das ist begreiflich. Man fahre also niemals bergauf, sondern genieße gleichmäßig abwärtsfahrend die Umgebung.

Im übrigen ist es nicht nur ungesund, sondern auch unschön und daher nicht schicklich, mit vorgebeugtem Oberkörper durch belebte Straßen zu fahren, wobei leicht ältere Leute und Schwerhörige zu Schaden kommen.

(Das Radfahrbuch, von Karl Rihla, 1985)

In der Tat: Radfahren ist gefährlich! Nicht nur im gemeinen Alltag sondern zunehmend auch im Hochleistungssport! Demzufolge hat der Radsportweltverband neue Regelungen, die Sicherheit der Fahrer betreffend, verabschiedet! Die diesbezügliche, teils heftige, Reaktion vieler Profis lies nicht lange auf sich warten! Während viele Rennfahrer (Philippe Gilbert, Matteo Trentin und Ex-Profi Gianni Bugno) die neuen „Vorgaben“ bzw. Reglementationen, lautstark unterstützen, haben, von 800 angeschriebenen Fahrern, anscheinend nur 16 dazu Stellung genommen?! Für meiste Aufregung sorgte die, ab April, verbotene « Super-Tuck-Position »! Durch„Anwendung“ dieser «ungestalten», eher unspektakulären « Kamikaze-Position » hat der Profi-Radsport viel an Ästhetik verloren! Dies umso mehr wenn die Fahrer dabei auch noch pedalieren!

Im Übrigen, was bringt’s eigentlich? Zeitgewinn gegenüber dem Gegner? Nein, der tut das Gleiche! Mehr Sicherheit? Das Gegenteil ist der Fall! Beim Selbsttest kann man feststellen dass nicht nur das Lenken zum Problem wird, beim Auftauchen welcher „Hindernisse“ auch immer, das schnelle Aufrichten vom Oberrohr zur Sattelposition, würde zum sturzspezifischen Katastrophen-„Fall“!

Zweites Problem bzw. Verbot: Wegwerfen der Bidons! 100%ige Zustimmung allerseits!

Nicht nur dass die Trinkflaschen die Natur verschandeln, sie werden jahrzehntelang in Wiesen, Äckern, Büschen, auch Bächen und Flüssen, ihr unverwüstliches, plastikspezifisches „Dasein“ fristen!

Bemerkenswert im Bidon-Wegwerf-Kontext:

Wenn noch erlaubt, war in der Endphase des Rennens noch schnell die eine oder andere Trinkflasche am Begleitwagen abgeholt worden, um dann, dem Ziel nahe und näher, durch die Gegend zu fliegen! Ohne irgendjemandem böse Absichten unterstellen zu wollen, ist es nicht überraschend zu sehen dass dieser unnötige „Ballast“ dann im Feld landet und demzufolge ein Massensturz vorprogrammiert ist!  Warum werden in Zielnähe so viele Bidons weggeworfen? „Je leichter umso schneller“?? Nein, das Gegenteil ist der Fall!! Hat je (außer bei Bergankünften) ein Bergsteiger, also Leichtgewicht, einen Massenspurt gewonnen? Ergo, bei 60-70km/h im Endspurt, je gewichtiger desto schneller! Einem Jean Robic (Leichtgewicht par excellence, Sieger TDF 1947) bspw. wurde oben am Pass, eine mit Blei gefüllte Trinkflasche gereicht um die Abfahrt, schwergewichtiger aber schneller, zu beenden!

Für gleichermassen Diskussionsstoff bei den Profis, sorgte in den 90ern. die Einführung der Helm-Pflicht!

Schon vier Jahre vor dem tödlichen Sturz des Fabio Casartelli in der TDF 1995, hatte die medizinische Kommission der UCI die Helmpflicht einzuführen versucht! Auch damals haben die Fahrer vehement protestiert und sogar mit Streik gedroht! Daraufhin wurde die Ankündigung einer Helmpflicht rückgängig gemacht!!

Erst nach obigem Todessturz wurde diese Regelung ohne Murren angenommen!

Demzufolge: No Super-Tuck, Security first!

Georges Schranz

Stroossen