Eng kleng Satire vum Emil Muller

Ja, es galt einen grossen Auftrag zu vergeben, einen sehr großen. Erfahrene Leute aus etwa 20 – 30 Ländern kamen zu der Überzeugung, dass man einen Sammelauftrag vergeben sollte, unter der Federführung einer grossen, bekanntermaßen kompetenten Organisation. Es brauchte nicht viel Überzeugungskraft um alle 30 (oder waren es nur 20?) hinter dieser Idee zu vereinen.

So geschah es dann. Die Organisation, auf schnelles Handeln bedacht, setzte dann auch sofort 2 ihrer Besten auf die Sache an, um in kürzester Zeit potenzielle Firmen zu finden, mit denen man in zielführende Gespräche treten könnte.

Die Hierarchie der Organisation erkannte sofort, dass man den bekannterweise sehr intensiv arbeitenden Angestellten die volle Wucht des Auftrages nicht aufhalsen könne. Es musste zu einer Arbeitskraftaufstockung kommen… Eine task force? Ja, vielleicht, klingt gut, scharf, effizient aber es sollte dann doch etwas Groesseres sein, z. B. eine Abteilung mit Sekretariat, Uebersetzungsdienst, Ablage, Buchhaltung, Sachbearbeitern und Abteilungsleiter! Sowie Räumlichkeiten und zeitgemäßem Büromaterial. Gesagt, getan doch, halt: von den Sachbearbeitern musste, gemaess erprobtem Modus, aus jedem Staat ein Agent eingegliedert werden, mit Ausnahme der großen Staaten denn für letztere sollten es 2 sein. Und dann zum Abteilungsleiter : bei hochrangigen Besetzungen galt es diffizile geografische Überlegungen anzustellen und nationale Empfindlichkeiten auszubalancieren. Doch,wie immer wurde der ideale Kandidat gefunden.

Nun war diese Hürde – mit nicht allzuviel Zeitaufwand – überwunden.

Eine Sache war allerdings vergessen worden, die Logistik. Es musste also noch ein Systemanalytiker her mit einer hochperformanten Hardware. Hier war die kritische Frage Apple oder nicht Apple und um die Frage zu beantworten musste man halt einige Zeit aufwenden. Leider fand man keine Faktoren die die Wahl entscheidend beeinflusst hätten. Um nicht weiter in Verzug zu geraten leaste man beide Systeme. Klingt für Aussenstehende etwas eigenartig aber wenn man mit der „compliance“ und der Buchhaltung zurecht kommt geht das in Ordnung…

Über all dem war in interessierten Kreisen bekannt geworden, dass eine große Sache im Raum stand und entsprechende Interventionen von Produzenten, Mittelsmaennern und Lieferfirmen aller Größen häuften sich in den Sekretariaten der Hierarchie der Organisation.

Hinzu kam, dass auf politischem Niveau eindringliche Vorhaltungen und Empfehlungen übermittelt wurden um bestimmte Firmen in das rechte Licht zu rücken.

Schließlich kam noch, dass einige freidenkenden Geister öffentlich darüber nachdachten, ob man sich nicht auf die Firmen konzentrieren sollte, welche das betreffende Produkt schon anboten.

In extremis insistierte dann ein kampferprobtes Umverteilungsfreak es müssten eigentlich alle Produzenten ein Stück vom Kuchen abbekommen.

Klar, so läuft das. Das wird auch so in Kauf genommen.

Es war nur der Zeitfaktor der irgendwie ins Hintertreffen geriet.

Und an dieser Stelle kam der ungeduldige kleine Pitti aus Luxemburg ins Spiel. Er konnte nicht umhin bei einem früheren Kollegen der nun in der Abteilung arbeitete anzurufen um sich über die Lage zu informieren. Die freundliche Antwort lautete :“Nun, Pitti, die Abteilung ist startbereit und es ist alles im grünen Bereich. Ich meinerseits bin guter Hoffnung. Aber, wir sind ja alte Kollegen und, wenn ich dir einen Rat geben darf : sag deinen Leuten sie sollen sich auf direktem Weg an den Türken wenden, der hat das beste Produkt und er kann liefern. „

Pitti war nicht ganz zufrieden, „auf direktem Weg“?, „wo blieb da die Abteilung“? Er versuchte mit sorgfältig gewählten Worten seinem Kumpel seine Bedenken zu vermitteln doch dieser blieb ganz locker. „Schau, Pitti“ sagte er „alle sind zufrieden. Wir haben schöne Büros mit Panoramablick auf die Grand’Place. Ein großes Land konnte, entgegen den massiven Vorhaltungen eines anderen, befreundeten Landes, den Abteilungsleiter für sich in Anspruch nehmen. Ein anderes Land, namentlich darf ich es nicht nennen, konnte auf einen Schlag zwei missliebige Politiker in der Abteilung unterbringen. Damit dir keine Zweifel bleiben wie planmäßig Personalpolitiker vorgehen : ein sehr sparsames Land aus nördlichen Gefilden beanspruchte den Leiter der Buchhaltung für sich aber dieser wichtige Posten wurde einem Kandidaten aus südlichen Gefilden zugesprochen. Nun gut, ich höre auf. Du bist ein Freund und ich sage es nicht gerne nochmal doch es muss sein: nur auf direktem Weg! „