Die starke Nachfrage nach E-Autos rief zuletzt auch skeptische Stimmen über ihre Umweltverträglichkeit auf den Plan. Klar ist auch, dass E-Autos die Verkehrsprobleme nicht lösen. Andererseits sollten sie aber auch nicht schlecht geredet werden noch bevor ihr wahres Klimaschutzpotential erkannt wird. Laut einer schwedischen Studie von 2017 hätten E-Autos wegen einer schlechten Ökobilanz ihrer Batterien keinen Klimavorteil gegenüber Verbrennern. Bereits 2019 folgerte aber eine aktualisierte Fassung dieser Studie, dass sie sehr wohl viel klimafreundlicher sind. Dies wurde 2020 von neuen Studien der Universität Eindhoven, des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung und des Heidelberger Instituts für Energie- und Umweltforschung bestätigt. Hinzu kommt, dass der einsetzende Boom der E-Mobilität Forschung und Innovation weiter stärken wird. Mit E-Autos alleine lassen sich aber die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens für den Verkehrssektor nicht erreichen. Für LKWs, Busse, Schiffe und Flugzeuge sowie als Alternative für Diesellokomotiven muss eine grüne Wasserstofftechnologie eine wichtige Rolle spielen.

Es gibt schon Autobauer, die für Herstellung der Batteriezellen und Fahrzeuge 100% erneuerbare Energie einsetzen, wofür ein rezentes Modell vom TÜV sogar das Zertifikat „klimaneutrales Auto“ erhielt. Da aber E-Autos nur dann zum Klimaschutz beitragen, wenn bei der Ladung erneuerbare Energie zum Einsatz kommt, ist es richtig, dass die E-Prämie an einen Vertrag zur Belieferung mit 100% Naturstrom gebunden ist. Auch sollte die Prämie so gestaffelt werden, dass sich nicht nur Privilegierte ein E-Auto leisten können. Verbesserungsbedarf gibt es noch bei der Gewinnung der Rohstoffe Kobalt, Lithium und Nickel bis Batterien marktreif werden, die darauf verzichten können. Leider wurde durch Wirtschaftslobbyismus in Deutschland ein Lieferkettengesetz derart verwässert, dass zurzeit nur Selbstverpflichtungen einiger Autobauer zu Verbesserungen hinsichtlich Umweltverträglichkeit und Menschenrechten und zur Vermeidung von Kinderarbeit bei der Rohstoffgewinnung führen.

Im Rahmen der Energiewende wird vor Stromausfällen durch Netzschwankungen aufgrund der volatilen Sonnen- und Windenergie gewarnt. Gerade hier werden heutige E-Autos Teil der Lösung sein. Wenn ihre Batterien nach 8 Jahren zu schwach werden, können sie noch 12 Jahre lang als stationäre Speicher für Wind- und Sonnenenergie dienen, wodurch die Umweltbilanz der E-Autos noch weiter verbessert und Schwankungen im Stromnetz ausgeglichen werden. Nach 20 Jahren im Einsatz können sie fast vollständig recycelt werden. Im Gegensatz zu Pumpspeicherkraftwerken sind solche Batteriespeicher noch schneller und flexibler zu regeln, wesentlich billiger und praktisch überall schnell zu verwirklichen. Durch dieses ‚Second Life“ ihrer ausgedienten Batterien werden schon die aktuellen E-Autos zu einem wesentlichen Element der Energiewende.

Alex Christoffel

Düdelingen