Qute, das bin ich.

Aber nur auf den Papieren-

Cute das bin ich wirklich und deswegen heiße ich auch so.

Und das ist meine Geschichte.

Also unsere, denn wir sind zu viert. Mein Bruder Querido und meine Schwestern Que Será Será und Queen Bee. Meine Menschen Mama, hat mir diesen Namen gegeben. Sie sagte, das die Anderen Namen einfach schön geklungen haben. Sie hat sie aufgeschrieben und überlegt bevor sie meinen Geschwister diese Namen gegeben hat. Nur bei mir, wusste sie es sofort. Sie sagte Cute, dass ist echt, das passt. Das ist dein Name. Wenn ihr das Video gesehen habt, wie alles begann, dann konntet ihr bestimmt sehen, wie sehr sie sich auf uns gefreut hat. Fast zwei Jahre haben die beiden Mamas, also Mami und Menschen Mama gebraucht, bis wir uns auf den Weg gemacht haben. Sie wurde schon oft gefragt, warum sie das macht. Also das Mama und Papa uns gemacht haben. Aber die Frage finde ich irgendwie blöde? Denn sonst hätte sie uns ja nicht! Sie sagt immer, meine Mama ist wie ihr Baby und weil sie sie so sehr liebt, möchte sie, dass immer ein Stück von ihr, in uns weiterlebt. So hat sie immer ein Stück von Oma, in Mama und von Mama in uns. Das ist doch dann ganz logisch. Aber darum geht es hier eigentlich nicht.

Es geht um mich.

Einen Chihuahua Jungen der keinen leichten Start ins Leben hatte. Wir mussten per Kaiserschnitt aus Mama rausgenommen werden. Querido war einfach ein bisschen zu dick und hat den Weg versperrt. Wir haben das Datum erreicht . . und die Zeit wurde knapp. Que Será Será war schon in ganz grünem Wasser eingehüllt. Das hätte uns alle vergiften können, haben Sie gesagt. Und auf einmal ging alles ganz schnell. Ein bisschen zu schnell für mich. Ich war noch sehr klein. Hatte kaum Haare einen viel zu großen Kopf und lief blau an, weil ich noch nicht richtig atmen konnte. Ich war einfach so müde von den Medikamenten. Trotzdem hat die Ärztin alles richtig gemacht und uns alle gerettet. Ich bin in einen Glaskasten gekommen in dem ich besser atmen konnte. Mami wurde noch zugenäht und die anderen von Menschen Mama behütet und warm gehalten. Tante Vero war auch da. Und eine andere Ärztin. Sie haben alle geholfen. Als Mama wach geworden ist, war sie erstmal überfordert mit uns. Wir waren so laut und haben geschrien. Aber nur weil wir uns so gefreut haben, dass sie endlich da ist und Hunger hatten wir auch. Mami hatte Angst vor uns. Und Menschen Mama hat dann geweint. Es hat ihr leid getan, dass wir alle so verloren waren. Aber dann haben sie alle eine Flasche genommen uns gefüttert. Wir hatten großen Hunger. Ich auch. Aber mein Kopf war einfach zu schwer. Ich konnte ihn nicht alleine halten. Sie hat mir dann geholfen und nach jedem Schlückchen hat sie sich sorgend gemacht. Ich wurde manchmal blau und hatte wenig Kraft- aber ich wollte doch! Die Tierärztin hat gesagt, dass mit mir vielleicht etwas nicht stimmen könnte. Eine Behinderung oder so . . . aber Menschen Mama sagte nur ich bräuchte Zeit. Zeit und mehr Kraft um alleine zu trinken. Die Tierärztin war sich nicht so sicher, aber Menschen Mama hat mich angesehen und dann habe ich nochmal extra fest gestrampelt und einen extra großen Schluck getrunken und dann Sagte sie. „Wir bekommen das schon irgendwie hin". Wir waren viele Stunden in der Klinik und wurden dann nach Hause gebracht. Tante Vero ist gefahren und war ganz stolz auf uns. Als wir Zuhause angekommen sind, wurden wir in ein weiches Bett gelegt. Eine rote Lampe hat uns gewärmt. Nur Mami wollt immer noch nicht zu uns kommen. Wir haben komisch gerochen. Nach Arzt. Nach Medikamenten. Und fremd. Immer wenn wir nach ihr gerufen haben, hat sie sich unter Menschen Mama's Bett versteck. Menschen Mama hat dann immer bei uns gesessen. Sie hat uns Handschuhe, gefüllt mit warmen Wasser, ins Bett gelegt, damit wir uns nicht so allein fühlen und mit dem Flächen klappte es bei den drei ganz gut. Nur ich habe mich immer wieder verschluckt. Das war garnicht gut- so bekommt man schnell eine Lungenentzündung, sagte sie. Dann haben wir beide andere Möglichkeiten ausprobiert. Sie hat eine klein Spritze genommen, aber ohne Nadel! und mir Tröpfchen für Tröpfchen auf die Zunge gegeben. Hmmm das war gut! Die Milch ist schön langsam in meinen Mund geflossen und ich hatte genug Zeit sie runter zu schlucken- ich habe so viel getrunken. Und sie war einfach nur froh. Sie lachte und sagte „oh mein Cuti Cute ich bin so glücklich das du trinkst! Du kannst das! Wir schaffen das! „

Unsere Mami hat dann Malzbier bekommen. Und so Tropfen - denn sie hatte keine Milch. Zu uns wollte sie auch nicht. Aber zu Menschen Mama. Da saß sie dann auf ihrem Schoß und hat zugesehen wie sie uns füttert. Auch beim Saubermachen oder Bauch massieren wollte sie ihr nicht helfen. Aber Menschen Mama war nicht böse. Sie hat ihr dann einen Kuss gegeben und gesagt „dass sind unsere Babys". Nachts wurden wir oft durch ein Piepsen wach gemacht. Alle zwei Stunden, saß Menschen Mama dann da und hat uns versorgt. Sie sah oft sehr müde aus. Garnicht gut. Aber wenn sie uns dann auf eine Wage gesetzt hat, Malte sie komische Zahlen auf ein Linienblatt und freute sich über jedes einzelne Gramm! Wir mussten am Anfang oft zum Dokter zurück. Nur zur Kontrolle sagte sie. Und die Ärztin war ganz verblüfft. Sie war stolz auf Menschen Mama und sagte sogar, dass sie nicht gedacht hätte, dass ich es schaffen würde. Auch Hunde Mami war auf einmal viel lieber. Wenn wir nach den Mamas gerufen haben, hat sie immer erst auf Menschen Mama gewartet, bevor sie zu uns gekommen ist. Sie war sich nicht sicher, was sie tun soll. Dann hat Menschen Mama immer ganz ruhig mit ihr gesprochen und uns zu ihr gelegt immer und immer wieder. Querido hat sie dann zuerst gefunden. Eine Milch-Bar. Direkt unter Mami. Es war herrlich! Wir tranken während sie uns putzte und Menschen Mama hat geweint. Aber diesmal vor Freude. Ich konnte mich am Anfang noch nicht fest genug andoggen und bin öfter abgerutscht, aber dann war da Menschen Mama's Hand die mich hielt und so schaffte ich es, zu trinken. Das war viel besser als die Flasche. Ich bin nur oft dabei eingeschlafen. Dieses Nuckeln war einfach so anstrengend für mich. Dann hab ich trotzdem noch ab und zu Milch von Menschen Mama bekommen. Nur um sicher zu gehen, dass ich genug trinke sagte sie. Und das funktionierte. Ich hatte langsam immer mehr Kraft und konnte sogar jetzt auch schon für kurze Zeit, ganz alleine trinken. Am liebsten aber wenn die Hände von Menschen Mama dabei waren. Ich kannte sie so gut. Vom ersten Tag an, hielten sie mich warm. Sie fütterten mich. Sie gaben mir Halt, wenn ich mich allein gefühlt habe. Und immer wenn die Hände in Richtung von unserem Bettchen näher gekommen sind, robbte ich ihnen mit aller Kraft entgegen. Ich legte mich in sie, wenn ich müde war. und nuckelte an ihnen, um zu zeigen das ich hungrig bin. Und auch als Mami dann immer bei uns liegen blieb, uns kaum mehr zum Pipi machen alleine lassen wollte- waren die Hände von Menschen Mama trotzdem ein Lieblingsplatz. Meine Hände. Mein Lieblingsplatz.

Manchmal hörte ich, wie sie sich mit Menschen Papa unterhalten hat. Sie waren sich einig, ich war für sie perfekt. Auf meine Weise. Und sie sagten, dass ich für immer bei ihnen bleiben darf.

Nach drei Wochen, war ich ein kleiner fitter Chihuahua-Junge. Ein bisschen langsamer als meine Geschwister, aber sehr schlau, sagten sie. Sie haben die kritische Phase überstanden, war der letzte Befund der Ärztin. Er wird vielleicht anders bleiben, aber wirkt ansonsten soweit gesund. Menschen Mama war so glücklich. Und für sie und Menschen Papa war ich vielleicht anders, aber anders perfekt. Dann ging alles ganz schnell. Von Heute auf Morgen war mein Bauch so hart. Er tat weh und ich wollte einfach nichts fressen. Weder bei Mami trinken, noch von Menschenmama das Fläschchen nehmen. Wir sind sofort zur Ärztin gefahren. Sie hat meinen Bauch gefühlt und festgestellt, dass ich wohl eine Verdauungsstörung habe. Mir wurde ein Einlauf gemacht, damit ich wieder Kot ablassen konnte. Aber es half mir nicht. Ich hatte hatte große Schmerzen. Eine Spritze hat ein bisschen geholfen. Wir waren über drei Stunden dort. Menschen Mama war verzweifelt und fragte immer wieder was man denn noch tun könnte. Wir machten Bauchmassagen, wieder einen Einlauf. Aber außer Blut kam nichts mehr. Ich lag in ihren Händen. Ich hatte Schmerzen. Die Ärztin berührte sie an der Schulter. Sie weinte. Es war aussichtslos. Herz gegen Kopf. Angst, Hilflosigkeit. . . totale Verzweiflung. Das einzigste was meine weinende Menschen Mama noch für mich tun konnte, war ihren Egoismus mich halten zu wollen, auszuschalten und mich gehen zu lassen. Die schlimmste und schwierigste Entscheidung, die sie bis dahin, in ihrem Leben treffen musste.

Ich starb bei ihr.

Auf meinem Lieblingsplatz-

in ihren Händen.

Auch zwei Jahre später fällt es ihr noch immer unsagbar schwer an mich zu denken. Trotzdem ist es ihr wichtig von mir zu erzählen. Weil ich tapfer war! Weil ich leben wollte! Weil es wichtig ist, für das zu kämpfen was man liebt. Und auch wenn man den Kampf leider nicht immer gewinnt, waren drei Wochen mit mir trotzdem ein Gewinn, den sie niemals missen möchte. Durch meine Geschwister wird ihr immer ein Teil von mir bleiben und mit ihnen weiterleben. . . aber das ist nur ein kleiner Trost, denn ich war einzig artig.

Ihr Versprechen haben Menschen Mama und Menschen Papa jedoch gehalten. . . ich darf bleiben. Für immer. In Ihren Herzen und ihrer Erinnerung- Auf meinem Grab befindet sich eine Skulptur.

Zwei Hände.

Mein Lieblingsplatz.

Ich bin Cute und das war meine Geschichte.

RTL