„Nicht Worte sollen wir lesen, sondern den Menschen, den wir hinter den Worten fühlen.“ Samuel Butler (Schriftsteller)

Träumer. Kritische Autoren, die mahnend ihre Texte publizieren und Fragen aufwerfen, die generell eher unerwünscht, weil unbequem, ganz einfach dem Zeitgeist widersprechend sind. Büchertexte, Zeitungs- oder Netzartikel diverser Art, oder auch Leserbriefe kritischer Zeitgenossen. Muss man hierzulande beispielsweise Maître Gaston Vogel erwähnen, der so manche von der politischen Klasse vertuschte oder tunlichst ignorierte Missstände diverser Thematik aufwirft? Oder auch Dichter, die, mit ganz anderen, oft tief bewegenden Gedichten die eigentliche Macht in kalten, düsteren Zeiten übernehmen müssten? Die noch so etwas wie Hoffnung und Lebensfreude zu vermitteln vermögen? Man sollte wieder Gedichte lesen, auch wenn dies leider nicht mehr so angesagt zu sein scheint… Die Macht des Wortes, der Begriffe – man sollte sie niemals unterschätzen! Auch wenn diese so ziemlich genau das sind, was „in modern times“ wenig erwünscht ist und höchstens ein müdes Lächeln auf die kalten Lippen der Manager und Konzernbosse zaubert. Eine Welt, die immer kälter, unmenschlicher wird und im Mainstream des digitalen, eiskalten Denkens des Großkapitals zu funktionieren hat, der Vorgaben des SMART-Managements der gleichgeschalteten Betriebe gehorchend, wo nur noch das blanke Resultat der Jahresbilanzen zählt, der Mensch als „Humankapital“ nur mehr lästig ist und in Zukunft noch lästiger sein wird.  Kalte Typen, die all das ausführen, was ihnen von „Unternehmensberatern“ so alles vordiktiert wird. Auch wenn es glücklicherweise doch noch Ausnahmen gibt. Doch generell gilt: „Wer glaubt, Unternehmensberater würden Unternehmen beraten, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten“, wie der Journalist Carlo Kass in einem seiner vielen bemerkenswerten Beiträgen des „kulturissimo“ sehr zutreffend bemerkte. Seine Analysen und Kommentare des Zeitgeschehens sind jedenfalls immer brisant und punktaktuell zutreffend…

So mancher resigniert in dieser Welt, verliert in einer „Pandemie“ und ob derer schlimmen Konsequenzen, von denen gewisse Kreise und den diesen zudienenden Politlakaien, die die Interessen jener befriedigen, die jedoch nicht und nie zu befriedigen sind, schamlos profitieren, jegliche Illusion auf Besserung. Das Offensichtliche wurde innerhalb eines Jahres dieser Corona-Hysterie, die uns alle beherrscht, noch deutlicher:  Die politisch, neoliberal diktierten Zustände, das Versagen der Politik in diesem Gesamtkontext wirtschaftsliberaler Dominanz,  ganz einfach der zerstörten Hoffnung auf zunehmende „Menschlichkeit“  in einer  Welt der Macht des Geldes, der Computer, der Roboter, der KI, der  diversen Formen der „Künstlichen Intelligenz“, die unser Leben,  noch und nöcher bemerkt, immer mehr beherrschen und die unseren Alltag einer  digitalen Welt, die sich heuer voll entfaltet, bestimmen werden. Dabei wird der kritische Geist resolut bekämpft, die Allgemeinbildung den wirtschaftlichen Vorgaben des krassen Neoliberalismus geopfert und nur mehr (vermeintliche) „Kompetenzen“ vermittelt, die mit irgendwelchen nichtssagenden Diplomen und Titeln „belohnt“ werden. Doch das Wissen, mit dem Fundament einer guten Allgemeinbildung, verkommt zunehmend.  Welches Bildungssystem haben wir denn noch? Ein System, das der Wirtschaft zu dienen hat, ein öffentliches Bildungssystem, über das wir einmal stolz sein durften, das allerdings nur mehr privatwirtschaftlichen Interessen geopfert werden soll?  Und der Mensch, der „Träumer“ in all dem?

Man hofft nichts mehr: Nichts von der Politik, nichts von der Gesellschaft, nichts mehr von der Welt. Die Realität: Neben den bekannten sozialen Missständen, zunehmende und schwerwiegende psychische Probleme, vor denen uns Psychiater und Psychologen warnen, gar Alarm schlagen, besonders im Jugendbereich!  Probleme, die unweigerlich ihre Konsequenzen in so vielen Sparten des Alltagslebens haben werden, ja die menschliche Misere nur noch zusätzlich verschärfen – unweigerlich, aber sicher. Ist derjenige, der so denkt, ein unrealistischer, defätistischer Träumer? Ein dem Pathos erlegener Mensch, der die Realitäten verkennt und sich in einer Traumwelt verliert? Doch werden wir mal absichtlich und bewusst an dieser Stelle für einmal pathetisch und zitieren Rainer Maria Rilke, einen der bedeutendsten Lyriker deutscher Sprache:

„Wir wenden uns an das, was uns nicht weiß:

An Bäume, die uns traumvoll übersteigen,

an jedes Für-sich-sein, an jedes Schweigen –

doch grade dadurch schließen wir den Kreis,

der über alles, was uns nicht gehört,

zu uns zurück, ein immer Helles mündet.

O dass ihr, Dinge, bei den Sternen stündet!

Wir leben hin und haben nichts gestört."

 

Ein herrlicher Text, der bestimmt nicht nur den sich hier äußernden Pantheisten erfreut. Die Macht der Wörter – am Beispiel eines (durchaus absichtlich) vielfach interpretierbaren Gedichtes bestens illustriert und der vielleicht doch auch jene erreichen könnte, die sich der Kälte dieser Welt ergeben haben und sie auch dazu verführen könnte, sich ihres Daseins in Einfachheit zu  erfreuen und ihr Handeln doch noch zu überdenken anregen soll.

Und auch jene Zweifler, kritischen Geister, die diese Welt immer braucht, diese mehr oder weniger bescheidenen Denker weiterhin dazu zu ermuntern,  etwas nie zu tun, nämlich: Aufgeben!

 

…ein immer Helles mündet!

 

Frank Bertemes