Luxemburg ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Die gesamte Bevölkerung könnte in ein leeres München ziehen und dann stünde die bayerische Stadt immer noch halb leer. Andernorts haben Bürgermeister die Verantwortung für mehr Menschen als hierzulande der Premierminister. Luxemburg ist ein Sonderfall, geographisch und historisch das Herz von Europa, eine Pilgerstätte für Individualismus und Liberalismus, eine Drehscheibe für Wachstum und Wohlstand und irgendwo mittendrin steht der Elfenbeinturm, von dem die Intellektuellen aus dafür sorgen, dass das Elfenbeinreich bleiben soll, was es ist: Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Während die Jugend durch die Straßen zieht und eindringlich vor dem Klimakollaps warnt, wird in Wickringen mit dem Bau der Motorworld Öl ins Klimafeuer gegossen – einfach nur, weil es Spaß macht und weil im Autoland Luxemburg Kohle eben anders abgebaut wird. Wo in fernen Ländern Regierungsvertreter zurücktreten, sobald ihre Glaubwürdigkeit in Gefahr ist, wird der Plagiator im Elfenbeinturm in Schutz genommen. Er ist kein Vorbild, sondern ein Abbild. Ja dieses Land ist besonders. Hier wird nicht gegen unbezahlbaren Wohnraum demonstriert, sondern gegen kostenlosen Impfstoff. Man kämpft für Freiheiten, die man längst hat und wünscht all jenen den Tod, die es wagen, Leben zu retten. Wenn es nichts zu wählen gibt, will man wählen, und wenn alles schiefläuft, werden die Gewählten verantwortlich gemacht und nicht die Wählenden.

Die Einzigen, die in ihrer Rolle bleiben, sind die Populisten: Sie fordern Referenden zur Verfassungsreform ohne darüber zu referieren, sie sprechen im Namen des Volkes und grenzen dabei die Hälfte der Bevölkerung aus.

Willkommen im Elfenland, wo die Straßen jeden Tag voller, die Häuser jeden Tag teurer werden. Und am Ende des Tages schauen alle erbost zum Elfenbeinturm und am Morgen danach weiß niemand mehr warum.

Georges Sold