Der Philosoph Arthur Schopenhauer schreibt in seinen Aphorismen zur Lebensweisheit: “Zunächst erfordert jede Gesellschaft notwendig eine gegenseitige Akkommodation (Anpassung) ...

Ganz er selbst sein, darf jeder nur solange er allein ist”.

Wer also nicht in Einsamkeit lebt, der kann demnach nie die totale Freiheit für sich beanspruchen. Denn nur wenn man gänzlich ohne Interaktion mit seinen Mitmenschen lebt, kann man frei sein. Ein gewisses Maß an Zwang ist folglich die unausweichliche Konsequenz jeder Gesellschaft.

Und jede Gemeinschaft fordert Opfer! Diese fallen aber genau jenen im proportionalen Verhältnis um so schwerer, denen ihre eigene Individualität umso bedeutender erscheint.

Ich schreibe hier bewusst “erscheint”, denn ich bezweifele stark, dass die Individualität bei vielen so bedeutsam ist und sich in eigenständigem, kritischen Denken manifestiert. Auf dieser Seite gibt es eben auch viel Glauben! An selbsternannte Youtubegurus und Globulifantiker.

Diese schreien nun auf Demonstrationen nach Freiheit und beklagen lauthals, dass sie von der Diktatur der Mehrheit an den Pranger gestellt werden wegen ihrer Überzeugungen und Meinungen.

Manche tragen dabei sogar den gelben Judenstern und glauben in ihrer kleinkindlichen Selbstbemitleidung  und ihrer geistigen Verwirrung, ihr selbstauferlegtes Schicksal und vermeintliches Leiden sei vergleichbar mit dem der Millionen Juden im zweiten Weltkrieg!

Welch pietätsloser Unsinn! Welch unsensible Verharmlosung und Verhöhnung wirklichen und wahrhaftigem Leidens!

Dass diese Geschichtsverkenner ihre abstrusen Ideen überhaupt offen auf der Straße zur Schau stellen können, zeigt ja gerade, dass es bei uns mit ihrem Geflenne über die Diktatur nicht weit her ist. In Weissrussland, China, Iran, Russland und in so manch arabischen Staaten würden diese – wenn sie sich dort überhaupt auf die Straße trauen würden – das wahre Gesicht einer Dikatur – sprich die Knüppel - kennenlernen und sicherlich mit ein paar blauen Flecken nach Hause kommen, wenn sie das Glück gehabt hätten nicht für Wochen, Monate oder länger in irgendeinem namenlosen Gefängnis zu verschwinden.

Wie gesagt: Auf der einen Seite wird verharmlost, auf der anderen übertrieben. Mein Vater hat im zweiten Weltkrieg in der Belgischen Armée Sécrète gegen eine faschistische Dikatur gekämpft, die Künstler, Homosexuelle, Behinderte, Linke, Juden und Roma als minderwertiges Leben betrachtet und ihnen das Recht auf LEBEN abgesprochen hat.

Da ging es ums Ganze. Da war der Preis einer Meinungsäußerung ungemein hoch. Da ging es um Leben und Tod! Das waren keine Wochenendvergnügen, wo man mit dummen Sprüchen auf Plakaten durch die Stadt spaziert und sich dabei unheimlich wichtig vorkommt, so als sei man alleine im Besitz der absoluten Wahrheit.

Nein, wer in einer wahren Diktatur für Freiheit kämpft, der kennt den Einsatz: das eigene Leben.

Also liebe Wochenendrevolluzer, wenn ihr das nächste Mal bei der symbolträchtigen “Gëlle Fra” steht, zeigt eure Gesichter und wenn ihr wirklich verstanden habt, um was es geht, lasst den gelben Stern eingepackt.

Richard Stephany